Ungewollt kinderlos: Warum immer mehr Frauen weltweit mehr Frauen unfruchtbar sind

Ein Baby klammert sich an den Finger seiner Mutter: Viele Frauen möchten erst in deutlich höherem Alter als früher Kinder bekommen. Oft klappt es dann wegen altersbedingter Unfruchtbarkeit nicht mit einer Schwangerschaft.
Fabian Strauch/dpa- Studie: Weltweit suchen mehr Frauen Hilfe bei Unfruchtbarkeit, besonders 35 bis 49 Jahre.
- 2023 waren geschätzt 54 Mio. Frauen betroffen – bis 2036 könnten es 80 Mio. sein.
- Später Kinderwunsch gilt als Hauptgrund, vor allem in wohlhabenderen Ländern.
- Gründe für spätere Familienplanung: längere Ausbildung, Unsicherheit, Karriere, Reisen.
- Expertinnen empfehlen frühe Eizellvorsorge; Social Egg Freezing gewinnt an Interesse.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wir schreiben das Jahr 2027: Seit 19 Jahren ist auf der Erde kein Baby mehr geboren worden. Die Menschheit versinkt in Chaos und schreitet auf ihr definitives demografisches Ende zu. In Großbritannien herrscht einer Militärdiktatur. Doch dann überschlagen sich plötzlich die Ereignisse. Die junge schwarze Flüchtlingsfrau Kee ist – darauf hat die gesamte Menschheit verzweifelt gewartet – schwanger. Eine Gruppe von militanten Regimefeinden will sie außer Landes in Sicherheit bringen.
Dystopie vs Realität
In dieser düsteren Szenerie schwelgt der dystopische Science-Fiction-Film „Children of Men“ aus dem Jahr 2006. Das Thema des Aussterbens der Menschheit aufgrund weiblicher Unfruchtbarkeit ist ein beliebtes Sujet in dem Genre. Man erinnere sich nur an die Serie „Der Report der Magd“ (Originaltitel: „The Handmaid's Tale“) nach dem dystopischen Roman von Margaret Atwood aus dem Jahr 1985.
Die Realität ist davon - noch - weit entfernt. Und doch gibt es beunruhigende Tendenzen. So suchen einer neuen Studie zufolge immer mehr Frauen weltweit wegen Fruchtbarkeitsproblemen medizinische Unterstützung.
Im Jahr 2023 waren geschätzt rund 54 Millionen Frauen im Alter von 35 bis 49 Jahren von Unfruchtbarkeit betroffen. Bis 2036 könnten es rund 80 Millionen werden, wie ein überwiegend chinesisches Forscherteam im Fachjournal „The Lancet Obstetrics, Gynaecology, & Women’s Health“ berechnet.
Unfruchtbarkeit: Frauen zwischen35 und 49 besonders betroffen
Eine Ursache sehen die Forscher darin, dass viele Frauen erst in deutlich höherem Alter als früher Kinder bekommen möchten und es dann wegen altersbedingter Unfruchtbarkeit nicht mit einer Schwangerschaft klappt.
Vor allem wohlhabendere Länder seien betroffen, in denen Frauen im Mittel später Kinder bekommen. Weltweit hätten etwa acht bis zwölf Prozent der Paare Fruchtbarkeitsprobleme, heißt es in der Studie. Betroffen seien vor allem Frauen im Alter zwischen 35 und 49 Jahren. In dieser Gruppe hätten die Diagnosen von Unfruchtbarkeit zwischen 1990 bis 2023 weltweit deutlich zugenommen, schreibt die Gruppe: von rund 27 Millionen auf fast 54 Millionen.
Warum Frauen immer später Kinder bekommen
„Menschen bekommen Kinder in höherem Alter aufgrund längerer Studienzeiten, wirtschaftlicher Unsicherheit und Jugendarbeitslosigkeit“, erklärt Éva Beaujouan von der Universität Wien. Zudem werde in jüngeren Jahren anderen Aktivitäten wie etwa der Karriere oder Reisen Vorrang eingeräumt.
Einfluss hätten auch Faktoren wie die höhere Lebenserwartung und Veränderungen bei Werten und Einstellungen, so die Professorin für Demografie, die selbst nicht an der Studie beteiligt war.
Umkehren lasse sich der Trend vermutlich nicht, aber vielleicht stabilisieren, meint Beaujouan. Ein Staat müsse dafür ausreichend in verlässliche Kinderbetreuung und unterstützende Infrastruktur investieren, „sodass jede Person, die Kinder haben möchte, dies in dem von ihr gewünschten Alter tun kann“.
Ab einem Alter von 35 Jahren nähmen die Eizellreserve und die Qualität der Eizellen deutlich ab, konstatiert Beda Hartmann von der Sigmund Freud Privatuniversität Wien. Im Zuge dessen sinke die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft.

Auf einem Bildschirm in der Praxis Kinderwunsch Bremen in Bremen-Schwachhausen ist das Mikroskopbild einer Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) zu sehen, bei der mit einer Pipette Spermien in eine Eizelle injiziert werden.
Focke Strangmann/dpaMehr Interesse an Social Egg Freezing
Hartmann geht davon aus, dass in den nächsten Jahren das Interesse an Social Egg Freezing zunehmen wird. Darunter versteht man das vorsorgliche Einfrieren unbefruchteter Eizellen für eine Schwangerschaft zu einem späteren Zeitpunkt. „Der Erfolg einer Schwangerschaft ist maßgeblich abhängig vom Alter der Eizelle.“ Zu empfehlen sei, die Eizellen bereits mit 25 Jahren einzufrieren.
Für die Studie hatte das Team um Yuanyuan Du von der Universitätsklinik Chongqing über eine Suche in Fachliteratur und Datenbanken Angaben aus 204 Ländern und Regionen von 1990 bis 2023 ausgewertet. Wie präzise die präsentierten Werte tatsächlich seien, lasse sich nur schwer beurteilen, weil Methodik und insbesondere die Hochrechnung nicht ausreichend beschrieben seien, gab die Wiener Expertin Beaujouan einschränkend zu bedenken. (mit dpa-Agenturmaterial)
