Lebensbedrohliche Infektionskrankheit: Marburg-Virus in Hamburg? Was bisher bekannt ist

Seit 1967 gab es keinen Ausbruch der Marburg-Virus-Krankheit mehr in Deutschland. Der Erreger trägt den Namen der mittelhessischen Stadt, weil sich dort 1967 Laborangestellte mit dem bis dahin nicht bekannten Virus bei Versuchsaffen infiziert hatten.
Imago/DepositphotosWegen des Verdachts auf eine Ansteckung mit dem lebensbedrohlichen Marburg-Virus werden in Hamburg zwei Menschen medizinisch untersucht. Eine der beiden Personen hatte nach Angaben der Hamburger Sozialbehörde kurz zuvor in Ruanda in einem Krankenhaus gearbeitet, wo mit dem Virus infizierte Menschen behandelt worden seien.

Der Hamburger Hauptbahnhof.
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Blick auf ein Schild, das den Weg zum Haupteingang am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt. Am Hamburger Hauptbahnhof ist mindestens ein Mensch wegen einer möglichen schweren Infektionskrankheit mit einem Spezialfahrzeug der Feuerwehr ins Krankenhaus gebracht worden.
Foto: dpa/Bodo MarksWas ist das Marburg-Virus?
Die Marburg-Viruskrankheit wird dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge durch das Marburg-Virus ausgelöst. Wie das Ebola-Virus ist auch das Marburg-Virus ein RNA-Virus aus der Familie der Filoviren. Das Erbmaterial (Genom) von RNA-Viren besteht aus RNA (Abkürzung für englisch: ribonucleic acid, Ribonukleinsäure).

Wie das Ebola-Virus ist auch das Marburg-Virus ein RNA-Virus aus der Familie der Filoviren.
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3D-Illustration des Marburg-Virus.
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Erkrankungen von Menschen wurden erstmals 1967 im hessischen Marburg festgestellt, und ihr Erreger wurde im selben Jahr in Hamburg als ein neues Virus identifiziert. Seither trat das Marburg-Fieber mehrfach in aller Welt auf.
Foto: Imago/BSIPBislang kam die Marburg-Viruskrankheit im östlichen, zentralen und südlichen Afrika vor. 2021 identifizierten Wissenschaftler erstmals in Westafrika einen Patienten mit dieser Erkrankung.
Das Marburg-Virus kann hohes Fieber und Symptome wie Muskelschmerzen, Bauchkrämpfe, Durchfall und blutiges Erbrechen auslösen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben in den bisherigen Ausbrüchen 24 bis 88 Prozent der Erkrankten.
Wann gab es den letzten Ausbruch in Deutschland?
Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC gab es seit 1967 keinen Ausbruch der Krankheit mehr in Deutschland. Der Erreger trägt den Namen der mittelhessischen Stadt, weil sich dort 1967 Laborangestellte mit dem bis dahin nicht bekannten Virus bei Versuchsaffen infiziert hatten.
Den weltweit ersten bekannten Ausbruch der Krankheit gab es nach Angaben der Weltgesundheitsbehörde WHO in Deutschland. 1967 infizierten sich in Marburg 29 Menschen, von denen sieben starben.

Karte mit den seit 1967 registrierten Fällen von Marburg-Virus.
Foto: Imago/DepositphotosWie infizieren sich Menschen?
Menschen stecken sich durch „direkten engsten Kontakt von Haut oder Schleimhaut“ sowie direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten Infizierter wie Blut an und nicht über die Luft. Eines der Reservoirs und ein Überträger für das Marburg-Virus ist laut Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) der Nilflughund (Rousettus aegyptiacus).

Der Umgang mit dem hochinfektiösen Virus ist nur in speziellen Schutzanzügen möglich.
Foto: Imago/BISPWie kam das Virus nach Hamburg?
Ein Medizinstudent hat in Ruanda in einem Krankenhaus gearbeitet, in dem mit dem Marburg-Virus infizierte Patienten behandelt werden. Der laut Medienberichten Mitte 20-Jährige reist mit dem Flugzeug nach Frankfurt und von dort mit dem ICE nach Hamburg. Unterwegs informiert er laut Sozialbehörde Ärzte in der Hansestadt und äußert die Sorge, dass er sich in Ruanda mit einer tropischen Krankheit infiziert haben könnte.

Eines der Reservoirs und ein Überträger für das Marburg-Virus ist laut Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) der Nilflughund
Foto: dpa/Bodo MarksWelche Symptome zeigen Erkrankte?
Wie werden Infizierte behandelt?

Es gibt bislang weder eine spezifische Behandlung für die Marburg-Virus-Krankheit noch einen Impfstoff.
Foto: dpa/Bodo MarksWas ist mit den übrigen Zugreisenden?
Vorsorglich wurden die Kontaktdaten der Zugreisenden, die eventuell Kontakt zu den beiden hatten, aufgenommen. Quarantänemaßnahmen seien aktuell nicht notwendig, teilte die Behörde mit.
Laut Deutscher Bahn saßen durchschnittlich 275 Reisende in dem Zug. Bislang ist laut Sozialbehörde für Mitreisende keine Quarantäne nötig. „Vom Ergebnis der Diagnostik hängt nun ab, ob weitere Vorsichtsmaßnahmen und Schritte eingeleitet werden müssen.“ Welche das wären, ist noch nicht bekannt.

Eine elektronenmikroskopische Aufnahme des Marburg-Virus. Das Marburg-Virus gehört zu den gefährlichsten bekannten Krankheitserregern.
Foto: dpa/Bernhard-Nocht-InstitutWie reagierte die Hamburger Gesundheitsbehörde?
Das Gesundheitsamt entschied, den Studenten und seine Begleitung noch am Hauptbahnhof zu isolieren. Die Bundespolizei sperrte daraufhin zwei Gleise ab, die Feuerwehr rückte mit einem Infektions-Rettungsfahrzeug an und brachte beide in das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), wo sie in einem Spezialbereich weiter untersucht wurden. Dort seien umgehend alle medizinisch notwendigen Untersuchungen begonnen worden, heißt es. Innerhalb von 24 Stunden könne im Regelfall eine Vielzahl von Krankheiten diagnostiziert werden.

Vor allem medizinisches Personal ist gefährdet und infiziert sich bei bereits Erkrankten.
Foto: Imago/BSIPWann war der letzte Ausbruch in Ruanda?
Erst kürzlich war in Ruanda das Marburg-Fieber ausgebrochen. Bisher seien zehn Patienten an der Viruserkrankung gestorben, berichtete Gesundheitsminister Sabin Nsanzimana auf der Plattform X. Insgesamt waren am 1. Oktober 29 Fälle bestätigt. Die 19 derzeit behandelten Patienten gehörten überwiegend dem medizinischen Personal an und seien isoliert.
Dass in Ruanda vor allem Mitarbeiter des Gesundheitswesens erkrankt sind, überrascht Maximilian Gertler, Tropenmediziner der Berliner Charité, nicht. „Das Perfide an der Infektion ist, dass es so unspezifisch anfängt, mit banalen Symptomen, die auch eine Malaria sein können oder ein grippaler Infekt“, erklärt der Arzt, der auch schon im Einsatz für eine Hilfsorganisation bei einem Ebola-Ausbruch gearbeitet hat. „Bei all diesen Dingen ist man immer versucht, als Pflegekraft oder ärztliche Kraft in der Notaufnahme schnell mal Blut abzunehmen.“ Dabei bestehe die Gefahr einer Virusübertragung.