Nützlinge
: Warum Regenwürmer für den Garten wichtiger sind als gedacht

AnzeigeEr lebt unter der Erde und kommt meist nur bei Regen oder in der Nacht an die Oberfläche. Der häufig unterschätzte Regenwurm ist im Garten ein sehr hilfreicher Bauarbeiter. Wie er hilft und wie man ihn unterstützen kann.
Von
leane
Stuttgart
Hilfreicher unterirdischer Bauarbeiter.

Hilfreicher unterirdischer Bauarbeiter.

Shutterstock/Oleg Kovtun Hydrobio

Kaum ein Tier arbeitet so unauffällig und gleichzeitig so wirkungsvoll in unseren Gärten wie der Regenwurm. Während er unter der Erdoberfläche seiner Arbeit nachgeht, bleibt er meist unbeachtet – dabei hat er einen erstaunlich großen Einfluss auf die Gesundheit unseres Bodens. Wer genauer hinschaut, entdeckt ein faszinierendes Tier mit erstaunlichen Fähigkeiten und einer wichtigen Rolle im Gartenökosystem. Grund genug, sich diesem stillen Helfer einmal genauer zu widmen.

Der Regenwurm soll zu den ältesten Bewohnern unserer Erde gehören. Sein Name hat jedoch rein gar nichts mit Regen zu tun. Im Mittelalter hieß das Tier noch „reger Wurm“ aufgrund seiner regen Tätigkeit. Einen Regenwurm gibt es jedoch gar nicht, denn alleine in Deutschland sind mehr als 40 Arten bekannt. Die Erdbewohner werden bis zu sechs Jahre alt und erreichen dabei eine Größe von bis zu 30 Zentimetern. Das Tier besteht aus vielen einzelnen Segmenten. Teilt sich das Tier nach seinem „Gürtel“ kann der andere Teil regeneriert werden. Denn in jedem Segment wiederholen sich gewisse Organe – Nieren und Darm beispielsweise. Vor dem Gürtel sind Organe angelegt, die sich nicht oder nur in kleiner Zahl wiederholen, wie Geschlechtsorgane und paarige Herzen.

Der Regenwurm als Nützling im Garten

Einen besseren Gartenbewohner als den Regenwurm kann sich ein Gartenbesitzer eigentlich kaum wünschen, denn Regenwürmer graben den Boden nicht nur um, sie lockern ihn sogar auf. Dadurch belüften sie den Boden und mischen mineralische und organische Substanzen. Dabei bewegen sie sich durch die Kontraktion ihrer Muskeln fort und können das 50- bis 60-fache ihres eigenen Körpergewichts stemmen.

Das Tunnelsystem von Regenwürmern reicht vereinzelt bis zu sieben Meter tief ins Erdreich. Es erleichtert das Einsickern von Regenwasser und erhöht die Speicherkapazität des Bodens. So tragen die fleißigen Tiere dazu bei, die Gefahr von Überschwemmungen zu minimieren. Auch den Wurzeln von Pflanzen wird der Weg in die Tiefe durch das Röhrensystem erleichtert. So erreichen sie einfacher tieferliegende Nährstoffe.

In der Nacht kommen Regenwürmer an die Erdoberfläche und werfen ihre Exkremente in einem kleinen Haufen auf. Die Ausscheidungen sind reich an Phosphor, Kalk und Stickstoff, die wiederum werden vom Boden, von Bäumen und anderen Pflanzen aufgenommen. Der Kot fungiert so als „hochwirksamer, hochkonzentrierter Gartendünger“ erklärt Jochen Goedecke, NABU-Landwirtschaftsreferent.

Sie können auch Materialien transportieren. An einem Blatt saugen sie sich mit ihrem maulartigen Vorderteil fest und können es so transportieren. Zudem frisst der Wurm nahezu ununterbrochen. Er verspeist Blätter, Mikroorganismen und abgestorbene Pflanzenreste. Pro Tag vertilgt er etwa die Hälfte seines eigenen Körpergewichts.

Der Regenwurm ist ein wichtiger Bestandteil des Nahrungskreislaufs, da sie für viele Vögel, wie Amseln oder auch für Igel ein wahrer Festschmaus sind.

Regenwurmfreundlicher Garten

Im Durchschnitt leben auf einem Quadratmeter Boden bis zu 100 Regenwürmer. Die Tiere lieben lockere und feuchte Böden. Damit optimale Lebensbedingungen für die Regenwürmer herrschen, muss der Boden einen pH-Wert von über 3,5 haben. Denn zu saurer Boden zerstört den Schleimmantel.

Pudelwohl fühlen sich Regenwürmer bei Temperaturen zwischen zehn und 15 Grad. Besonders aktiv sind sie deshalb im Frühjahr oder Herbst.

Vom Aussterben bedroht: Wie man Regenwürmern helfen kann

Der Lebensraum von Regenwürmern ist jedoch stark bedroht und wird immer weiter eingeschränkt. Faktoren wir Monokulturen, Versiegelung und Bodenverdichtung, Pestizide oder Gülle machen dem Erdbewohner das Leben schwer. Zahlreiche Regenwurmarten in Deutschland stehen mittlerweile sogar auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Wer Regenwürmer im eigenen Garten unterstützen möchte, kann Pflanzenreste möglichst lange liegen lassen. Das kommt nicht nur Regenwürmern, sondern auch anderen Nützlingen zugute. Wer den Lebensraum der Würmer schützen möchte, sollte den Boden möglichst nicht umgraben. Wer das Wohl der Tiere im Sinn hat, sollte möglichst ökologisch gärtnern. Das bedeutet, man verzichtet auf mineralischen Dünger und verwendet ausschließlich organischen Dünger. Man legt einen Kompost an und lässt Pflanzenreste auf den Beeten liegen. Man verzichtet aufs Umgraben und mulcht Beete.