Herbst: Kann man Bucheckern und Kastanien essen?

Die Rosskastanien dürfen nicht gegessen werden.
Federico Gambarini/dpaTatsächlich sind einige der herbstlichen Baumfrüchte essbar und sogar ausgesprochen nährstoffreich. Allerdings gibt es wichtige Unterschiede. Denn nicht jede Kastanie eignet sich zum Verzehr, und auch Bucheckern dürfen nicht roh gegessen werden.
Kann man Bucheckern essen?
Ja, Bucheckern sind essbar – allerdings nur nach dem Erhitzen. Die kleinen, dreikantigen Früchte der Rotbuche haben einen angenehm nussigen, leicht herben Geschmack. Früher waren sie vor allem in Notzeiten ein wichtiges Nahrungsmittel. Heute werden sie zunehmend als regionale Zutat für die Herbstküche wiederentdeckt.
Bucheckern enthalten rund 40 Prozent Fett und liefern damit viel Energie. Hinzu kommen ungesättigte Fettsäuren, B-Vitamine sowie Mineralstoffe und Spurenelemente wie Eisen und Zink.
Allerdings enthalten rohe Bucheckern schwach giftige Inhaltsstoffe, darunter das als Fagin bezeichnete Alkaloid. Auch Oxalsäure ist enthalten. Wer rohe Bucheckern isst, riskiert insbesondere bei größeren Mengen Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) empfehlen deshalb, Bucheckern vor dem Verzehr ausreichend zu erhitzen.
Wie bereitet man Bucheckern richtig zu?
Bucheckern lassen sich zwischen September und November sammeln. Reife Früchte erkennt man an ihrer dreikantigen Form und der braunen Schale. Meist befinden sich zwei Bucheckern in einer stacheligen Fruchthülle, die sich bei der Reife öffnet.
Vor der Zubereitung sollten die gesammelten Früchte sorgfältig aussortiert werden. Dafür kann man sie zunächst mit kochendem Wasser übergießen. Exemplare, die an der Oberfläche schwimmen, sind häufig hohl, alt oder verdorben und sollten entfernt werden.
Anschließend werden die übrigen Bucheckern geschält und einige Minuten in einer Pfanne geröstet. Durch ausreichendes Erhitzen werden die problematischen Inhaltsstoffe abgebaut. Die gerösteten Früchte schmecken pur als Knabberei oder als knusprige Zutat in verschiedenen Gerichten.
Besonders gut eignen sich Bucheckern als Topping für Salate, Suppen und Gemüsegerichte. Sie lassen sich außerdem zu Pesto verarbeiten oder zu Mehl mahlen und anschließend in Brot, Keksen und Kuchen verbacken. Auch karamellisiert mit etwas Zucker und Zimt sind sie eine herbstliche Spezialität.
Welche Kastanien kann man essen?
Bei Kastanien ist die Unterscheidung zwischen Esskastanien und Rosskastanien besonders wichtig. Während Esskastanien für den Menschen genießbar sind, dürfen gewöhnliche Rosskastanien nicht gegessen werden. Sie enthalten giftige Inhaltsstoffe, die unter anderem Magen-Darm-Beschwerden verursachen können.
Esskastanien werden auch Edelkastanien genannt. Zu ihnen gehören die beliebten Maronen, die vor allem auf Herbst- und Weihnachtsmärkten angeboten werden. Maronen sind besonders aromatische, meist etwas größere Früchte der Esskastanie.
Wer Kastanien selbst sammeln möchte, sollte die Bäume sicher unterscheiden können. Dabei helfen vor allem die Blätter und Fruchthüllen:
Esskastanien haben längliche, lanzettförmige Blätter mit deutlich gezacktem Rand. Ihre Fruchthüllen sind dicht mit vielen feinen, langen Stacheln besetzt und enthalten meist zwei bis drei zugespitzte Früchte.
Rosskastanien besitzen große, handförmig zusammengesetzte Blätter. Ihre grünen Fruchthüllen tragen deutlich weniger, kürzere Stacheln. Darin befinden sich meist eine oder zwei rundliche, glänzend braune Kastanien.
Bei Unsicherheit sollte man die gesammelten Kastanien nicht essen.
Wie gesund sind Esskastanien?
Esskastanien unterscheiden sich in ihrer Nährstoffzusammensetzung deutlich von anderen Nüssen. Während Walnüsse oder Haselnüsse besonders fettreich sind, enthalten Esskastanien vergleichsweise wenig Fett. Dafür liefern sie reichlich Stärke und Ballaststoffe.
Mit etwa 200 Kilokalorien pro 100 Gramm sind Esskastanien weniger energiereich als viele andere Nussarten. Beim Garen wird ein Teil ihrer Stärke in Zucker umgewandelt, wodurch sie ihren typisch milden, süßlichen Geschmack entwickeln.
Wegen ihres hohen Stärkegehalts dienten Esskastanien früher in manchen Regionen als wichtiges Grundnahrungsmittel. Sie wurden deshalb auch als „Brot der Armen“ bezeichnet.
Wie kann man Esskastanien zubereiten?
Esskastanien können gekocht oder geröstet werden. Besonders beliebt sind heiße Maronen aus dem Backofen. Dafür wird die Schale kreuzweise eingeschnitten. Anschließend kommen die Kastanien bei 180 Grad Celsius für etwa 15 bis 20 Minuten in den Ofen.
Eine feuerfeste Schale mit Wasser im Backofen kann verhindern, dass die Kastanien zu trocken werden. Nach dem Rösten lassen sich die harte Schale und die darunterliegende Samenhaut leichter entfernen.
Neben der klassischen Zubereitung als heiße Maronen lassen sich Esskastanien vielseitig verwenden. Ihr süßlich-nussiger Geschmack passt zu cremigen Suppen, Püree, Gemüsegerichten und herbstlichen Salaten. Auch für Kuchen, Desserts und andere Süßspeisen eignen sie sich.
Die Saison für Esskastanien reicht ungefähr von September bis Januar. Beim Einkauf oder Sammeln sollte man auf eine glänzende, pralle Schale achten. Löcher können auf Schädlingsbefall hinweisen. Frische Esskastanien lassen sich im Kühlschrank bis zu zwei Wochen aufbewahren.
