Schlecht für das Klima
: Hitzewelle treibt in Deutschland Absatz von Klimaanlagen in die Höhe

Klimaanlagen sollen Menschen vor Hitze schützen. Doch sie verbrauchen selbst viel Energie und könnten die Erderwärmung damit verstärken. Dennoch boomen die Geräte in heißen Wochen wie derzeit.
Von
Markus Brauer
Berlin
Jetzt in der App anhören
Split-Klimaanlagen kann man nicht selbst installieren. Und für sie ist in der Regel ein Wanddurchbruch nötig.

Split-Klimaanlagen kann man nicht selbst installieren. Und für sie ist in der Regel ein Wanddurchbruch nötig.

Zacharie Scheurer/dpa
  • Hitzewellen lassen den Absatz privater Klimaanlagen steigen, viele Geräte waren zeitweise ausverkauft.
  • 23,4 Prozent der Haushalte besitzen eine Anlage, zuvor waren es 17,9 Prozent; 24,9 Prozent planen einen Kauf.
  • Meist genutzt sind Monoblock-Geräte, Split-Anlagen kommen seltener vor – Installationen sind aufwendig.
  • Höherer Stromverbrauch wird erwartet: Split 40–90 Euro, mobil 100–150 Euro pro Jahr laut Verivox.
  • Studie: Klimaanlagen könnten Emissionen deutlich erhöhen, passive Kühlung spart bis zu 20 Prozent Energie.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die jüngsten Hitzewellen treiben den Absatz privater Klimaanlagen in die Höhe. Inzwischen verfügten 23,4 Prozent der Haushalte über eine solche Anlage, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Sonntag (12. Juli) unter Berufung auf eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Verivox. Vor einem Jahr waren es demnach noch 17,9 Prozent.

Noch deutlicher ist dem Bericht zufolge der Anstieg bei den Kaufabsichten. 24,9 Prozent der Haushalte planen demnach die Anschaffung einer Klimaanlage. Im Juli 2025 waren dies 13,8 Prozent. Für 51,7 Prozent der Haushalte kommt ein Kauf allerdings weiterhin nicht infrage.

„Interesse an Klimaanlagen deutlich erhöht“

„Die außergewöhnliche Hitzewelle der vergangenen Wochen hat das Interesse an Klimaanlagen deutlich erhöht“, sagt Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. „Viele Haushalte haben ihre Kaufentscheidung offenbar nicht länger aufgeschoben, zeitweise waren mobile Klimageräte vielerorts ausverkauft.“

Der Umfrage zufolge dominieren dabei mobile Geräte. 69,2 Prozent nutzten einen sogenannten Monoblock, bei dem die warme Luft über einen Abluftschlauch nach draußen geleitet wird, heißt es. Fest installierte Split-Anlagen kämen auf einen Anteil von 30,8 Prozent. Split-Anlagen bestehen aus einer Innen- und einer Außeneinheit.

Stromverbrauch steigt stark an

Der Boom bei den Klimaanlagen dürfte auch den Stromverbrauch in die Höhe treiben. Für eine Split-Anlage müssen Haushalte laut Verivox jährliche Stromkosten zwischen 40 und 90 Euro einplanen. Bei den in der Anschaffung günstigeren mobilen Monoblock-Geräten sei mit jährlichen Stromkosten von 100 bis 150 Euro zu rechnen.

Storck betonte, auch ohne Klimaanlage lasse sich die Wohnung wirksam vor Hitze schützen. „Am besten schützen Außenjalousien oder Rollläden – wenn man sie tagsüber schließt, halten sie die Sonne draußen“, erklärt der Experte. Wer diese nicht habe, könne Sonnenschutzfolien an den Fenstern anbringen. Auch Ventilatoren kühlten zwar nicht die Luft, aber die Luftbewegung fühle sich angenehmer an.

Klimageräte stehen auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses in Düsseldorf.

Klimageräte stehen auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses in Düsseldorf.

Martin Gerten/dpa

Kräftiger Schub für den Klimawandel

Was die hitzegeschädigten Verbraucher freut, ist andererseits aber schlecht fürs Klima. Denn die zunehmende Nutzung von Klimaanlagen könnte den weltweiten Treibhausgasausstoß bis Mitte des Jahrhunderts stark ansteigen lassen.

