Spektakuläre Bilder von der „Titanic“
: So haben Sie das Wrack der „Titanic“ noch nie gesehen

Hochauflösende 3D-Bilder der „Titanic“ könnten neue Erkenntnisse darüber liefern, wie es zu dem verhängnisvollen Untergang vor mehr als 100 Jahren kommen konnte. Der britische Sender BBC hat erstmals die neuen Aufnahmen des Wracks veröffentlicht.
Von
Markus Brauer/AFP
Stuttgart
  • Hochauflösende 3D-Aufnahme des Wracks der Titanic in 3821 Meter Tiefe.

    AFP/BBC/Atlantic Produtcions/Magellan
  • Am 31. März 1909 wurde die „Titanic“ als Baunummer 401 der Werft Harland & Wolff Ltd. in Belfast (seinerzeit Provinz Ulster im Vereinigten Königreich) auf Kiel gelegt.

    Wikipedia commons
  • Am 31. Mai 1911 fand dann der Stapellauf der Titanic statt, wie bei White Star üblich ohne Schiffstaufe. Direkt im Anschluss wurde die fertig ausgerüstete Olympic der Reederei übergeben.

    Wikipedia commons
  • Fertigstellung der Aufbauten.

    Wikipedia commons
  • Besonderes Interesse galt der Sicherheitsausstattung der beiden Schwesterschiffe. Sie galten als Wunder der Technik und wurden aufgrund der automatisch schließenden Wasserschutztüren zwischen den 16 wasserdicht abschottbaren Abteilungen im Juni 1911 in der Zeitschrift „The Shipbuilder“ als „praktisch unsinkbar“ bezeichnet.

    Wikipedia commons/Boris Lux/Lux’s Type Collection, Ocean liners - Titanic/CC BY-SA 3.0
  • Querschnitt des Schiffs: Die Titanic war 269,04 Meter lang, 28,19 Meter breit, 53,33 Meter hoch (Unterkante Kiel bis Oberkante Schornstein), hatte 10,54 Meter Tiefgang, eine Vermessung von 46.329 Bruttoregistertonnen, 39.380 Tonnen Leermasse und 13.767 Tonnen Tragfähigkeit.

    Wikipedia commons/White Star Line publicity material
  • Die Titanic auf Jungfernfahrt im Hafen von Southampton am 10. April 1912.

    Wikipedia commons/http://www.liners.dk/ship-dk/Titanic/index-titanic-dk.html
  • Die Titanic verlässt am 2. April 1912 Belfast, wo sie gebaut wurde.

    Wikipedia commons/europapress.es National Archives and Records Administration National Archives and Records
  • Das Bild vermittelt aber auch einen Eindruck vom Auslaufen aus Southampton. Im Vergleich zu den umgebenden Schleppern wird die enorme Größe des Schiffes deutlich.

    Wikipedia commons/europapress.es National Archives and Records Administration National Archives and Records
  • Eines der letzten Bilder der Titanic: Aufgenommen am Hafen von Queenstown (Cork Harbour) am 11. April 1912.

    Wikipeda commons/Cobh Heritage Centre, museum in Cobh, Ireland Imgur
  • Die Titanic besaß drei Schiffsschrauben (Propeller) und konnte 23 bis 24 Knoten Höchstgeschwindigkeit und 21 Knoten Reisegeschwindigkeit erreichen. Die äußeren Propeller mit 7 m Durchmesser und je 38 Tonnen wurden von Vierzylinder-Kolbendampfmaschinen mit Dreifachexpansion und einer indizierten Leistung von jeweils 15 000 PS (11 MW) angetrieben.

    Wikipedia commons
  • Geachtet wurde in erster Linie auf Luxus in der Ersten Klasse und weniger auf die Reisegeschwindigkeit.

    Wikipedia commons/Blogspot Titanic Clock Royal Caribbean Blog
  • Die Ausstattung der Ersten Klasse erhielt elegante Suiten, prächtige Rauchsalons und Speisesäle und ein großes, für die Erste Klasse reserviertes Promenadendeck.

