Medizin
: Gehirnerschütterung wird oft nicht erkannt

Mediziner warnen davor, einen Sturz oder Schlag auf den Kopf zu verharmlosen. Das Zögern kann für den Patienten Folgen haben.
Von
Tanja Volz
Stuttgart
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Wenn das Gehirn bei einem Sturz gegen den Schädelknochen kracht, werden Nervenzellen geschädigt.

dpa

Stuttgart - Beim Fußball und anderen Sportarten kommt es schon mal vor, dass ein Spieler mit großer Wucht auf den anderen kracht. Oft wird dabei der Kopf in Mitleidenschaft gezogen, weil die Schulter des Gegners oder das Knie eines Mitspielers im Eifer des Gefechts damit zusammenprallt. Etwas benommen spielen die meisten Spieler weiter. Man beobachtet dies sowohl im Leistungs- wie auch im Breitensport. Das kann jedoch Folgen haben. Denn schon ein vermeintlich harmloser Zusammenstoß oder ein Sturz auf den Kopf können eine Gehirnerschütterung zur Folge haben, die leichteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas. Doch meist wird dies nicht ernst genommen, warnten Mediziner beim Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin.

„Sportler, vor allem in Schul- und Breitensport, unterschätzen diese Unfälle häufig“, sagte Axel Gänsslein, Orthopäde am Klinikum Wolfsburg. Für die meisten Menschen gehöre zu den wichtigsten Begleiterscheinungen einer Gehirnerschütterung, dass der Betroffene erbreche und bewusstlos sei. Das sei jedoch falsch, so der Wolfsburger Experte. Nur in wenigen Fällen träten diese Symptome auf. Sehr viel häufiger sind unspezifische Folgen: Kopfschmerzen, Schwindel, verschwommenes Sehen, Nackenschmerzen, Schwäche oder Müdigkeit können einem Schlag auf den Kopf folgen. Oftmals scheinen die Beschwerden zunächst harmlos, so dass sie der Betroffene ignorieren kann. Und dies führt oft dazu, dass Sportler bis zum Ende des Wettkampfs durchhalten.

Unspezifische Symptome

Gehirnerschütterungen werden oft nicht erkannt, weil die Symptome unspezifisch sind und harmlos erscheinen. „In Deutschland werden pro Jahr mehr als 40 000 Gehirnerschütterungen diagnostiziert. Die Dunkelziffer liegt jedoch weit höher“, erklärte Gänsslein. Wird dieses leichte Schädel-Hirn-Trauma nicht erkannt, drohen Spätfolgen – Migräne oder dauerhafte Kopfschmerzen bei Erwachsenen können die Folge einer nicht erkannten Kopfverletzung in der Kindheit sein. Auch diverse Bewegungsstörungen zählen zu den Spätfolgen.

Beim Aufprall des Kopfes auf die Schulter des Gegenspielers oder beim Sturz auf dem eisglatten Gehweg knallt das Gehirn gegen die Schädelwand: Das Gehirn als lebenswichtiges und besonders empfindliches Organ liegt gut geschützt im Inneren des Schädels. Zusätzlich ist es von einer Flüssigkeit umgeben, die sich zwischen Gehirn und Schädelknochen befindet und die auch das Rückenmark umspült, der sogenannte Liquor cerebrospinalis. Ohne diese Flüssigkeit würde der Mensch bei jedem Schritt eine Gehirnerschütterung erleiden. Bei einem Schlag auf den Kopf jedoch prallt das Gehirn gegen den Schädelknochen. Dabei werden Nervenfasern gequetscht, gedehnt oder dauerhaft geschädigt. Dieses mechanische Reizung der Nervenzellen führt zu den diversen Symptomen einer Gehirnerschütterung.

Wer eine Gehirnerschütterung hat, sollte sich schonen, denn die geschädigten Nervenzellen brauchen Zeit, um sich wieder zu erholen. Zeit und Ruhe seien daher die wichtigsten Therapiebestandteile, sagte der Wolfsburger Mediziner. Werde dies eingehalten, sei die Prognose gut: 85 Prozent der Patienten erholten sich innerhalb einer Woche. Sollten die Symptome jedoch länger als drei bis vier Wochen andauern, rät der Experte zu einer neurologischen Untersuchung bei einem Facharzt, um etwa eine Hirnblutung auszuschließen.

Besonders häufig sind Gehirnerschütterungen auch bei Babys und Kleinkindern. Da der Schädel bei Babys noch nicht überall fest verknöchert ist, können Stöße allerdings besser abgefangen werden. Doch der Kopf wird auch häufiger angeschlagen, und die Kleinen können ihre Beschwerden noch nicht äußern. Daher ist es für Eltern wichtig, ihr Kind nach einem Sturz oder Unfall genau zu beobachten. Verhält es sich merkwürdig, sollte sich ein Arzt das Kind ansehen – dabei können sich Kinder völlig unterschiedlich verhalten: sie weinen oder sind teilnahmslos, unruhig oder apathisch.

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