LGBTQ+-Kreuzfahrtschiff: Was ist mit der „Scarlet Lady“ passiert?

Portsmouth, Hampshire, UK - July 27 2025: Virgin Voyages cruise ship Scarlet Lady returning into Portsmouth Harbour accompanied by a tug
ShutterstockDie „Scarlet Lady“ ist während einer zehntägigen Mittelmeerkreuzfahrt innerhalb weniger Tage von zwei Ländern abgewiesen worden. Zunächst durfte das von Atlantis Events gecharterte Kreuzfahrtschiff nicht in der Türkei anlegen, anschließend verweigerte auch Ägypten die Einfahrt. Rund 2000 Passagiere mussten deshalb kurzfristige Änderungen der Reiseroute hinnehmen.
Die Reise hatte am 5. Juli 2026 in Piräus bei Athen begonnen und sollte am 15. Juli in Venedig enden. Betreiber des Schiffes ist die Reederei Virgin Voyages. Gechartert wurde die „Scarlet Lady“ von Atlantis Events, einem US-amerikanischen Reiseveranstalter, der seit Jahrzehnten Kreuzfahrten für LGBTQ+-Gäste organisiert.
Türkei untersagt geplante Hafenstopps
Ursprünglich sollte die „Scarlet Lady“ mehrere Ziele in der Türkei anlaufen. Die zuständigen Behörden untersagten jedoch die geplanten Stopps. Als Begründung wurde laut den vorliegenden Berichten angegeben, dass die Reise nicht mit den gesellschaftlichen beziehungsweise moralischen Werten und familiären Vorstellungen des Landes vereinbar sei.
Daraufhin änderte der Veranstalter kurzfristig die Route. Als Ersatz für die ausgefallenen türkischen Ziele sollte das Schiff Alexandria in Ägypten anlaufen. Viele Passagiere buchten daraufhin private Ausflüge nach Kairo, zu den Pyramiden von Gizeh und in ägyptische Museen.
Auch Ägypten verweigert die Einfahrt
Doch auch der geplante Aufenthalt in Alexandria kam nicht zustande. Gegen 3.30 Uhr erfuhren die Passagiere durch eine Nachricht unter ihrer Kabinentür, dass die „Scarlet Lady“ nicht in ägyptische Gewässer einfahren dürfe.
Rich Campbell, Geschäftsführer von Atlantis Events, teilte den Gästen mit, dass der Veranstalter am frühen Morgen über die Entscheidung informiert worden sei. Atlantis Events und Virgin Voyages hätten nach eigenen Angaben alles versucht, um den Aufenthalt in Alexandria doch noch zu ermöglichen. Eine offizielle Begründung der ägyptischen Behörden wurde offenbar nicht genannt.
Die Entscheidung kam für den Veranstalter überraschend. Campbell erklärte, dass Atlantis Events im Vorjahr eine ähnliche Route ohne Probleme durchgeführt habe. Auch bei mehreren früheren Aufenthalten in Ägypten soll es keine Zwischenfälle gegeben haben.
Ein ungewöhnlicher Vorfall
Für Atlantis Events sind die beiden Absagen ein Novum. Nach Angaben des Passagiers und Bloggers Randy Slovacek war in der 36-jährigen Geschichte des Unternehmens zuvor noch nie einem Schiff die Einfahrt in einen Hafen verweigert worden. Nun sei dies innerhalb einer Woche gleich zweimal geschehen.
Kyle Olsen, Inhaber des auf LGBTQ+-Reisen spezialisierten Veranstalters Hermes Holidays, warnte deshalb vor möglichen weiteren Folgen. Er befürchte, dass sich andere Länder durch die Entscheidungen ermutigt fühlen könnten, ebenfalls Kreuzfahrten für queere Gäste aus ihren Häfen auszuschließen. Die Vorfälle seien aus seiner Sicht Teil einer Entwicklung, bei der die Rechte von LGBTQ+-Menschen zunehmend eingeschränkt würden.
Route der „Scarlet Lady“ erneut geändert
Nach der Absage in Ägypten wurde die „Scarlet Lady“ erneut umgeleitet. Das Schiff steuerte stattdessen Chania auf Kreta und anschließend Montenegro an. Für viele Passagiere bedeutet die Änderung nicht nur den Ausfall der geplanten Besichtigungen. Einige hatten bereits privat organisierte Touren und Ausflüge bezahlt. Ob sie die dafür entstandenen Kosten vollständig zurückerhalten, ist unklar.
