Bedeutung & Ursprung: Rosch ha-Schana 2024 – Das jüdische Neujahrsfest

Shofar, Granatapfel, Apfel und Honig sind Symbole des Rosch ha-Schana
tomertu/ShutterstockDie Bedeutung von Rosch ha-Schana
Der Begriff „Rosch ha-Schana“ (ראש השנה) kommt aus dem Hebräischen und bedeutet übersetzt etwa „Kopf des Jahres“ oder „Anfang des Jahres“. Es ist das jüdische Neujahrsfest und gibt Menschen jüdischen Glaubens Gelegenheit, auf das alte Jahr zurückzublicken und sich auf das neue zu freuen – ganz ähnlich also zu anderen religiösen und weltlichen Neujahrsfesten. Für viele ist Rosch ha-Schana einer der wichtigsten Feiertage im jüdischen Kalender.
Laut jüdischem Glauben wurde an diesem Tag die Menschheit erschaffen – womit auch die jüdische Zeitrechnung begann. Der jüdische Kalender befindet sich daher mittlerweile im Jahr 5784, während sich der gregorianische Kalender im Jahr 2024 befindet. An Rosch ha-Schana (Oktober 2024) beginnt dann das Jahr 5785 des jüdischen Kalenders.
Wann ist Rosch ha-Schana?
Da der jüdische Kalender sich an Mondphasen orientiert, findet Rosch ha-Schana nicht immer am selben Datum des gregorianischen Kalenders statt, in der Regel fällt das Neujahrsfest aber auf die zweite Hälfte des Septembers oder in den frühen Oktober. Die aktuellen Termine für Rosch ha-Schana sind:
Bräuche zu Rosch ha-Schana
Rosch ha-Schana ist ein bedeutender Feiertag im Judentum, auf den sich viele Menschen freuen. Obwohl dieser Tag den Beginn der zehn Tage der Umkehr bis zum feierlichen Jom Kippur markiert, der eher ernst begangen wird, gilt Rosch ha-Schana für viele als freudiger und festlicher Anlass. Auch bei weniger religiösen Juden und Jüdinnen ist der Feiertag beliebt.
Traditionell besuchen gläubige Menschen die Synagoge, wo Gebete gesprochen und das Schofarhorn geblasen wird. Dieses aus einem Widderhorn gefertigte Instrument ist das einzige seiner Art, das heute noch in der Synagoge verwendet wird. Der Klang des Schofars soll die Gläubigen symbolisch aufrütteln und sie an ihre moralischen Pflichten erinnern.
Rosch ha-Schana wird auch im Kreis der Familie und Freunde gefeiert. Der Festtag beginnt oft mit einem Kiddusch – einem Segensspruch über Wein und Brot –, bevor gemeinsam gegessen und gute Wünsche für das neue Jahr ausgetauscht werden. Auch wenn nicht alle jüdischen Familien religiös sind, gehört der Kiddusch für viele aus traditionellen Gründen zum Fest dazu.
Ein weiterer Brauch, der vor allem unter aschkenasischen und sephardischen Juden verbreitet ist, nennt sich Taschlich. Dabei begeben sich die Menschen am ersten oder zweiten Tag von Rosch ha-Schana vor Sonnenuntergang zu einem Gewässer, schütteln ihre Kleidung aus und werfen Krümel oder symbolisch Brot ins Wasser. Dieser Brauch steht für das symbolische Abwerfen von Lasten und Sünden des vergangenen Jahres. Begleitet wird dies durch das Taschlichgebet, in dem um Vergebung und um ein Jahr des Friedens gebeten wird.
Wie zum Jahreswechsel am 1. Januar werden auch zu Rosch ha-Schana Neujahrswünsche ausgetauscht. Der typische Gruß lautet „Shanah Tovah“ (שנה טובה), was „Ein gutes Jahr“ bedeutet. Im Jiddischen wird oft „A gut yor“ (אַ גוט יאָר) oder „A gut gebentsht yor“ (אַ גוט געבענטשט יאָר) gewünscht – letzteres bedeutet „Ein gutes, gesegnetes Jahr“.
Früher war es üblich, zu Rosch ha-Schana Grußkarten und Briefe zu versenden. Wie weltweit, werden diese Wünsche heute oft über digitale Kanäle wie WhatsApp, E-Mail oder soziale Medien übermittelt. In Israel kommt es am ersten Abend von Rosch ha-Schana daher nicht selten zu einer Überlastung der Mobilfunknetze, ähnlich wie in Deutschland an Silvester.
