Mykener, Minoer und Hethiter: Rätsel um verheerende Dürren der Bronzezeit gelöst

Künstlerische Rekonstruktion der antiken griechischen Festungsstadt von Mykene (19. Jahrhundert).K
Imago/United Archives International- Studie: Extreme Dürren im östlichen Mittelmeer resultierten aus überlagernden Klimazyklen.
- Rekonstruktion der letzten 8000 Jahre zeigt einen langsamen Austrocknungstrend.
- Kurzfristige Schwankungen in Atlantik und Atmosphäre verstärkten die Trockenheit.
- Zusammentreffen dieser Prozesse überschritt einen hydroklimatischen Schwellenwert.
- Forscher betonen: Künftiges Risiko hängt auch von natürlicher Atlantik-Variabilität ab.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Bronzezeit, der östliche Mittelmeerraum 3200 v. Chr.: Die ganze Region war in Aufruhr. Die Wirtschaft steckte in einer tiefen Krise, Stadtstaaten und imperiale Reiche versanken im Chaos, Regierungen wurden gestürzt, blühende Städte in Schutt und Asche gelegt. Zehntausende Menschen waren auf der Flucht und suchten eine neue Heimat. Neue Forschungen werfen ein neues Licht auf die Hintergründe dieser epochalen Umwälzungen, die einen Wendepunkt in der Frühantike darstellten.
Was führte zum Untergang der bronzezeitlichen Hochkulturen?
Mehrere bedeutende Zivilisationen, darunter die Mykener, die Minoer und das Hethiterreich, kollabierten innerhalb kürzester Zeit. Archäologen haben schon vor Langem entdeckt, dass schwere Dürren mit dieser Umbruchphase zusammenfielen und zu den systemischen Krisen beigetragen haben könnten. Welche klimatischen Mechanismen die vernichtenden Dürren ausgelöst haben, war bisher aber nicht vollständig geklärt.

Teilrekonstruierte Ruinen von Hattusa - die geheimnisvolle Hauptstadt der Hethiter in Anatolien.
Imago/Anadolu AgencyForscher der Stockholm University um Katherine Power haben jetzt herausgefunden, dass die schwersten Dürren im antiken östlichen Mittelmeerraum nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch eine Kombination aus sich überlagernden Klimazyklen verursacht wurden. Ihre Studie ist im Fachjournal Fachmagazin Science Advances veröffentlicht worden.
„Anstatt durch ein einzelnes Klimaereignis verursacht zu werden, stellten wir fest, dass die extremsten Dürren dann entstanden, wenn natürliche Klimazyklen, die auf unterschiedlichen Zeitskalen wirken, gleichzeitig zusammenfielen. Das hilft zu erklären, warum die Dürre im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der späten Bronzezeit so schwer war“, erklärt Katherine Power.
Langfristige Klimatrends und kurzfristige Schwankungen
Um die Ursachen der Dürren zu analysieren, rekonstruierten die Wissenschaftler mithilfe eines einem komplexen Klimamodell das Mittelmeerklima der letzten 8000 Jahre. Sie konnten nachweisen, dass es im östlichen Mittelmeerraum einen kontinuierlichen Trend zur Austrocknung gab, der von mehreren kurzfristigen Klimaschwankungen überlagert wurde.

In der Palastanlage von Knossos, dem größten minoischen Palast und dem Zentrum der ältesten Hochkultur Europas.
Imago/HMB-Media„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Region über Jahrtausende hinweg einen allmählichen Austrocknungstrend durchlief, der durch langsame Veränderungen der Erdumlaufbahn angetrieben wurde. Überlagert von diesem langfristigen Trend fanden wir auch kurzfristigere Schwankungen im Atlantischen Ozean und in der Atmosphäre“, erläutert Katherine Power.
Extreme Dürren vernichteten die Lebensgrundlagen
Zyklische Veränderungen der Erdbahn führten demnach dazu, dass die Nordhalbkugel im Sommer zunehmend weniger Sonneneinstrahlung erhielt und die Temperatur der Landflächen abnahm. Dadurch wurden die Systeme des Monsunregens schwächer und der tropische Regengürtel nahe dem Äquator - die sogenannte innertropische Konvergenzzone - wurde weiter in den Süden verschoben. Die Folge war, dass in den Subtropen deutlich weniger Regen fiel.
Zudem veränderten sich die Atlantische Umwälzzirkulation (AMOC) und langfristige Klimaschwankungen über dem Atlantik massiv. Diese Klimaprozesse sind ebenfalls eng mit der Niederschlagsmenge im Mittelmeerraum verbunden.

Das berühmte Löwentor von Mykene
Imago/Pond5 ImagesIm Schnitt alle 1000 Jahre - wie auch beim Zusammenbruch der Bronzezeitkulturen im östlichen Mittelmeerraum vor etwa 3200 Jahren - überlagern sich diese Klimaprozesse und verstärken sich dadurch gegenseitig. Sie lösen Dürrephasen aus, die weit extremer sind als die monokausalen Effekte des langfristigen Austrocknungstrends.
„Das Zusammenwirken dieser Prozesse brachte den östlichen Mittelmeerraum über einen kritischen hydroklimatischen Schwellenwert, verringerte die Wasserverfügbarkeit und erhöhte den Druck auf Landwirtschaft und Ernährungssicherheit innerhalb ohnehin anfälliger Gesellschaften“, konstatiert Katherine Power.

Das Löwentor in einer Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert.
Imago/H. Tschanz-HofmannWas uns die Geschichte lehrt
Der Forscherin zufolge hilft das bessere Verständnis der Klimaprozesse dabei, zukünftige Dürrerisiken besser einzuschätzen.
„Das Mittelmeer ist einer der globalen Hotspots des Klimawandels, und für die Region wird erwartet, dass sie im kommenden Jahrhundert wärmer und trockener wird. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das künftige Dürrerisiko nicht nur von der langfristigen menschengemachten Erwärmung abhängen könnte, sondern auch davon, wie die natürliche Variabilität im Atlantischen Ozean mit diesem Hintergrundtrend zusammenwirkt“, resümiert Katherine Power.
