Unsere kosmische Heimat: Die Menschheit lebt am Rand einer großen kosmischen Leere

Unsere Galaxie, die Milchstraße (Bildmitte), liegt direkt am Rande einer ungewöhnlichen leeren Zone des Universums. Die Struktur dieses Lokalen Leere (Local Void) und seine Umgebung haben Astronomen kartiert.
© R. Brent TulyDas Universum sieht, so besagt es das kosmologische Prinzip, im Großen und Ganzen überall gleich aus, egal wo sich der astronomische Beobachter gerade befindet oder in welche Richtung er blickt.
Kosmologisches Prinzip
Selbstverständlich sind die Sterne nicht völlig gleichmäßig im Kosmos verteilt. Sie sammeln sich in Galaxien, diese wiederum in Galaxien- und Supergalaxienhaufen. Aber, so die Theorie, solche Strukturen gibt es überall und sie sehen überall ähnlich aus.
Das kosmologische Prinzip ist ein wichtiger Grundpfeiler der Erforschung des Universums. Denn erst die angenommene Gleichförmigkeit macht es möglich, das Weltall als Ganzes zu beschreiben und seine Entwicklung in Computermodellen zu simulieren.
Doch es mehren sich Zweifel an der Gleichförmigkeit des Weltalls. Ein Hinweis befindet sich quasi vor unserer eigenen kosmischen Haustür – in der Milchstraße.
Milchstraße und Große Leere
Die Milchstraße liegt direkt am Rande der Großen Leere – einer unendlich weiten Zone kosmischer Leere. Sie balanciert dabei auf einer dünnen Brücke aus Materie, die sich mitten durch einen Lokalen Void (englisch: Local Void) zieht.

Das Universum ähnelt einer Art Wabenstruktur bzw. einem kosmischen Netz.
Foto: Nasa/Esa/E. Hallman (University of Colorado, BoulderWie man sich die Struktur des Universums vorstellen muss
Milchstraße liegt am Rand der Großen Leere
Die Milchstraße ist die Galaxie, in der sich unser Sonnensystem mit der Erde befindet. Entsprechend ihrer Form als flache Scheibe, die aus Hunderten von Milliarden Sternen besteht, ist die Milchstraße vom Blauen Planeten aus als bandförmige Aufhellung am Nachthimmel sichtbar, die sich über 360 Grad erstreckt.
Der Lokale Void in der Nachbarschaft der Milchstraße erstreckt sich von der Erde aus gesehen über 40 Prozent des Himmels und beginnt direkt am Rand der Lokalen Gruppe. Darunter muss man sich eine ausgedehnte leere Region des Weltraums vorstellen, die direkt an die Lokale Gruppe (Local Group) angrenzt. Das Ausmaß der Region beträgt schätzungsweise 150 bis 230 Millionen Lichtjahre. In der Lokalen Leere scheinen sich deutlich weniger Galaxien zu befinden, als kosmologisch zu erwarten wäre.

Unsere Galaxie, die Milchstraße, mit den drei bisher bekannten Schwarzen Löchern: „Gaia BH3“ (gelb),„Gaia BH1“ (rot) und „Gaia BH2“ (blau).
Foto: Esa/M. Kornmesser/Gaia/DPAC/CC BY-SA 3.0/IGOEin ganzes Netz aus leerem Raum

Der Lokale Void (schwarz) ist mit einem ganzen Netzwerk aus anderen Voids (gelb, blau, grün) verbunden. Und die Milchstraße liegt mittendrin, am Rande des schwarz eingefärbten Lokalen Voids.
Foto: © Daniel Pomarède/ University of HawaiiDiese Lokale Leere ist nicht isoliert, sondern Teil eines ganzen Netzes von kosmischen Voids. Über mehrere Zonen geringer Materiedichte ist sie mit zwei noch größeren Voids in ihrer Nachbarschaft verbunden, den Hercules- und Sculptor-Void.
Wie Astronomen um Brent Tully von der University of Hawaii herausgefunden haben, trennen kleinere Materie-Filamente den Lokalen Void von einem Tunnel, der diese beiden Voids miteinander verbindet.
Die Milchstraße und die sie umfassende Lokale Gruppe selbst sind Teil einer Materiebrücke, die sich quer durch die Lokale Leere zieht. Die Milchstraße liegt unmittelbar am Rand dieser Materiebrücke in einer Zone, die selbst relativ stark ausgedünnt ist. Das bedeutet: Die Menschheit lebt auf der Erde direkt am Rand einer großen kosmischen Leere.
