Heizung entlüften in der Mietwohnung: Darauf müssen Sie achten

Das Heizungsventil sollte so lange offenbleiben, bis der Heizkörper nicht mehr gluckert - und ein durchgängiger Wasserstrahl kommt.
Andrea Warnecke/dpa-mag/dpaGerade zu Beginn der Heizperiode stellen viele Mieter fest, dass ihre Heizkörper nicht mehr richtig funktionieren. Häufig bleibt der obere Teil kalt, während der untere bereits warm wird. Auch gluckernde oder blubbernde Geräusche können darauf hindeuten, dass sich Luft im Heizkörper angesammelt hat. Dadurch kann sich das Heizwasser nicht mehr ungehindert verteilen.
Abhilfe schafft das Entlüften der Heizung. Die Maßnahme ist vergleichsweise einfach und kann dazu beitragen, die Heizleistung zu verbessern und Energie zu sparen. In einer Mietwohnung gibt es allerdings einige Besonderheiten zu beachten.
Darf man als Mieter die Heizung selbst entlüften?
Grundsätzlich können Mieter ihre Heizkörper selbst entlüften. Da es sich um einen vergleichsweise einfachen Eingriff handelt, ist dafür normalerweise kein Fachbetrieb erforderlich. Dennoch empfiehlt die Verbraucherzentrale, sich vorher mit dem Vermieter, dem Hausmeister oder der Hausverwaltung abzusprechen.
Der Grund: Beim Entlüften entweicht nicht nur Luft, sondern auch eine geringe Menge Heizungswasser. Dadurch kann der Druck innerhalb der Heizungsanlage sinken. In einem Mehrfamilienhaus kann sich das unter Umständen auch auf die Wärmeversorgung anderer Wohnungen auswirken.
Die Verantwortung für die Instandhaltung und den ordnungsgemäßen Betrieb der Heizungsanlage liegt beim Vermieter. Wer sich beim Entlüften unsicher ist, sollte die Arbeiten deshalb lieber dem Hausmeister oder einem Fachbetrieb überlassen.
Muss die Heizung beim Entlüften ausgeschaltet sein?
Idealerweise wird vor dem Entlüften die Umwälzpumpe der Heizungsanlage abgeschaltet. Sie sorgt dafür, dass das Heizungswasser durch die Leitungen und Heizkörper zirkuliert. Steht die Pumpe still, kann sich die Luft besser an den höchsten Stellen der Heizkörper sammeln und anschließend entweichen.
In einer Mietwohnung ist das jedoch häufig nicht möglich. Besonders in Mehrfamilienhäusern befindet sich die zentrale Heizungsanlage meist in einem für Mieter nicht zugänglichen Heizungsraum.
Die gute Nachricht: Das Entlüften funktioniert auch bei laufender Umwälzpumpe. Wie die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online gegenüber der Stuttgarter Zeitung erklärte, kann die Entlüftung dann allerdings weniger effektiv sein, weil weiterhin Luft im Heizsystem zirkuliert.
Mieter sollten daher keinesfalls eigenmächtig die zentrale Heizungsanlage ausschalten. Wer die Umwälzpumpe abstellen möchte, sollte das vorher mit dem Vermieter oder der Hausverwaltung klären.
Wie entlüftet man die Heizung in einer Mietwohnung richtig?
Wenn der Vermieter einverstanden ist und der Heizkörper über ein herkömmliches Entlüftungsventil verfügt, lässt sich die Luft meist mit wenigen Handgriffen entfernen.
Für die Entlüftung benötigen Sie einen passenden Entlüftungsschlüssel, ein kleines Auffanggefäß und einen Lappen oder ein Handtuch.
So gehen Sie vor:
Thermostat aufdrehen: Stellen Sie den Heizkörper auf die höchste Stufe, meist Stufe 5, und lassen Sie ihn warm werden.
Auffanggefäß bereitstellen: Das Entlüftungsventil befindet sich üblicherweise oben an der Seite des Heizkörpers, gegenüber dem Thermostat. Halten Sie ein Gefäß darunter und legen Sie einen Lappen bereit.
Ventil vorsichtig öffnen: Drehen Sie das Entlüftungsventil mit dem Schlüssel langsam gegen den Uhrzeigersinn auf. Meist genügt eine kleine Drehung. Ein zischendes Geräusch zeigt an, dass Luft entweicht.
Luft entweichen lassen: Warten Sie, bis ein gleichmäßiger Wasserstrahl ohne Luftblasen austritt. Vorsicht: Das Wasser kann sehr heiß sein.
Ventil schließen: Drehen Sie das Ventil wieder zu, ohne es zu fest anzuziehen. Stellen Sie anschließend das Thermostat auf die gewünschte Temperatur zurück.
Wichtig ist, dass beim Entlüften nur möglichst wenig Wasser verloren geht. Lässt sich das Ventil nicht problemlos öffnen oder schließen, sollten Mieter keine Gewalt anwenden.
Was tun, wenn man die Umwälzpumpe nicht abstellen kann?
Wer keinen Zugang zur Umwälzpumpe hat, kann den Heizkörper grundsätzlich trotzdem entlüften. Das Thermostat wird dazu vollständig geöffnet, anschließend lässt man die Luft wie beschrieben über das Entlüftungsventil entweichen.
Bei laufender Pumpe kann es allerdings passieren, dass nicht die gesamte Luft entfernt wird. Bleibt der Heizkörper anschließend kalt oder treten weiterhin Geräusche auf, sollten Mieter die Hausverwaltung oder den Vermieter informieren.
In einer Mietwohnung mit mehreren Etagen empfiehlt es sich, beim Entlüften mit den tiefer gelegenen Heizkörpern zu beginnen und sich nach oben vorzuarbeiten.
Wer muss nach dem Entlüften Wasser nachfüllen?
Beim Entlüften kann der Wasserdruck innerhalb der Heizungsanlage sinken. Ist er zu niedrig, muss gegebenenfalls Heizungswasser nachgefüllt werden.
In einem Mehrfamilienhaus sollten Mieter dies nicht eigenständig erledigen. Das Nachfüllen gehört in die Hände der für die Heizungsanlage verantwortlichen Personen beziehungsweise eines Fachbetriebs.
Wer nach dem Entlüften feststellt, dass die Heizkörper weiterhin nicht richtig warm werden, sollte deshalb den Vermieter informieren. Dieser kann prüfen lassen, ob der Anlagendruck stimmt oder eine andere Störung vorliegt.
Was tun, wenn die Heizung trotz Entlüftung kalt bleibt?
Nicht immer ist Luft im Heizkörper für eine unzureichende Heizleistung verantwortlich. Auch ein klemmendes Thermostatventil, ein zu niedriger Anlagendruck oder Probleme mit der Umwälzpumpe können dazu führen, dass Heizkörper nicht richtig warm werden.
Wenn die Heizung trotz Entlüftung nicht funktioniert oder sich immer wieder Luft ansammelt, sollten Mieter den Vermieter über das Problem informieren. Insbesondere bei wiederkehrenden Luftansammlungen kann eine technische Störung dahinterstecken, die von einem Fachbetrieb untersucht werden sollte.
