UN-Schätzung: Weltbevölkerung wächst bis 2084 auf 10,3 Milliarden. Und was dann?

Gegenwärtig verläuft die Bevölkerungsentwicklung regional sehr unterschiedlich. Während Bevölkerungen vor allem in Afrika südlich der Sahara noch wachsen, sinken die Zahlen in vielen wohlhabenden Ländern in Europa, Nordamerika und Ostasien oder werden voraussichtlich bald schrumpfen.
Imago/ingimage- UN erwartet Spitzenwert der Weltbevölkerung 2084 bei rund 10,3 Milliarden Menschen.
- Die 10-Milliarden-Marke werde 2061 erreicht – danach sinke die Kurve langsam.
- Wachstum verlagert sich: Subsahara-Afrika wächst stark, viele reiche Länder schrumpfen.
- Deutschland zählte Ende 2025 83,5 Millionen Einwohner, die Zahl ging leicht zurück.
- Entscheidend sei Konsum und Produktion: Das reichste Zehntel verbraucht etwa die Hälfte der Ressourcen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Weltbevölkerung wächst neuen Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge noch bis zum Jahr 2084. Rund 10,3 Milliarden Menschen werden einer UN-Weltbevölkerungsprognose zufolge dann auf der Erde leben. Danach soll der Höchststand vermutlich erreicht sein. Momentan sind es rund 8,3 Milliarden. Die Erhebung, die von den Vereinten Nationen alle zwei Jahre veröffentlicht wird, deckt sich im Wesentlichen mit den Daten von 2024.
10-Milliarden-Marke wird 2061 geknackt
Das gegenwärtig noch relativ schnelle Wachstum von etwa 70 Millionen Menschen pro Jahr wird sich demnach ab dem Jahr 2050 deutlich verlangsamen. Die Zehn-Milliarden-Marke werde im Jahr 2061 geknackt, der Spitzenwert aber erst 2084 erreicht, heißt es seitens der UN. Danach falle die Kurve langsam ab.
Die Schätzungen der Vereinten Nationen basieren auf der gegenwärtigen Prognose von Geburten- und Sterberaten. Sie dürften sich in kommenden Berichten weiter verändern und könnten von großen Weltereignissen beeinflusst werden.
Deutsche Bevölkerung schrumpft
Deutschland wächst schon jetzt nicht mehr: Die Bevölkerungszahl sank zum Jahresende 2025 auf 83,5 Millionen Menschen. Das waren laut Statistischem Bundesamt 0,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Nettozuwanderung kann demnach das Geburtendefizit nicht ausgleichen.
Die mittlere Zahl der Kinder pro Frau sei in den vergangenen Jahrzehnten auch weltweit deutlich zurückgegangen: von vier Kindern Mitte der 1970er Jahre auf derzeit etwa 2,2, erklärt Frank Swiaczny vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Derzeit nehme die Weltbevölkerung trotzdem weiter zu, weil geburtenstarke Jahrgänge das Alter erreichten, in dem Frauen Kinder bekommen. Sobald die Anzahl potenzieller Mütter durch das sinkende Geburtenniveau zurückgehe, sinke mittelfristig auch die Zahl der Geburten.
Einfluss habe derzeit auch noch die weiterhin verbreitet steigende Lebenserwartung, erklärt Swiaczny. „Immer mehr Menschen erreichen heute aufgrund besserer Lebensbedingungen und medizinischer Versorgung ein höheres Alter.“

