Rekordwärme
: Vor Mallorca köchelt das Mittelmeer bei 32 Grad vor sich hin

Fast überall an Europas Küsten ist das Meerwasser extrem warm. Ohne den Klimawandel wären solche Temperaturen praktisch unmöglich, betonen Forscher und mahnen zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.
Von
Markus Brauer
Palma de Mallorca/London
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Sa Dragonera (die Dracheninsel) ist eine unbewohnte Felseninsel vor der Westküste der spanischen Mittelmeerinsel Mallorca.

Sa Dragonera (die Dracheninsel) ist eine unbewohnte Felseninsel vor der Westküste der spanischen Mittelmeerinsel Mallorca.

Imago/Hans Blossey
  • Rekord im Mittelmeer: Vor Sa Dragonera bei Mallorca wurden 33,02 Grad gemessen.
  • Wassertemperaturen liegen im westlichen Mittelmeer vier Grad über dem Durchschnitt.
  • Forschende führen die Hitze auf den menschengemachten Klimawandel zurück.
  • Folgen sind geschädigte Ökosysteme und mehr Gefahr für heftige Herbststürme.
  • Weltweit erreichen Meerestemperaturen Rekorde, laut NOAA liegt der Schnitt bei 21,16 Grad.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Mittelmeer heizt sich immer mehr auf. An einer Messboje vor Mallorca wurde nun eine neue Rekordtemperatur von 33,02 Grad Celsius registriert, teilt der spanische nationale Wetterdienst Aemet mit. Die Daten gehen auf die Messstation vor der Insel Sa Dragonera zurück. Im Juli 2025 waren 30,55 Grad gemessen worden.

Historische Karte von den balearischen Inseln aus dem Jahr 1871.

Historische Karte von den balearischen Inseln aus dem Jahr 1871.

Imago/Kena Images

Klimawandel heizt Meer vor Mallorca auf

Es ist demnach der höchste jemals in spanischen Gewässern gemessene Wert. Im westlichen Mittelmeer liegen die derzeitigen Wassertemperaturen vier Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Forschern zufolge ist der menschengemachte Klimawandel der maßgebliche Treiber hinter den hohen Temperaturen.

 Die Unterwasserlandschaft nahe dem Strand von Bendinat auf Mallorca.

Die Unterwasserlandschaft nahe dem Strand von Bendinat auf Mallorca.

Clara Margais/dpa

Die immer höheren Wassertemperaturen gefährden nicht nur empfindliche maritime Ökosysteme, sondern erhöhen auch die Gefahr heftiger Stürme mit sintflutartigen Regenfällen im Herbst. Das extrem aufgeheizte Mittelmeer verdunstet enorme Mengen an Wasser und gibt gigantische thermische Energie an bodennahe Luftschichten ab. Wenn dann im Herbst erste kalte Höhenluft aus dem Norden über diese feuchtwarme Luft zieht, steigt sie explosionsartig auf und kann sich in Starkregen und schweren Stürmen entladen.

Für Urlauber und Einheimische bedeuten die hohen Meerestemperaturen schon jetzt, dass es an den Küsten auch nachts nicht abkühlt, die Luftfeuchtigkeit hoch und ein Bad im Meer alles andere als erfrischend ist.

Bis zu sechs Grad über Normal vor Mallorca

Mallorca ist kein Einzelfall. Nicht nur die Lufttemperaturen haben in diesem Sommer in vielen Ländern Europas Rekordwerte erreicht, auch die Meere um den Kontinent sind vielerorts besonders warm. Diese Wärme – mancherorts mehr als sechs Grad über den üblichen Temperaturen – geht zu einem großen Teil auf den Klimawandel zurück, schreibt ein internationales Forschungsteam der Organisation World Weather Attribution (WWA) in einem Bericht.

Demnach liegen die Temperaturen an fast allen europäischen Küsten teils deutlich über dem Durchschnitt des Zeitraums von 1990 bis 2020. Besonders stark betroffen sind das westliche Mittelmeer sowie am Atlantik der Golf von Biscaya und die Iberische Halbinsel.

