Nürnberger Flughafen: Was ist eine Luftnotlage?

Luftnotlage am Flughafen Nürnberg: Warum begleiteten Eurofighter ein Passagierflugzeug? Was eine Luftnotlage bedeutet und wann Alarm ausgelöst wird.
Daniel Löb/dpaEine mutmaßliche Luftnotlage hat am Dienstagmittag für einen Großeinsatz am Flughafen Nürnberg gesorgt. Ein Passagierflugzeug aus Griechenland wurde von zwei Eurofightern der Bundeswehr begleitet und der Flughafen vorübergehend gesperrt. Wenig später gab die Polizei Entwarnung. Doch was genau bedeutet eine Luftnotlage, wann wird sie ausgerufen und warum können dabei sogar Kampfjets zum Einsatz kommen?
Was bedeutet eine Luftnotlage?
Von einer Luftnotlage spricht man, wenn sich ein Flugzeug während des Fluges in einer ernsten Gefahrensituation befindet und möglicherweise sofortige Hilfe benötigt. Dabei kann sowohl die Sicherheit der Besatzung und Passagiere als auch die des Flugzeugs selbst bedroht sein. Die Ursachen für eine Luftnotlage können sehr unterschiedlich sein. Dazu gehören beispielsweise schwerwiegende technische Probleme, ein Triebwerksausfall, Feuer oder Rauch an Bord, ein gefährlicher Treibstoffmangel oder medizinische Notfälle. Auch eine Flugzeugentführung kann eine Luftnotlage auslösen.
Nicht jede ungewöhnliche Situation an Bord bedeutet allerdings, dass unmittelbare Lebensgefahr besteht. In der Luftfahrt wird zwischen einer Notlage, bei der sofortige Hilfe erforderlich ist, und einer Dringlichkeitslage unterschieden. Bei Letzterer ist die Sicherheit beeinträchtigt, ohne dass zwingend sofortige Hilfe benötigt wird.
Wie wird eine Luftnotlage gemeldet?
Piloten können eine Luftnotlage über den Flugfunk melden. Bei einer akuten Notlage verwenden sie üblicherweise das international gültige Notsignal „Mayday“. Für weniger dringliche Situationen gibt es den Funkspruch „Pan Pan“. Darüber hinaus können Piloten über den sogenannten Transponder ihres Flugzeugs spezielle vierstellige Codes übermitteln. Das Gerät sendet Informationen an die Flugsicherung und ermöglicht es, bestimmte Gefahrensituationen zu signalisieren. Drei Codes sind dabei besonders wichtig:
- 7700: Allgemeiner Luftnotfall, beispielsweise bei einem schwerwiegenden technischen Problem.
- 7600: Ausfall der Funkkommunikation.
- 7500: Hinweis auf eine widerrechtliche Einwirkung auf das Flugzeug, etwa eine mögliche Entführung.
Ein solcher Code alarmiert die zuständigen Stellen. Je nach Situation können zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet werden. Ein Notfallcode bedeutet jedoch nicht automatisch, dass tatsächlich eine Entführung oder ein anderer schwerwiegender Vorfall stattgefunden hat.
Warum begleiten Kampfjets ein Passagierflugzeug?
Wird eine mögliche Bedrohung im Luftraum festgestellt, kann auch die Luftwaffe eingeschaltet werden. In Deutschland stehen dafür rund um die Uhr Kampfjets in Alarmbereitschaft. Diese sogenannte Alarmrotte kann innerhalb kurzer Zeit aufsteigen, um ein auffälliges Flugzeug zu identifizieren und gegebenenfalls zu begleiten. Das kann beispielsweise erforderlich sein, wenn der Funkkontakt zu einem Flugzeug abbricht, eine mögliche Entführung gemeldet wird oder andere Sicherheitsbedenken bestehen. Die Kampfjets können versuchen, Sichtkontakt zur Besatzung herzustellen und die Situation aus der Luft zu beurteilen. Ihr Einsatz bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass ein Flugzeug eine unmittelbare Bedrohung darstellt.
Was ist am Flughafen Nürnberg passiert?
Am Dienstagmittag wurde der Flughafen Nürnberg wegen einer zunächst unbestätigten Luftnotlage vorübergehend gesperrt. Betroffen war ein Linienflugzeug, das von der griechischen Insel Korfu nach Nürnberg unterwegs war. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur war zuvor ein Notfallcode übermittelt worden. Zwei Eurofighter des taktischen Luftwaffengeschwaders 74 aus Neuburg an der Donau begleiteten die Maschine im deutschen Luftraum. Das Flugzeug konnte sicher in Nürnberg landen. Anschließend überprüften Einsatzkräfte die Situation an Bord und im Umfeld der Maschine. Die Polizei gab schließlich Entwarnung: Es habe keine Gefahr bestanden. Auch den Passagieren und Piloten ging es nach Polizeiangaben gut. Weshalb der entsprechende Alarm ausgelöst wurde, blieb zunächst ungeklärt.
Bereits am frühen Morgen hatte eine mögliche Drohnensichtung den Flugbetrieb am Nürnberger Flughafen beeinträchtigt. Drei Piloten hatten unabhängig voneinander ein verdächtiges Flugobjekt gemeldet. Trotz umfangreicher Suchmaßnahmen konnte keine Drohne gefunden werden. Ob ein Zusammenhang mit dem späteren Alarm bestand, war zunächst unklar. Der Vorfall zeigt, wie schnell bei einer möglichen Luftnotlage umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen greifen können. Denn sobald der Verdacht auf eine ernste Gefahr besteht, müssen Flugsicherung, Polizei und gegebenenfalls die Luftwaffe reagieren, auch wenn sich der Alarm später als unbegründet herausstellt.
