Mehr als nur ein Wachmacher: Morgenkaffee geht mit geringerem Sterberisiko einher

Herz aus Kaffeebohnen: Ein moderater Kaffeekonsum von drei bis fünf Tassen am Tag ist für die Mehrheit der gesunden Erwachsenen unbedenklich und sogar gut für das Herz. Studien zeigen, dass regelmäßiger, mäßiger Kaffeegenuss das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen (wie Vorhofflimmern) senken kann.
Imago/Imagebroker- Studie: Morgendlicher Kaffee geht bei CKM-Syndrom mit geringerer Sterblichkeit einher.
- Analyse von 21.553 NHANES-Teilnehmenden ergab Vorteile beim Morgenmuster.
- Spätes Trinkmuster zeigte keinen vergleichbaren Effekt, Menge wirkte nur am Morgen.
- Mäuse erhielten morgens Kaffee – bessere Nieren-, Stoffwechsel- und Entzündungswerte.
- Beobachtungsdaten und Selbstberichte begrenzen Aussagekraft, keine Handlungsempfehlung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Menschen, die regelmäßig Koffein konsumieren, sind nach einer Tasse Kaffee meist in besserer Stimmung – besonders am Morgen. Das belegt etwa eine Studie von Forschern der Universität Bielefeld und der britischen University of Warwick, die in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht worden ist.
Die Befragten fühlen sich laut eigener Angabe nach morgendlichem Kaffeekonsum in der Regel deutlich glücklicher und enthusiastischer als ohne Kaffee an anderen Tagen um die gleiche Uhrzeit.
Kaffee wirkt der Erhebung zufolge auch gegen negative Stimmungslagen wie Traurigkeit und Ärger. Dieser Zusammenhang ist aber weniger stark. Nach dem Konsum von Kaffee berichteten die Befragten auch etwas weniger Traurigkeit oder Verärgerung als an vergleichbaren Tagen, wenn sie keinen Kaffee getrunken hatten. Im Gegensatz zu den positiven Emotionen hing dies aber nicht von der Uhrzeit ab.
Rolle von Koffein-Entzugserscheinungen bleibt unklar
Die in der Studie belegte stimmungsaufhellende Wirkung erklären die Forscher so: Koffein blockiert die Adenosin-Rezeptoren im Gehirn, wodurch man sich wacher und energiegeladener fühlt.
Co-Autorin Professorin Anu Realo PhD von der University of Warwick erläutert: „Koffein wirkt, indem es Adenosin-Rezeptoren blockiert, was die Dopaminaktivität in wichtigen Hirnregionen erhöhen kann. Ein Effekt, den Studien mit einer verbesserten Stimmung und gesteigerter Wachsamkeit in Verbindung gebracht haben.“
Eine offene Frage bleibt jedoch, ob diese Effekte mit einer Verringerung von Entzugserscheinungen nach der Nacht zusammenhängen. „Selbst Menschen mit nur mäßigem Koffeinkonsum können leichte Entzugserscheinungen verspüren, die mit dem ersten Kaffee oder Tee am Morgen verschwinden“, konstatiert Anu Realo.
Koffeinkonsum ist eine universelle Gewohnheit
„Weltweit konsumieren etwa 80 Prozent der Erwachsenen koffeinhaltige Getränke und der Konsum von Tee und Kaffee reicht geschichtlich weit zurück“, berichtet Sakari Lemola von der Universität Bielefeld. „Sogar bei wildlebenden Tieren ist Koffeinkonsum belegt, so bevorzugen Bienen- und Hummelarten Nektar von Pflanzen mit Koffeingehalt.“
Das Forscherteam weist darauf hin, dass Koffeinkonsum zu Abhängigkeit führen kann. Übermäßiger Koffeinkonsum ist demnach mit verschiedenen Gesundheitsrisiken verbunden, und Koffeinkonsum zu späterer Tageszeit wird mit Schlafproblemen in Verbindung gebracht.
