Trotz kühlerer Temperaturen
: Warum gibt es aktuell immer noch so viele Fruchtfliegen?

Obwohl der Sommer vorbei ist, haben viele Menschen immer noch mit Fruchtfliegen zu kämpfen. Warum?
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Fruchtfliegen liegen in einer Mixtur

Mit Apfelessig lassen sich die Fruchtfliegen fangen.

Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpa

Der Sommer ist vorbei, doch in vielen Küchen schwirren weiterhin auffällig viele Fruchtfliegen. Das ist Ende September keineswegs ungewöhnlich. Nach Angaben des Umweltbundesamts können sich die Tiere auch im Herbst noch massenhaft vermehren, wenn die Temperaturen über etwa 20 Grad liegen und ausreichend Obst oder andere gärende Stoffe vorhanden sind.

Im Herbst gibt es besonders viel Nahrung

Ein wichtiger Grund für das derzeit große Vorkommen ist das reichhaltige Nahrungsangebot. Fruchtfliegen ernähren sich von gärenden pflanzlichen Stoffen. Dazu zählen vor allem überreifes Obst und Gemüse, Fruchtsäfte, Wein, Küchenabfälle und Kompost.

Gerade im Spätsommer und Herbst kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: In Gärten, auf Streuobstwiesen und unter Obstbäumen liegt vielerorts reifes oder bereits beschädigtes Fallobst. Äpfel, Birnen, Zwetschgen und andere Früchte beginnen mit der Zeit zu gären und bieten Fruchtfliegen damit besonders günstige Bedingungen. Dass im Herbst gleichzeitig große Mengen heimischen Obstes reif sind, verstärkt dieses Nahrungsangebot zusätzlich.

Die Tiere werden von dem Geruch überreifer und gärender Früchte angezogen. Laut Verbraucherzentrale finden sie so beispielsweise durch geöffnete Fenster und Türen ihren Weg in Wohnungen. Fruchtfliegen können aber auch bereits mit gekauftem Obst oder Früchten aus dem eigenen Garten ins Haus gelangen.

Wärme lässt die Population schnell wachsen

Dass aus einigen wenigen Fliegen innerhalb kurzer Zeit ganze Schwärme werden, liegt an ihrem schnellen Entwicklungszyklus. Besonders bei höheren Temperaturen vermehren sich Fruchtfliegen rasch. Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt an faulen Stellen oder an den Stielansätzen reifer Früchte ab. Nach Angaben der Verbraucherzentrale kann ein Weibchen innerhalb weniger Tage rund 400 Eier ablegen. Die schlüpfenden Larven sitzen damit unmittelbar an ihrer Nahrungsquelle.

Der VerbraucherService Bayern weist ebenfalls darauf hin, dass Wärme die Entwicklung deutlich beschleunigt. Deshalb können warme Spätsommertage und milde Herbstphasen dafür sorgen (wie aktuell der Fall), dass die Populationen noch längere Zeit groß bleiben.

Auch Wohnungen bieten günstige Bedingungen. Selbst wenn die Außentemperaturen sinken, bleiben Küchen häufig warm. Stehen dort Obstschalen, Biomüll oder leere Saft- und Weinflaschen offen herum, finden Fruchtfliegen weiterhin Nahrung und geeignete Plätze für die Eiablage.

Warum verschwinden die Fliegen nicht mit dem Sommer?

Fruchtfliegen sind also keineswegs ein reines Hochsommerphänomen. Das Umweltbundesamt nennt ausdrücklich Sommer und Herbst als Zeiträume, in denen gelagertes Obst, offene Getränke oder Kompostsammelgefäße zu einer Massenvermehrung führen können. Entscheidend sind weniger der Kalender als die vorhandenen Temperaturen und das Nahrungsangebot.

Hinzu kommt, dass die Obsternte im Herbst vielerorts ihren Höhepunkt erreicht. Viel reifes Obst in Wohnungen und Gärten sowie Fallobst im Freien sorgen dafür, dass die Tiere weiterhin reichlich Nahrung finden. Einige gelangen von draußen in Gebäude, andere werden bereits mit Obst eingeschleppt. Das Bundeszentrum für Ernährung nennt ausdrücklich Obst aus dem Supermarkt oder aus dem eigenen Garten als möglichen Eintragsweg.

Was hilft gegen Fruchtfliegen?

Wer die Zahl der Fruchtfliegen reduzieren möchte, sollte deshalb vor allem ihre Nahrungs- und Brutplätze beseitigen. Das Umweltbundesamt empfiehlt, Obst im Kühlschrank aufzubewahren oder abzudecken und Kompostbehälter möglichst täglich zu leeren. Bei einem stärkeren Befall sollten mögliche Brutstellen gefunden und Behälter mit heißem Wasser gereinigt werden.

Auch das Bundeszentrum für Ernährung rät dazu, Bioabfall täglich zu entsorgen, Mülleimer gründlich zu reinigen und Obst möglichst nicht offen stehen zu lassen.

Mit Apfelessig und Spülmittel lässt sich außerdem eine simple, aber wirksame Falle bauen. Füllen Sie den Apfelessig in ein Gefäß und rühren Sie ein bis zwei Tropfen Spülmittel unter. Stellen Sie das Gemisch dort auf, wo sich die Fruchtfliegen befinden und sie werden nach und nach darin ertrinken.

Im Garten kann es zudem sinnvoll sein, überreifes und faulendes Fallobst regelmäßig aufzusammeln. Denn solange draußen wie drinnen genügend gärende Früchte vorhanden sind und die Temperaturen mild bleiben, haben Fruchtfliegen auch im Herbst noch sehr gute Bedingungen.