Monster im Kopf: Was Albträume bedeuten und was gegen sie hilft

Klaustrophobische Enge: Ein häufiges Symbol in Albträumen.
Imago/Insadco- Albträume sind belastende REM-Träume mit Angst und Panik – oft mit abruptem Aufwachen.
- Häufige Motive: Verfolgtwerden, Fallen, Nacktsein, Zuspätkommen, bleischwere Beine, Zahnverlust.
- Expert*innen: Träume verarbeiten Gegenwart und Gefühle; sie signalisieren ungelöste Themen.
- Ursachen sind Veranlagung, Stress, Ängste und traumatische Erlebnisse; dünne Grenzen erhöhen Risiko.
- Hilfe: Albträume ernst nehmen, Entspannung und Schlafhygiene; bei Häufung IRT, bei PTBS Therapie.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein dunkler Tunnel ohne Licht am Ende. Eine unbekannte, bedrohliche Menschenmasse, die einen zu erdrücken scheint. Ein leerer Platz, der ins schwarze Nichts verschwindet. Ein Monster, dass wie aus dem Dunkeln auf einen zurennt. Das alte Klassenzimmer, in dem man wieder sitzt und eine Lateinklausur „vergeigt“. Die Inhalte von Alpträumen sind so zahlreich wie unterschiedlich, so individuell wie ängstigend.
Im Banne der Parasomnie
In der Medizin werden sie als Parasomnie (altgriechisch παρά pará - bei“, „im“, „während“, „neben“; lateinisch somnus - „im Schlaf auftretend“) katagorisiert: Albträume sind unerwünschte und unangemessene Verhaltensauffälligkeiten, die überwiegend aus dem Schlaf heraus auftreten.
Albtraum - auch Alptraum oder Albdruck, Nachtmahr, Nachtschaden (englisch: nightmare, niederländisch: nachtmerrie) genannt, ist ein Traum , der von negativen Emotionen, Angst und Panik bei Träumenden begleitet wird. Die imaginären Situationen können dabei bedrohlich und bedrückend, aber alltäglich und banal sein.
Etwa 4 bis 5 Prozent der Erwachsenen leiden unter Albträumen, bei psychiatrischen Erkrankungen kommen sie häufiger vor. Im nächtlichen Schlafrhythmus treten Albträume vorwiegend im REM-Schlaf meist während der zweiten Nachthälfte auf. Die Dauer schwankt zwischen wenigen Minuten und einer halben Stunde und endet meist mit abruptem Aufschrecken.
Wechselbad der Gefühle par excellence
Albträume sind ein Wechselbad der Gefühle par excellence: Todesangst, das Herz rast, Schweißausbrüche. Man möchte nur noch weg aus dieser Situation. Dann wacht man auf, Erleichterung an den nächtlichen schrecken macht sich breit. Das, was sich da scheinbar so real abspielte und auch physisch echt anfühlte, war zum Glück „nur“ ein Albtraum.
Früher dachte man, ein dämonisches Wesen - der „Alb“ - habe sich auf die Brust der Schlafenden gesetzt und die schlimmen Träume verursacht. Heute weiß man: Im Schlaf werden belastende Emotionen verarbeitet. Aber wann werden Alpträume zum Problem? Und wie lassen sich die oftmals verstörenden Träume interpretieren? Ein Überblick:
„Alpträume sind intensive, belastende Träume, die mit vielen negativen Gefühlen wie Angst, Bedrohung oder Hilflosigkeit einhergehen“, sagt Tiefenpsychologin Helga Odendahl vom Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) für Psychotherapie in Köln. Meistens erinnert man sich später noch sehr genau an diesen Traum, teils fühlt man sich auch tagsüber noch belastet.