In 63 Ländern und Gebieten wie Japan, Russland und China ist die Bevölkerung nach UN-Angaben bereits geschrumpft. China könnte demnach bis zum Ende des Jahrhunderts sogar mehr als die Hälfte seiner heutigen Einwohnerzahl einbüßen.
Imago/Pond5 ImagesAfrika ist demografischer Schlüsselkontinent
Gegenwärtig verlaufe die Bevölkerungsentwicklung regional sehr unterschiedlich, so Swiaczny. Während Bevölkerungen vor allem in Afrika südlich der Sahara noch wachsen, sinken die Zahlen in vielen wohlhabenden Ländern in Europa, Nordamerika und Ostasien oder werden voraussichtlich bald schrumpfen.
Swiaczny sieht die Region südlich der Sahara als Schlüsselgebiet. „Die Zukunft der Weltbevölkerung hängt wesentlich von der Entwicklung in Subsahara-Afrika ab“, erklärte er. Dort liege das Geburtenniveau momentan bei 4,3 Kindern pro Frau. Der Wandel des Kontinents dürfte deshalb den größten Einfluss auf die Veränderung der Weltbevölkerung haben.
In 63 Ländern und Gebieten wie Japan, Russland und China ist die Bevölkerung nach UN-Angaben bereits geschrumpft. China könnte demnach bis zum Ende des Jahrhunderts sogar mehr als die Hälfte seiner heutigen Einwohnerzahl einbüßen.
Demgegenüber stünden 126 Länder vor allem in Afrika südlich der Sahara und Teilen Asiens, die wohl bis mindestens 2054 weiter wachsen werden. In einigen dieser Staaten wie der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria und Somalia werde sich die Einwohnerzahl zwischen 2024 und 2054 voraussichtlich sogar verdoppeln.

Unter optimalen Bedingungen gehen Experten davon aus, dass die Erde die prognostizierten 10,3 Milliarden Menschen ernähren kann. Unter den derzeitigen Bedingungen sei dies nicht der Fall.
Imago/DepositphotosElf Jahre für eine Milliarde
Für die erste Milliarde Individuen brauchte die Menschheit sehr lange: Vor etwa 300 000 Jahren tauchte der Homo Sapiens auf, wohl kurz nach 1800 wurde die erste Milliarde erreicht.
Seither geht es immer schneller. Von einer Weltbevölkerung von zwei Milliarden Menschen im Jahr 1928 bis zu den heutigen acht Milliarden Menschen brauchte es keine 100 Jahre.
Das Wachstum von sieben auf acht Milliarden Menschen dauerte sogar nur elf Jahre.
Welche Folgen haben die Entwicklungen?
In schrumpfenden und zugleich alternden Gesellschaften sinkt laut UN das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern massiv. Dies setzt - wie in Deutschland - Renten- und Gesundheitssysteme unter erheblichen finanziellen Druck. Investitionen in Bildung und Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung - etwa durch Automatisierung und den Einsatz Künstlicher Intelligenz - sowie eine selektive Zuwanderung könnten Swiaczny zufolge dazu beitragen, den Arbeitskräftemangel teilweise auszugleichen.
Anders sieht es in Ländern aus, deren Bevölkerung derzeit noch schnell wächst. Dort leben relativ wenige ältere Menschen und sehr viele jüngere. Erreichen diese das Erwerbsalter, eröffne sich die Chance für eine „demografische Dividende“. „Eine große Erwerbsbevölkerung bei noch niedrigen Sozialausgaben kann die Voraussetzung für höhere Investitionen und wirtschaftliches Wachstum fördern.“

Entscheidend für die Tragfähigkeit des Planeten sind nicht allein die Bevölkerungszahlen, sondern vor allem die Produktions- und Konsumbedingungen
Imago/DreamstimeWie resilient ist die Erde?
Unter optimalen Bedingungen gehen Experten davon aus, dass die Erde die prognostizierten 10,3 Milliarden Menschen ernähren kann. Unter den derzeitigen Bedingungen sei dies nicht der Fall.
Entscheidend für die Tragfähigkeit des Planeten seien nicht allein die Bevölkerungszahlen, sondern vor allem die Produktions- und Konsumbedingungen, erläutert Swiaczny. „So sind global betrachtet die Menschen mit dem zehn Prozent höchsten Wohlstand für rund die Hälfte des Ressourcenverbrauchs verantwortlich.“ Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung verbrauche weniger als zehn Prozent.
Wie viele Menschen haben jemals gelebt?
Das Population Reference Bureau (PRB) in Washington hat die Zahl aller Menschen abgeschätzt, die jemals gelebt haben. Demnach gab es seit Entstehung des modernen Menschen vor etwa 50.000 Jahren schätzungsweise 117 Milliarden Menschen auf der Erde.
Daraus ergibt sich: Die Menschen, die heute auf der Erde leben, machen einen beachtlichen Teil - gut 7 Prozent - aller Menschen aus, die jemals geboren wurden. (mit dpa-Agenturmaterial)