Wirkung von Kaffee auf Herz und Nieren
Und noch ein weiterer positiver Einfluss von Kaffee auf Herz und Nieren kommt hinzu: Das kardiovaskuläre Nieren-Stoffwechsel-Syndrom, kurz CKM-Syndrom, verbindet Stoffwechselstörungen, chronische Nierenerkrankungen und Herz-Kreislauf-Probleme, die sich gegenseitig verstärken und das Risiko schwerer Folgeerkrankungen erhöhen können. Bisher war jedoch kaum untersucht, ob bei Menschen mit CKM-Syndrom auch die Tageszeit des Kaffeetrinkens mit ihrer langfristigen Gesundheit zusammenhängt.
Forscher des Qilu Hospital of Shandong University (QLH) in Jinan um Hongbo Ren haben dazu Daten von 21.553 Erwachsenen mit CKM-Syndrom aus der US-Gesundheits- und Ernährungsbefragung NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey) der Jahre 1999 bis 2018 ausgewertet.
Kaffeetrinken nach der Uhr
Die Zeitpunkte des Kaffeekonsums wurden aus 24-Stunden-Ernährungsbefragungen abgeleitet und mit einer zweistufigen Clusteranalyse zu typischen Mustern zusammengefasst. Anschließend analysierte das Team die Sterblichkeit mit gewichteten Cox-Modellen und berücksichtigte dabei unter anderem die insgesamt getrunkene Kaffeemenge und weitere mögliche Einflussfaktoren.
Über eine Nachbeobachtungszeit von 9,2 Jahren identifizierten die Wissenschaftler zwei zeitliche Kaffeetrinkmuster:
- Beim Morgenmuster, das 47,7 Prozent der Gesamtgruppe umfasste, konzentrierte sich der Konsum auf den Morgen.
- Ein späteres Tagesmuster trat bei 5,3 Prozent der Personen auf.
Verteilung über den Tag spielt wichtige Rolle
Während der Nachbeobachtung wurden 3565 Todesfälle registriert. Im vollständig bereinigten Modell war das Morgenmuster mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit verbunden. Das spätere Trinkmuster zeigte dagegen laut Studie keinen vergleichbaren Vorteil. Auch der Zusammenhang zwischen Kaffeemenge und Gesamtsterblichkeit hing statistisch vom zeitlichen Muster ab. Höhere Kaffeemengen waren nur beim Morgenmuster mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit verbunden.
Damit geht es nicht nur darum, ob jemand Kaffee trinkt oder wie viel davon. Die Daten legen nahe, dass auch die Verteilung über den Tag eine Rolle spielen könnte. Sie zeigen aber zunächst nur einen statistischen Zusammenhang und keine nachgewiesene Schutzwirkung des morgendlichen Kaffeetrinkens.
Mäuse-Experiment liefert biologischen Hinweis
Um den möglichen Zeiteffekt zusätzlich experimentell zu prüfen, untersuchte das Team ein Mausmodell des CKM-Syndroms. Tiere, die Kaffee zur morgendlichen Phase erhielten, zeigten günstigere Stoffwechsel- und Nierenfunktionswerte. Zugleich waren das kardiale Troponin T, ein Marker für Herzmuskelschäden, sowie mehrere Entzündungsmarker niedriger.
Bei einer späteren Kaffeegabe fanden die Forscher diese Vorteile nicht, wodurch die Tierdaten die Annahme eines biologisch relevanten Zeiteffekts stützen. Sie beweisen jedoch nicht, dass morgendlicher Kaffee beim Menschen die Sterblichkeit senkt, denn ein Tierexperiment kann die beobachtete langfristige Beziehung in einer menschlichen Kohorte nicht kausal erklären.
Kein Freibrief für eine neue Kaffeeroutine
Auch die menschlichen Daten haben Grenzen, denn als Beobachtungsstudie kann die Auswertung Ursache und Wirkung nicht beweisen. Die Kaffeetrinkzeiten wurden zudem über 24-Stunden-Ernährungsbefragungen erfasst, sodass die zeitliche Einordnung auf selbst berichteten Ernährungsdaten beruht. Trotz statistischer Korrekturen bleiben nicht erfasste Einflussfaktoren möglich.
Deshalb lässt sich aus der Studie keine Empfehlung ableiten, Kaffee gezielt in den Morgen zu verlegen. Der Befund zeigt vielmehr, dass die Tageszeit bei der Untersuchung von Ernährung und Gesundheit stärker berücksichtigt werden könnte.
