Schlimmer Verdacht
: Ist das Ebola-Virus im Kongo mutiert?

Die Zahl der Ebola-Fälle im Kongo steigt, die Zahl der Toten ebenfalls. Gesundheitsexperten sehen einen Wettlauf mit der Zeit - und wollen abklären, ob eine Mutation eine Rolle spielt.
Von
Markus Brauer
Kinshasa/Bunia
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Ebolafieber ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren der Gattung Orthoebolavirus hervorgerufen wird. Die Bezeichnung geht auf den Fluss Ebola in der Demokratischen Republik Kongo zurück, in dessen Nähe diese Viren 1976 den ersten allgemein bekannten großen Ausbruch verursacht hatten.

Ebolafieber ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren der Gattung Orthoebolavirus hervorgerufen wird. Die Bezeichnung geht auf den Fluss Ebola in der Demokratischen Republik Kongo zurück, in dessen Nähe diese Viren 1976 den ersten allgemein bekannten großen Ausbruch verursacht hatten.

Imago/Anadolu Agency
  • Ebola breitet sich in der DR Kongo aus – Behörden prüfen mögliche Mutation.
  • Africa CDC und WHO untersuchen den Bundibugyo-Ausbruch auf genetische Veränderungen.
  • Mehr als 3900 bestätigte Fälle vom Mittwoch, Kaseya spricht von etwa 4000 Fällen.
  • Impfstoffe wirken nur gegen Zaire-Variante, für Bundibugyo gibt es keinen Impfstoff.
  • Ituri ist Epizentrum, Unsicherheit und Mobilität erschweren Eindämmung und Diagnosen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Angesichts der rasanten Ausbreitung der Ebola-Fälle in der Demokratischen Republik Kongo wollen die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC und die Weltgesundheitsorganisation WHO überprüfen, ob es möglicherweise eine Mutation des Virus gibt.

„Der Schweregrad dieses Bundibugyo-Ausbruchs ist beispiellos“, sagt Jean Kaseya, der Generaldirektor von CDC Afrika in seinem wöchentlichen Briefing. „Wir leiten einige Untersuchungen ein, um zu verstehen, ob es eine Mutation gab. Wir müssen das abklären und wissen, wie wir damit umgehen können.“

„Dieser Ausbruch übersteigt unsere Möglichkeiten“

Man müsse mittlerweile von 4000 Fällen ausgehen, erklärt Kaseya und verweist darauf, dass die aktuelle Zahl von mehr als 3900 bestätigten Fällen vom Mittwoch (5. August) stamme. Damit sei diese Zahl mehr als achtmal höher als beim westafrikanischen Ebola-Ausbruch 2014 in Westafrika, dem bisher schwersten auf dem Kontinent. Die Zahl der Todesfälle in diesem Zeitraum sei mehr als sechsmal so hoch.

„Wir bauen die Kapazitäten aus, aber dieser Ausbruch übersteigt unsere Möglichkeiten“, betont Kaseya. Zwar würden neue Labore und neue Behandlungszentren gebaut, „aber wenn wir diesen Ausbruch nicht auf Gemeindeebene stoppen, hat das keinerlei Bedeutung“.

Das Epizentrum der Epidemie befindet sich in Ituri, einer Provinz im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, die an Uganda und den Südsudan grenzt. In der Region wird Gold gefördert. Das hat zur Folge, dass dort viele Menschen unterwegs sind. Der Zugang in einige Gebieten der Provinz wird dadurch erschwert, dass dort verschiedene bewaffnete Gruppen aktiv sind.

Was ist Ebola?

Die Gattung Ebolavirus gehört zur Familie der Filoviren und wird in fünf Spezies unterteilt:

  • Zaire-Ebolavirus (EBOV)
  • Sudan-Ebolavirus (SUDV)
  • Taï Forest Bundibugyo (2007 entdeckt)
  • Reston (als einzige Spezies für Menschen in der Regel nicht gefährlich)

Woher stammt das Ebolavirus?

Vermutlich sind Flughunde oder Fledermäuse das Reservoir für das Ebolavirus. Allerdings ist diese Frage noch nicht abschließend geklärt. Für den Ausbruch 2014/2015 in Westafrika gibt es Hinweise, dass eine Fledermaus-Art eine mögliche Wildtier-Quelle für das Ebolavirus war.

Wie wird Ebola übertragen?