Um den Einfluss der Erderwärmung zu ermitteln, verglich das Forschungsteam die Entwicklung der Juli-Temperaturen an der Meeresoberfläche mit Klimamodellen. Der Klimawandel habe – hauptsächlich durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl, Gas und Kohle – im Mittelmeer eine Erwärmung um etwa 2 Grad verursacht, in der Region um den Golf von Biscaya und die westliche Küste der Iberischen Halbinsel um 1,4 Grad und im Gebiet um Irland und an der britischen Westküste um etwa 1,3 Grad.

Oktopus-Blüte vor englischer Küste

Im laufenden Jahr hätten 90 Prozent der Küsten am Golf von Biscaya und der Iberischen Halbinsel Hitzewellen erlebt, im westlichen Mittelmeer seien es 80 Prozent gewesen. Ohne die menschengemachte Erderwärmung, die derzeit etwa 1,4 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt, wären es den Berechnungen zufolge jeweils etwa 40 Prozent gewesen. Auch im östlichen Mittelmeer und in den Küstenregionen um Irland wären deutlich weniger Gebiete von Hitze betroffen gewesen.

Die Wärme der Ozeane könnte die Ökosysteme und Nahrungsketten im Meer schädigen und mitunter auch die Bestände etwa von Meeressäugern und Seevögeln dezimieren. So berichten Fischer im Südwesten von England seit 2025 zu einem deutlichen Anstieg des Vorkommens von Gemeinen Kraken (Octopus vulgaris), die eigentlich in den wärmeren Gewässern vor Nordafrika heimisch sind.

Am Strand von Playa de Palma auf Mallorca baden Menschen bei Sonnenuntergang im Meer. Die hohen Temperaturen locken viele Einheimische und Besucher an, sich bei Sonnenuntergang und in der Nacht am Meer zu erfrischen.

Am Strand von Playa de Palma auf Mallorca baden Menschen bei Sonnenuntergang im Meer. Die hohen Temperaturen locken viele Einheimische und Besucher an, sich bei Sonnenuntergang und in der Nacht am Meer zu erfrischen.

Clara Margais/dpa

Ernste Folgen für das Leben im Meer

Zudem könnten die hohen Wassertemperaturen die Entstehung schwerer Stürme begünstigen, heißt es weiter. Als Beispiel dafür nennt das Team die schweren Überschwemmungen in der spanischen Region Valencia im Herbst 2024.

„Wärmeres Wasser zum Schwimmen mag für Strandbesucher in kühleren Ländern wie meinem eigenen verlockend klingen“, erklärt Co-Autorin Claire Bergin von der irischen Maynooth University. „Aber die Folgen für das Leben im Meer unter der Oberfläche sind ernster.“

Meerestemperaturen auch weltweit auf Rekordniveau

„Mit jeder zusätzlichen Tonne Kohlenstoff, die wir ausstoßen, drängen wir die Temperaturen und Ökosysteme der europäischen Küsten auf unbekanntes Terrain“, konstatiert Co-Autor Thomas Frölicher von der Universität Bern.

Die Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College London ergänzt, man könne sich nicht durch Anpassung herauswinden. „Ökosysteme sind um ihrer selbst willen wertvoll, aber auch viele Menschen und Wirtschaftszweige hängen davon ab, dass sich das Meer nicht so schnell erwärmt, wie es derzeit der Fall ist.“

Auch weltweit liegen die Meerestemperaturen derzeit auf Rekordniveau. Laut vorläufigen Daten der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA lag die durchschnittliche globale Meerestemperatur am vorigen Sonntag bei 21,16 Grad. Der Wert liegt – bezogen auf dieses Datum – 0,75 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020 und 0,92 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1982 bis 2010. Der Wert bezieht sich auf die Temperatur zwischen den beiden 60. Breitengraden – lässt also die Polargebiete außen vor. (mit dpa-Agenturmaterial)