Cybercrime-Krake gestoppt
: Mega-Schlag gegen Phishing-Bande: BKA legt „Kratos“ lahm

Ein internationaler Schlag gegen eine der gefährlichsten Phishing-Gruppierungen der Welt ist gelungen: BKA, ZIT und US-Behörden haben die Infrastruktur von „Kratos“ zerschlagen. Hunderttausende potenzielle Opfer weltweit dürften damit vor weiterem Datendiebstahl geschützt worden sein.
Von
Matthias Kemter
Stuttgart
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Tastatur eines Laptops spiegelt sich auf dem Display: ARCHIV - Bloß keine persönlichen Daten eingeben, wenn die falschen Verbraucherschützer danach fragen. (zu dpa: «Betrüger geben sich als Verbraucherschützer aus») Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Internationaler Schlag gegen eine der gefährlichsten Phishing-Gruppierungen der Welt. BKA legt „Kratos“ lahm.

Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn/dpa
  • BKA, ZIT und US-Behörden zerschlugen die Infrastruktur der Phishing-Gruppe „Kratos“.
  • Der Entwickler und Administrator wurde in Indonesien festgenommen – über 200 Server sind offline.
  • „Kratos“ bot Phishing-as-a-Service an: täuschend echte Microsoft-Login-Seiten mit Cookie-Diebstahl.
  • Kunden zahlten per Lizenzmodell, auch in Kryptowährungen, und nutzten Website und Telegram-Shop.
  • Microsoft informiert Betroffene. Nutzer sollen Passwörter ändern und Konten prüfen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Den Ermittlungsbehörden ist nach eigenen Angaben ein bedeutender Erfolg im Kampf gegen Cyberkriminalität gelungen. Das Bundeskriminalamt, die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) in Frankfurt am Main und US-Strafverfolger haben die zentrale Infrastruktur der Gruppierung „Kratos“ abgeschaltet. Nach Angaben des BKA galt der Dienst als einer der weltweit meistverbreiteten kriminellen Phishing-Services.

Besonders brisant: Der Entwickler und technische Administrator der Plattform wurde in Indonesien festgenommen. Gleichzeitig wurden mehr als 200 Server der Gruppierung unschädlich gemacht. Damit sei die Infrastruktur vollständig außer Betrieb gesetzt worden.

Täuschend echte Login-Seiten als Falle

Im Zentrum des Falls steht ein digitaler Baukasten, mit dem Cyberkriminelle täuschend echt wirkende Microsoft-Authentifizierungsseiten erstellen konnten. Ziel war es, Opfer zur Eingabe von E-Mail-Adressen, Passwörtern und weiteren Zugangsdaten zu bewegen.

Die Täter gingen dabei besonders raffiniert vor: Nach Angaben der Ermittler wurden nicht nur klassische Login-Daten abgegriffen, sondern auch Cookies gestohlen. Dadurch konnte sogar die Zwei-Faktor-Authentifizierung umgangen werden. Die erbeuteten Daten ließen sich anschließend für weitere Phishing-Angriffe, den Verkauf im kriminellen Milieu oder für Angriffe auf Unternehmen nutzen.

Kriminelles Abo-Modell für Phishing

Das perfide Geschäftsmodell hinter „Kratos“ beruhte auf dem Prinzip Phishing-as-a-Service. Die Gruppierung vermietete ihren digitalen Baukasten an andere Täter weiter, auch an solche mit wenig technischem Know-how. Bezahlt wurde laut BKA über ein Lizenzmodell, unter anderem mit Kryptowährungen.

Für Vertrieb und Support betrieb die Gruppe sogar eine eigene Website und einen Telegram-Shop. Dort konnten „Kunden“ ihre Kampagnen organisieren, Konten verwalten und das Phishing-Kit buchen.

Die Dimensionen sind enorm: Seit 2024 soll die Gruppierung mehr als 300.000 Euro eingenommen haben. Rund 1.800 kriminelle Nutzer sollen den Dienst erworben und damit monatlich etwa 15.000 Phishing-Kampagnen durchgeführt haben. Jede einzelne davon hatte das Potenzial, tausende Menschen weltweit zu treffen.

Hunderttausende Opfer in mehr als 30 Staaten

Die Zahl der Betroffenen geht laut BKA seit Ende 2024 in die hunderttausende. Opfer wurden demnach in mehr als 30 Staaten registriert, vor allem in Europa und den USA.

Mit der Abschaltung der Infrastruktur und der Festnahme des Administrators können die über „Kratos“ unterstützten Phishing-Kampagnen nach Angaben der Behörden nicht mehr fortgeführt werden. Das BKA spricht von einem erstmaligen bedeutenden Ermittlungserfolg gegen eine der weltweit gefährlichsten Phishing-as-a-Service-Gruppierungen.

Behörden sprechen von Pionierarbeit

Carsten Meywirth, Leiter der BKA-Abteilung Cybercrime, wertete die Maßnahmen als klares Signal an die Szene. Wer mit gefälschten Webseiten Zugangsdaten stehle, dürfe sich nicht in Sicherheit wiegen. Der Schlag gegen „Kratos“ zeige, dass auch hochprofessionelle Phishing-Infrastrukturen wirksam bekämpft werden könnten.

Auch die ZIT sieht sich in ihrem Kurs bestätigt. Deren Leiter Dr. Benjamin Krause erklärte, der Ansatz der „disruptiven Strafverfolgung“ funktioniere. Nicht nur Verdächtige würden identifiziert, sondern auch kriminelle Online-Dienste selbst zerschlagen.

Was Betroffene jetzt wissen sollten

Microsoft informiert nach Angaben der Behörden die von den Angriffen betroffenen Nutzer. Wer den Verdacht hat, auf eine gefälschte Login-Seite hereingefallen zu sein, sollte Passwörter sofort ändern, Sicherheitsprüfungen der betroffenen Konten durchführen und weitere Schutzmaßnahmen einleiten. Zusätzliche Hinweise zum Schutz vor Phishing und zum richtigen Verhalten im Ernstfall bietet auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).