    Wikipedia commons/Robert Welch
  • Edward Smith, Kapitän der Titanic,

    Wikipedia commons
  • Bildaufnahme (anderer Blickwinkel) des Eisbergs am Morgen des 15. April 1912, wenige Stunden nach dem Untergang der „Titanic“.

    Wikipedia commons/Stephan Rehorek
  • Die Titanic kurz nach der nächtlichen Kollision. (digital bearbeitetes Foto der Attrappe des Titanic-Museums in Branson, Missouri, USA).

    Wikipedia commons/Roland Arhelger/CC BY-SA 4.0
  • Untergang der Titanic Illustration von Willy Stöwer für die Zeitschrift „Die Gartenlaube“ 1912.

    Wikipedia cpommons/Willy Stöwer
  • 18. April 1912: Als die „Carpathia“, die die Überlebenden aufgenommen hatte, am Abend des 18. April in New York einlief, wurde die Anlegestelle weiträumig abgeschirmt. Die „Carpathia“ legte zuerst am Pier 59 der Chelsea Piers an, um die Rettungsboote der „Titanic“ hier zu entladen. Anschließend fuhr sie zum Pier 54, an dem etwa 30 000 Menschen in strömendem Regen warteten.

    Wikipedia commons/American Press Association
  • Ein Londoner Zeitungsjunge mit dem Titelblatt der Zeitungen vom 16. April 1912.

    Wikipedia commons
  • Bug der „Titanic“ im Jahr 2004: Am 15. April gegen 2.20 Uhr sank die Titanic, nachdem sie am 14. April um 23.40 Uhr im Nordatlantik – etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland – einen Eisberg gerammt hatte. 1514 der über 2200 an Bord befindlichen Menschen kamen dabei ums Leben.

    Wikipedia commons/Courtesy of NOAA
1 / 20

Hochauflösende 3D-Bilder der „Titanic“ könnten neue Erkenntnisse darüber liefern, wie es zu dem verhängnisvollen Untergang des berühmten Passagierschiffs vor mehr als 100 Jahren kommen konnte.

Der britische Sender BBC hat jetzt erstmals neue Aufnahmen des Wracks veröffentlicht, das in 3821 Meter Tiefe auf dem Grund des Atlantiks liegt.

700 000 Bilder für 3D-Aufnahmen

Erstellt worden waren die detailreichen Aufnahmen im Sommer 2022 von einem auf die Tiefsee spezialisierten Kartografie-Unternehmen.

Mehr als 200 Stunden untersuchten U-Boote das Wrack und machten über 700 000 Bilder, die zu dem 3D-Scan zusammengesetzt wurden. Eine Produktionsfirma drehte einen Dokumentarfilm über das Projekt.

Der Planungsleiter der Expedition, Gerhard Seiffert, sagte der BBC, die Teilnehmer hätten nichts berühren dürfen, „um das Wrack nicht zu beschädigen“.

Die neuen Bilder zeigen das vom Heck getrennte Vorderschiff, als wäre es aus dem Wasser gehoben worden. Dabei sind selbst kleinste Details zu sehen, etwa die Seriennummer des Schiffspropellers.

Was genau geschah am 14./15. April 1912 im Nordatlantik?

Die Aufnahmen könnten Historikern und Wissenschaftlern dabei helfen, herauszufinden, was genau im April 1912 mit dem Passagierschiff geschah. Bislang glichen ihre Nachforschungen angesichts des zunehmenden Verfalls des Wracks einem Wettlauf gegen die Zeit.

„Jetzt können wir die ‚Titanic’ endlich ohne menschliche Interpretation betrachten, nur basierend auf Beweisen und Daten“, betont Parks Stephenson, der die „Titanic“ seit vielen Jahren untersucht.

Der Luxusdampfer war im April 1912 bei der Fahrt vom englischen Southampton nach New York gesunken, nachdem er mit einem Eisberg zusammengestoßen war.