Typisches Essen an Rosch ha-Schana
Typisches Essen an Rosch ha-Schana hat eine symbolische Bedeutung und ist auf das Thema des Neuanfangs, der Fruchtbarkeit und des Wunsches für ein süßes neues Jahr ausgerichtet.
Äpfel, die in Honig getaucht werden, sind vielleicht das bekannteste Symbol für Rosch ha-Schana. Sie stehen für den Wunsch nach einem süßen und glücklichen neuen Jahr.
Das runde, geflochtene Brot, die Challah, wird zu Rosch ha-Schana in einer kreisrunden Form gebacken, um den Kreislauf des Jahres und das ewige Leben zu symbolisieren. Es wird oft ebenfalls in Honig getaucht.
Granatäpfel werden häufig gegessen, weil sie viele Samen enthalten, was Fruchtbarkeit und ein reichhaltiges Leben symbolisiert. In manchen Traditionen wünscht man sich, im kommenden Jahr so viele gute Taten zu vollbringen, wie der Granatapfel Samen hat.
Datteln sind besonders bei sefardischen Juden beliebt und stehen für den Wunsch, dass Feinde und Probleme „vergehen“ mögen. Der hebräische Name der Dattel (תמר, "tamar") klingt ähnlich wie das Wort „beenden“, was einen Neuanfang und das Überwinden von Herausforderungen symbolisiert.
Der Kopf eines Fisches (oder manchmal eines Schafes) wird serviert, um den Wunsch auszudrücken, „am Kopf“ des Jahres zu stehen und Erfolg zu haben. In vielen Familien wird der Wunsch geäußert, im kommenden Jahr „der Kopf und nicht der Schwanz“ zu sein, also eine führende Position einzunehmen.
Gefüllte Speisen wie gefüllter Kohl oder gefüllte Datteln stehen für Fülle und Überfluss im kommenden Jahr. Sie symbolisieren das reichliche Gute, das man sich für das nächste Jahr wünscht.
Diese Speisen sind tief in der Symbolik des Neuanfangs und der Hoffnung auf ein gesegnetes, fruchtbares und süßes neues Jahr verwurzelt. Die Traditionen variieren jedoch je nach Kultur und familiärem Hintergrund.
Die Hohen Feiertage des Judentums: Rosch ha-Schana und Jom Kippur
Nur zehn Tage nach Rosch ha-Schana folgt Jom Kippur, der als bedeutendster jüdischer Feiertag gilt. Rosch ha-Schana leitet eine Zeit der Besinnung und Reflexion ein, die als „Ehrfurchtsvolle Tage“ bekannt ist. In dieser Zeit sollen sich Juden und Jüdinnen verstärkt dem Gebet, der Wohltätigkeit und ihrer Beziehung zu Gott widmen. Jom Kippur bildet den Abschluss dieser Tage und wird als „Tag der Sühne“ oder „Versöhnungsfest“ bezeichnet. Es handelt sich um einen strengen Fasten- und Ruhetag, der oft auch von weniger religiösen Juden und Jüdinnen beachtet wird.
„Guten Rutsch“ – Ursprung bei Rosch ha-Schana?
Hartnäckig hält sich die Vermutung, der zu Silvester übliche Ausspruch „Guten Rutsch (ins neue Jahr)“ kommt vom hebräischen Rosch ha-Schana, der Bezeichnung für das jüdische Neujahrsfest. Dagegen sprechen allerdings neuere sprachwissenschaftliche Erkenntnisse sowie die Tatsache, dass das jüdische und das christliche/weltliche Neujahrsfest zeitlich weit auseinanderliegen. Frühere Vermutungen zu einem sprachlichen Zusammenhang fußen zudem auf Schriften mit antisemitischer Tendenz und unklarer Quellenlage.
Tatsächlich wurde das „Rutschen“ im 19. Jahrhundert als Synonym für kleine Reisen verwendet und es war nicht unüblich, jemandem einen guten oder glücklichen Rutsch zu wünschen, wenn dieser auf eine kurze Reise ging. Oft wurde „rutschen“ dabei etwas scherzhaft oder mundartlich verwendet, sodass der „gute Rutsch ins neue Jahr“ sich als Anekdote für eine gute Reise ins neue Jahr entwickelte.