Einer Studie im Fachjopurnal „Nature Communcations“ zufolge könnte sie im ungünstigsten Szenario bis zum Jahr 2050 etwa 8,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (CO2) entsprechen. Zum Vergleich: Die derzeitigen gesamten jährlichen Treibhausgasemissionen der USA betragen 5,9 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente. Der hohe Energieverbrauch von Klimaanlagen könnte so den Klimawandel weiter ankurbeln, schreibt eine Forschergruppe um Yuli Shan von der University of Birmingham.

Der Klimawandel erhöht die globalen Durchschnittstemperaturen und auch die Häufigkeit von Hitzewellen. Um sich vor extremen Temperaturen zu schützen, nutzen immer mehr Menschen eine Klimaanlage in ihrer Wohnung. Auch Büros, Fabrikhallen und Werkstätten werden zunehmend damit ausgerüstet.

Shan und Kollegen kombinierten nun verschiedene Datensätze und Modelle, um die globale Entwicklung der klimaschädlichen Auswirkungen von Klimaanlagen besser abzuschätzen - darunter fünf Emissionsszenarien, die der Weltklimarat (IPCC) für seine Sachstandsberichte verwendet.

Die Außenkomponente eines Split-Klimagerätes sollte möglichst nicht in der prallen Sonne hängen.

Die Außenkomponente eines Split-Klimagerätes sollte möglichst nicht in der prallen Sonne hängen.

Daniel Löb/dpa/dpa-tmn

Nicht nur die Erderwärmung sorgt für mehr Klimaanlagen

Die Autoren zeigen auf, dass sich die gesamten Emissionen von 2010 bis 2050 auf 113,3 Milliarden CO2-Äquivalente summieren könnten. Und zwar bei einem mittleren Szenario (SSP2-4.5), bei dem der Treibhausgasausstoß in den kommenden Jahren deutlich reduziert wird. Bei dieser Prognose entsprächen die durch Klimaanlagen entstehenden CO2-Äquivalente einer zusätzlichen Erwärmung von etwa 0,05 Grad Celsius.

Dabei gehen die Forscher davon aus, dass nur 8,3 Prozent des Wachstums der Emissionen durch Klimaanlagennutzung auf zusätzlichen Kühlungsbedarf durch den Klimawandel zurückgeht. „Gleichzeitig ermöglicht das Wirtschaftswachstum in einigen der am stärksten betroffenen Länder immer mehr Menschen, sich mit Klimaanlagen vor extremer Hitze zu schützen“, erläutert Shan.

Besonders hoch ist der Kühlungsbedarf im Jahr 2050 demnach in Süd- und Mittelamerika, Südostasien, Indien sowie in großen Teilen von Afrika südlich der Sahara.

Gefahren durch austretende Kühlmittel

Im mittleren Emissionsszenario werden die Treibhausgasemissionen durch Klimaanlagen von 1,3 Milliarden CO2-Äquivalente im Jahr 2010 auf 3,8 Milliarden Tonnen im Jahr 2050 steigen. Beim ungünstigsten Szenario (SSP5-8.5) sind es sogar 8,5 Milliarden Tonnen. Den größten Anteil am Ausstoß klimaschädlicher Gase hat die Erzeugung von Elektrizität mit fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdöl und Erdgas.

Doch auch die in den Anlagen genutzten Kühlmittel haben meist ein hohes Treibhausgaspotenzial, das aber nur dann wirksam wird, wenn sie durch ein Leck in die Umwelt gelangen. Die Forscher rechnen damit, dass es mit dem Betrieb von mehr Klimaanlagen auch häufiger zu solchen Leckagen kommen wird.

Passive Kühlungsstrategien um Energie zu sparen

Wenn der Strom zunehmend durch erneuerbare Energien erzeugt wird, könnten ausgetretene Kühlmittel im Jahr 2050 bis zu 60 Prozent der CO2-Äquivalente ausmachen, die in Zusammenhang mit Klimaanlagen freigesetzt werden, heißt es. „Die Welt muss rasch auf sauberere und effizientere Kühltechnologien umsteigen und dabei einen gerechten Zugang zu Kühlung gewährleisten, insbesondere für gefährdete Bevölkerungsgruppen“, betont Shan.

Passive Kühlungsstrategien könnten bis zu 20 Prozent der Energie zum Betrieb von Klimaanlagen einsparen. Dazu zählen die Beschattung von Räumen durch Roll- und Fensterläden sowie große Dachüberstände, Wärmedämmung, helle Oberflächen, die Sonnenlicht reflektieren, und Dach- und Fassadenbegrünung. (mit AFP-/dpa-Agenturmaterial)