Seit dem Fund des Wracks im Jahr 1985 knapp 650 Kilometer vor der Küste Kanadas war die „Titanic“ ausgiebig erforscht worden. Allerdings war es Kameras nie gelungen, das Schiff in seiner Gesamtheit aufzunehmen.

1514 Menschen fanden in den eisigen Fluten den Tod

Der Untergang der „Titanic“ ist die wohl bekannteste Katastrophe der Seefahrt. Am 10. April 1912 fuhr der als unsinkbar geltende Luxusliner auf seiner Jungfernfahrt vom britischen Southampton nach New York.

Am 15. April gegen 2.20 Uhr sank die „Titanic“, nachdem sie am 14. April um 23.40 Uhr im Nordatlantik – etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland – einen Eisberg gerammt hatte. 1514 der mehr als 2200 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben. Das Unglück zog in die Geschichtsbücher ein – und später auch in die Drehbücher Hollywoods.

1985: Robert Ballard entdeckt Überreste der „Titanic“

Am 1. September 1985 hatte der US-Ozeanograf Robert Ballard zusammen mit seinem französischen Kollegen Jean-Louis Michel das Wrack des legendären Schiffs geortet. Ein Jahr nach der Entdeckung tauchte er hinab.

„Es war ein unglaubliches Erlebnis“, schilderte er später seine damaligen Eindrücke. „Wir haben alles sorgfältig fotografiert und ein komplettes Mosaik des Schiffes erstellt.“

Sehen Sie hier: Wrack der „Titanic“ im Jahr 1986

Meeresboden von Abfall übersät

Als Ballard 2004 zur „Titanic“ zurückkehrte, erkannte er die Szenerie kaum wieder. Der Meeresboden war mit Bierdosen und anderem Abfall übersät, klagte er in einem Artikel für das „National Geographic Magazine“.

Durch das Aufsetzen von U-Booten – unter anderem mit dem „Titanic“-Regisseur James Cameron an Bord – seien einige Decks dem Einsturz nahe oder bereits eingeknickt. Bergungsunternehmen hätten „Tausende Objekte von dem Ort entfernt, der für mich heilig ist“.

Sehen Sie hier: Wrack der „Titanic“ im Jahr 2004

Bakterien zerfressen stählerne Überreste

Seitdem ist niemand mehr zum Wrack hinabgetaucht. Bis zum August 2019: Im Rahmen der „Five Deeps“-Expedition begab sich Vescovos Team zum Wrack. Doch die Forscher mussten feststellen, dass sich seit den letzten Aufnahmen viel verändert hat. Starker Seegang und bakterieller Eisenfraß machen dem Koloss zu schaffen.

Sehen Sie hier: 3D-Reise ins Innere der „Titanic“

Wrack wird instabil und fällt zusammen

Info: Wrack der „Titanic“

Wrack
Schon in 15 bis 20 Jahren könnten die Überreste komplett verschwunden sein, schätzen Wissenschaftler des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung. „Das Wrack ist von Biofilmen und Rost überzogen“, erklärt AWI-Leiterin Antje Boetius.

Bakterien
Forscher entdeckten vor einigen Jahren in den Rostflocken eine Bakterienart, die nach ihrem Fundort „Halomonas titanicae“ genannt wurde. „Eigentlich wächst dieses Bakterium gerne im Warmen bei über 30 Grad“, erklärt Antje Boetius. „Aber dort, wo das Wrack liegt, sind es vier Grad.“

Tiefsee
In der kalten Tiefsee müssten die Schiffsüberreste geschützt sein. Tatsächlich aber zersetzen die Mikroben trotz der Kälte die Schiffswände. „Sie tragen dabei nicht langsam Millimeter für Millimeter die Oberfläche ab, sondern verursachen Lochfraß“, erläutert die Meeresbiologin. „Dadurch wird das Wrack instabil und fällt irgendwann zusammen.“ Auch den Grund für die Zersetzung des Unesco-Weltkulturerbes kennen die Wissenschaftler. „Die Bakterien entziehen dem Eisen Elektronen als Energiequelle, um wachsen zu können. Sie leben also direkt vom Metall.“