Auch bei Kontakt mit infektiösen Tieren oder Tierprodukten kann das Ebolavirus auf den Menschen übertragen werden, zum Beispiel bei der Jagd oder bei der Schlachtung, Zubereitung und dem Verzehr von unzureichend erhitztem Fleisch aus betroffenen Gebieten.

Mit dem Ebolavirus infizierte Menschen sind erst dann ansteckend, wenn sie Krankheitssymptome zeigen. Für eine Tröpfchen-Übertragung durch die Luft gibt es keine Hinweise.

Gibt es erprobte Impfungen?

Die gegenwärtige Ebola-Epidemie wird von der seltenen Bundibugyo-Variante verursacht. Gegen sie gibt es keinen Impfstoff und keine gezielte Therapie. Im Zentrum der Eindämmungsbemühungen stehen daher Abstandsregeln und der schnelle Nachweis neuer Infektionen, um die Zahl der Kontaktpersonen klein zu halten.

Die WHO-Repräsentantin für die DR Kongo, Anne Ancia, erklärte, es werde auf internationaler Ebene geprüft, „welcher Impfstoff-Kandidat oder welche Behandlung verfügbar sind und ob irgendwelche davon bei diesem Ausbruch von Nutzen sein könnten“.

Die existierenden Ebola-Impfstoffe schützen vor der Zaire-Variante, die einige der größten Ebola-Ausbrüche in Afrika verursacht hat. Die Bundibugyo-Variante verursachte vor der aktuellen Epidemie bislang nur zwei Ausbrüche weltweit: 2007 in Uganda und 2012 im Kongo. Die Sterblichkeitsrate liegt bei dieser Variante bei 30 bis 50 Prozent und damit deutlich niedriger als bei der Zaire-Variante mit fast 90 Prozent.

Wie schnell breitet sich Ebola aus?

Die bislang tödlichste Ebola-Epidemie ereignete sich zwischen 2018 und 2020 in der Demokratischen Republik Kongo. Damals starben fast 2300 der insgesamt rund 3500 Erkrankten. Bei der letzten Ebola-Epidemie gab es laut WHO zwischen September und Dezember vergangenen Jahres 45 Todesopfer.

Das große zentralafrikanische Land Kongo mit seinen mehr als 100 Millionen Einwohnern hat schon viel Erfahrung im Umgang mit Ebola-Ausbrüchen. Die Besonderheiten der gegenwärtigen 17. Ebola-Epidemie im Land bereiten Experten allerdings Sorgen.

„Das ist eine Epidemie, die sich sehr schnell ausbreiten wird, umso mehr, als sie sich in einer sehr stark bevölkerten Provinz ereignet“, warnt der Virologe Jean-Jacques Muyembe. Er gehört zu den Entdeckern des Ebola-Virus und leitet das kongolesische Institut, das den erneuten Ebola-Ausbruch nachgewiesen hat.

Was löste die aktuelle Epidemie aus?

Derzeit laufen epidemiologischen Untersuchungen, um zu bestimmen, wie die aktuelle Ebola-Epidemie ausgelöst wurde. Bei dem ersten nachgewiesenen Fall handelte es sich um einen Krankenpfleger, der sich am 24. April mit auf Ebola hindeutenden Symptomen in einer Gesundheitseinrichtung in Ituris Hauptstadt Bunia meldete. Der mutmaßliche Ausbruchsherd wurde aber rund 90 Kilometer davon entfernt lokalisiert, in der Kleinstadt Mongbwalu.

Vermutlich sind Flughunde oder Fledermäuse das Reservoir für das Ebolavirus. Allerdings ist diese Frage noch nicht abschließend geklärt. Für den Ausbruch 2014/2015 in Westafrika gibt es Hinweise, dass eine Fledermaus-Art eine mögliche Wildtier-Quelle für das Ebolavirus war.

Warum gilt Ebola als „mystische Krankheit?

Menschen, die an der Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus erkranken, entwickeln zunächst Symptome wie bei einer Grippe oder Malaria. Dies kann die Diagnose verzögern.

Auch bei Kontakt mit infektiösen Tieren oder Tierprodukten kann das Ebolavirus auf den Menschen übertragen werden, zum Beispiel bei der Jagd oder bei der Schlachtung, Zubereitung und dem Verzehr von unzureichend erhitztem Fleisch aus betroffenen Gebieten.

Mit dem Ebolavirus infizierte Menschen sind erst dann ansteckend, wenn sie Krankheitssymptome zeigen. Für eine Tröpfchen-Übertragung durch die Luft gibt es keine Hinweise. (mit dpa-Agenturmaterial)