Panikattacke: Ein älterer Mann duchlebt einen Albtraum.
Imago/ZoonarGibt es Träume, die sich auf ähnliche Weise wiederholen?
Viele Menschen haben ähnliche Alpträume. Zu typischen Szenarien zählt etwa, dass man vor jemandem wegläuft; aus großer Höhe nach unten fällt; der Boden sich vor einem auftut; dass man nackt vor einer Gruppe steht; dass man fliehen möchte, aber die Füße bleischwer sind; oder dass man bei einem wichtigen Termin zu spät kommt.
Auch das Motiv, dass jemand plötzlich alle Zähne verliert, ist verbreitet. Ins Reich des Aberglaubens gehört die Erklärung, dass ein solcher Traum Geldverlust oder eine schlechte Nachricht voraussagt.
„Solche Deutungsverfahren und vermeintlichen Vorhersagen sind ein historisch gewachsener Umgang mit Träumen, der problematisch ist“, erklärt der Schlafforscher Professor Michael Schredl vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. Träume sind keine Zukunftsvorhersagen, eher sind sie eine Verarbeitung der Gegenwart oder Vergangenheit.

"Nachtmahr", Gemälde von Johann Heinrich Füssli (1802).
Johann Heinrich Füssli/wikicommons/gemeinfreiWas steckt aus psychologischer Sicht hinter Albträumen?
„Allgemein kann man sagen: Träume greifen Themen auf, die uns tagsüber beschäftigen und stellen diese dann in einer emotional dramatisierten Form dar“, erläutert Schredl. Der Schlafforscher vergleicht Alpträume mit Schmerzen: „Keiner wird sagen, sie sind angenehm. Aber sie haben eine Funktion und zeigen, dass es sinnvoll ist, etwas zu tun. Beide sind sozusagen ein wichtiges Signal, um aktiv an bestimmte Themen heranzugehen.“
Auch Helga Odendahl sieht in den nächtlichen Bildern ein Zeichen des Unbewussten. „Meine Träume machen mich auf etwas aufmerksam, oft auch auf Gefühle, die ich tagsüber verdränge. Aber meine Psyche produziert diese Träume, damit ich sie wahrnehme und fühle.“
Wer etwa oft träumt, verfolgt zu werden, hat womöglich eine unangenehme Aufgabe oder Begegnung vor sich, die immer wieder aufgeschoben wird. „Die übertriebene Version im Traum ist dann das Monster oder ein unheimlicher Angreifer, der mich verfolgt“, konstatiert Michael Schredl. Wer im Traum nackt vor anderen steht und sich dafür schämt, den beschäftigt womöglich die Frage: Was denken andere Menschen von mir?

Traumforscher gehen heute davon aus, dass sich die Anfälligkeit für Alpträume mit einem sogenannten Veranlagungs-Stress-Modell erklären lässt: Manche Menschen bringen - teils genetisch bedingt - eine größere Empfindlichkeit für Alpträume mit.
Imago/Volker PreußerWas sind die Ursachen für Alpträume?
Traumforscher gehen heute davon aus, dass sich die Anfälligkeit für Alpträume mit einem sogenannten Veranlagungs-Stress-Modell erklären lässt: Manche Menschen bringen - teils genetisch bedingt - eine größere Empfindlichkeit für Alpträume mit.
Daneben spielen wahrscheinlich auch Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle. Ob Alpträume sich dann tatsächlich häufen, hängt aber auch davon ab, wie viel Stress jemand erlebt.
Michael Schredl verweist auf die Forschung des amerikanischen Psychiaters Ernest Hartmann (1934-2013), wonach Personen mit sogenannten dünnen Grenzen häufiger Alpträume haben als andere. „Diese Personen sind kreativ, empathisch, offen, sensibel und üben häufig ungewöhnliche Berufe aus, allerdings können sie sich gegen Stress schlecht abgrenzen.“
Helga Odendahl zufolge sind es häufig Stress, Ängste, Sorgen und Konflikte, die einen akut beschäftigen, die Alpträume auslösen. Aber auch traumatische und belastende Erlebnisse wie Gewalt- oder Verlusterfahrungen können schlimme Träume hervorrufen.
„Menschen sind völlig unterschiedlich, wie sie damit umgehen können: Es hat nicht nur damit zu tun, ob man mit einer bestimmten Dünnhäutigkeit geboren wurde, sondern auch mit den eigenen Ressourcen und wie vulnerabel ich bin“, betont die Psychologin. Menschen, die gute und sichere Beziehungen haben, die sich aufgehoben fühlen, sind meist weniger von Alpträumen betroffen.

