Naturkundemuseum Stuttgart
: Diese Superwürmer fressen Knochen blitzblank

Bestimmte Käferlarven entfernen Fleisch und Sehnen von Knochen, effizienter und sicherer als mit bisherigen Verfahren. Danach brauchen sie vegetarische Kost.
Von
Markus Brauer
Stuttgart/Mesched
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Schwarzkäfer-Larven bei der Skelettierung eines Wolfsschädels (undatierte Aufnahme). Die Tiere helfen Präparatoren, Knochen von organischem Material zu befreien. Ein Team der Universität im iranischen Mesched und des Naturkundemuseums Stuttgart hat nun die "Superwürmer" als schnellere, umweltfreundlichere, risikoärmere und günstige Alternative erprobt.

Schwarzkäfer-Larven bei der Skelettierung eines Wolfsschädels (undatierte Aufnahme). Die Tiere helfen Präparatoren, Knochen von organischem Material zu befreien. Ein Team der Universität im iranischen Mesched und des Naturkundemuseums Stuttgart hat nun die "Superwürmer" als schnellere, umweltfreundlichere, risikoärmere und günstige Alternative erprobt.

Morteza Monfared/Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart/dpa
  • Käferlarven reinigen Knochen effizient und schonend – schneller als herkömmliche Verfahren.
  • Ein Team aus Mesched und dem Naturkundemuseum Stuttgart testete Larven von Zophobas morio.
  • Vorbehandlung: Tiere wurden enthäutet, entnommen und 20 bis 45 Minuten in 80 Grad Wasser aufgeweicht.
  • Vorteile gegenüber Speckkäfern: schneller, geringeres Risiko für Sammlungen, wenig verpuppte Käfer.
  • Nach dem Einsatz sollen die Larven pflanzliche Kost bekommen, da Fleisch ihre Häutung stören kann.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Keine Forschung ohne saubere Knochen

Für die Forschung und Ausstellungen in Museen sind Tierskelette von herausragender Bedeutung. Die Knochen müssen sauber - also von allen organischen Weichteilen wie Knorpel, Fleisch oder Sehnen befreit - und unbeschädigt sein.

Herkömmliche Methoden zur Reinigung bergen jedoch Tücken. Ein Team der Universität im iranischen Mesched und des Naturkundemuseums Stuttgart hat nun „Superwürmer“ als schnellere, umweltfreundlichere, risikoärmere und günstige Alternative erprobt.

Dabei handelt es sich um Mehlwurm-artige Larven des Großen Schwarzkäfers (Zophobas morio), wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „PLOS One“ erläutern.

Die bis zu sechs Zentimeter langen Tiere fressen den Angaben nach innerhalb weniger Stunden oder Tage Skelette blitzeblank - je nachdem, ob man ihnen eine kleine Hausmaus oder einen großen Wolf zum Fraß vorwirft. Um den Larven die Arbeit zu erleichtern, wurden die zu skelettierenden Tiere zuvor enthäutet, von inneren Organen befreit und 20 bis 45 Minuten lang in 80 Grad heißem Wasser aufgeweicht.

Großer Schwarzkäfer (Zophobas morio)

Großer Schwarzkäfer (Zophobas morio)

Imgao/Depositphotos

Knochen-schonender Einsatz Maden-Einsatz

Der konventionelle Einsatz von Enzymen oder Chemikalien dauert den Angaben nach oft lange und ist mit Gefahren etwa durch Giftstoffe verbunden. Zudem könnten besonders fragile Knochen wie Schädel kleiner Vögel beschädigt werden.

Eine schonendere und beliebte Methode zur Reinigung der Skelette seien Speckkäfer. Doch hier bestehe eine andere Gefahr: Selbst wenige entflohene Tiere könnten wissenschaftliche Sammlungen und Ausstellungen gefährden, unbemerkt Eier ablegen und die dort aufbewahrten Präparate zerstören.

Verglichen damit sehen die Forscher bei den Schwarzkäfer-Larven deutliche Vorteile: Stärkere Mundwerkzeuge und ein längeres Larvenstadium machten sie schneller und effizienter beim Entfleischen von Knochen. Würden die Tiere in großen Gruppen gehalten, werde ferner deren Verpuppung gehemmt, so dass kaum erwachsene Käfer entstehen.

Und selbst wenn: Adulte Schwarzkäfer sind weniger mobil als Speckkäfer und fressen außerdem nur selten Haut, Fell oder Federn.

Zur Abwechslung vegetarische Kost

Die Larven verringerten das Risiko, dass wertvolle Museumsexemplare beschädigt werden, erheblich und machten den Präparationsprozess effizienter, erklärt Biologin Niloofar Alaei Kakhki vom Naturkundemuseum Stuttgart. „Diese Kombination aus Schnelligkeit, Nachhaltigkeit und Sicherheit macht die „Superwürmer“ zu einem vielversprechenden Hilfsmittel für die Erhaltung naturhistorischer Sammlungen.“

Der Große Schwarzkäfer kommt in Mittel- und Südamerika vor. Seine Larven seien aufgrund ihres hohen Proteingehalts auch hierzulande beliebte Futtertiere etwa für Reptilien, also gut im Handel verfügbar. Sie ließen sich zudem leicht halten.

Die Larven verringerrn das Risiko, dass wertvolle Museumsexemplare beschädigt werden, erheblich und machen den Präparationsprozess effizienter.

Die Larven verringerrn das Risiko, dass wertvolle Museumsexemplare beschädigt werden, erheblich und machen den Präparationsprozess effizienter.

Imago/Design Pics

Vegetarische Kost nach dem Fleisch-Mahl

Mit Blick auf die Gesundheit der Larven empfiehlt das Autoren-Team übrigens, den Tieren nach jeder Skelett-Reinigung pflanzliche Nahrung wie Obst- oder Gemüseschalen zu kredenzen.

In erster Linie seien die Larven Pflanzenfresser, könnten aber auch tierisches Gewebe verdauen. „Unsere Beobachtungen deuten jedoch darauf hin, dass eine längere Fütterung mit Fleisch ihren Häutungsprozess stören oder die Sterblichkeitsrate erhöhen könnte.“ (mit dpa/Marco Krefting)