Albträume können dann auch tagsüber zu chronischer Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und einem dauerhaft hohen Stressniveau führen (Szene aus dem Horrorfilm "Die seltsamen Hände des Doktor Orlac" (1960).
Imago/United Archives KeystoneKönnen Albträume langfristige Folgen haben?
„Wenn ich mich nicht um meine Albträume kümmere, wenn ich null darauf eingehe, dann treten sie vermehrt auf. Ich wache ständig mit Herzrasen auf, ich schlafe schlecht und die Stimmung wird schlechter“, erklärt Helga Odendahl.
Albträume können dann auch tagsüber zu chronischer Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und einem dauerhaft hohen Stressniveau führen. Oft entwickeln Betroffene auch eine Art Vermeidungsverhalten. Am liebsten möchten sie gar nicht mehr einschlafen, weil sie damit nur noch Negatives verbinden. Auf Dauer können sich so auch Angststörungen und Depressionen entwickeln.
„Vergessenwollen ist bei Ängsten dauerhaft nicht die richtige Strategie“, rät Michael Schredl. „Wenn man Angst vor der Angst entwickelt, zeigt das: Es gibt Themen, die ich angehen soll.“ Treten Alpträume mehr als einmal in der Woche auf und beeinträchtigen sie das Wach-Leben und die Lebensqualität deutlich, sollte man sich dem Schlafforscher zufolge professionelle Hilfe suchen.
Lässt sich Albträumen vorbeugen?
„Das Wichtigste ist erst einmal, dass ich meine Albträume ernst nehme und mir meine Gefühle anschaue. Wenn ich die immer verdränge, komme ich mit Sicherheit irgendwann an einen Punkt, dass sich nachts das Unterbewusstsein meldet“, gibt Helga Odendahl zu bedenken. Grundsätzlich sei es hilfreich, sich entspannen zu können - etwa mit Meditationen oder Atemübungen.
Nicht zuletzt fördert es ruhigen Schlaf, wenn Menschen ihre Grundbedürfnisse befriedigen - also etwa nach Bewegung und frischer Luft und auf eine gute Schlafhygiene achten. Also möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit schlafen gehen, auf ausreichend Schlaf achten und auf beeinträchtigende Faktoren wie Alkohol verzichten.
Michael Schredl empfiehlt, Entspannungsübungen kurz vor dem Zubettgehen zu machen und nicht erst, wenn man schon im Bett liegt. „Gut wäre eine Art Ritual, dass man dem Körper das Zeichen gibt, jetzt geht es los mit dem Übergang vom aktiven Wachmodus in den Schlafzustand.“
Was hilft, wenn Albträume dauerhaft belasten?
Bei chronischen Albträumen gilt die Imagery Rehearsal Therapy (IRT) als wirksame Methode zur Behandlung. Die Grundidee dahinter: Betroffene schreiben in einer Art Traum-Tagebuch einen belastenden Alptraum auf, erfinden bewusst ein neues, weniger bedrohliches Ende und stellen sich dieses neue Drehbuch täglich bildlich vor. Das Gehirn soll so lernen, das alte Angst-Skript durch das neue zu ersetzen.
Das Gute an dieser Methode: Nicht nur ein spezieller Traum kann sich so in Wohlgefallen auflösen, auch künftige Alpträume werden weniger und weniger belastend.
Eine Ausnahme sind dabei jedoch Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. Für sie könnte sich das Trauma dadurch eventuell sogar verstärken: „Sie brauchen auf jeden Fall eine intensive therapeutische Begleitung“, sagt Michael Schredl. (Text: Katja Sponholz, dpa/Markus Brauer)
