Folgen des Klimawandels: Wann die Pariser Klimaziele bei einem „Weiter so“ verfehlt werden

Die Sonne geht Anfang Juli 2025 über dem Eiffelturm und der Basilika Sacre Coeur auf dem Montmartre-Hügel auf, während in der Stadt wegen der hohen Temperaturen Alarmstufe Rot herrscht:
Thibaud Moritz/AFP/dpaDas Pariser Klimaabkommen verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, die globale anthropogene - also menschengemachte - Erwärmung unter 2 Grad Celsius zu halten und dafür Sorge zu tragen, dass sie 1,5 Grad nicht überschreitet. Oberhalb von 2 Grad besteht die Gefahr, dass der mit der Erwärmung verbundene Klimawandel nicht mehr beherrschbar wird und nicht-umkehrbare Klimaänderungen - sogenannte Kipppunkte - auftreten.
So könnten die antarktischen und grönländischen Eisschilde unaufhaltsam abschmelzen und zu einer Erhöhung des Meeresspiegels führen. Ober der Golfstrom könnte sich abschwächen und damit große Teile Europas kälter werden lassen.
Wann wird die 1,5- und 2-Grad-Schwelle überschritten?
Einer internationalen Forschergruppe um die Physiker Armin Bunde von der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und Josef Ludescher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist es nun gelungen, aus dem bisherigen Verlauf der mittleren globalen Temperatur die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, wann diese beiden Tempertaturschwellen überschritten werden, sollte die menschengemachte Erwärmung weiterhin linear ansteigen. Die Ergebnisseihrer Analyse sind jetzt in der Fachzeitschrift „Communications Earth & Environment“ veröffentlicht worden.
Die mittlere globale Temperatur ist seit der vorindustriellen Zeit stark angestiegen: In den vergangenen 55 Jahren nahezu linear. Diese Temperaturerhöhung enthält außer dem anthropogenen Anteil auch einen Beitrag, der von der natürlichen Erhaltungsneigung des Klimas herrührt.
Diese Erhaltungsneigung bewirkt, dass auf zu warme bzw. zu kalte Perioden – das können Monate, Jahre, oder auch Dekaden sein – eher wieder zu warme bzw. zu kalte Perioden folgen. Mit Hilfe statistischer Methoden gelang es den Physikern, den von dieser Erhaltungsneigung herrührenden Trend mathematisch abzuschätzen und so zu einer Einstufung der gegenwärtigen anthropogenen Erwärmung zu gelangen.
"Die Schwelle von 1,5 Grad Celsius könnte in diesem Jahr überschritten sein"
Unter der Prämisse, dass die anthropogene Erwärmung weiterhin linear ansteigt („Weiter so“), gelangten sie zu Vorhersagen über die Zeitintervalle, in denen mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit die 1,5- und die 2-Grad-Schwelle überschritten werden.
„Die Schwelle von 1,5 Grad Celsius könnte nach unserer Analyse bereits in diesem Jahr überschritten sein - und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 20 Prozent“, konstatiert Ludescher. „Mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent wird sie spätestens 2040 überschritten. Die 2-Grad-Schwelle wird mit 20 Prozent Wahrscheinlichkeit schon 2047 überschritten sein, mit 80 Prozent Wahrscheinlichkeit spätestens im Jahr 2069.“
1,5-Grad-Schwelle ist nicht mehr zu halten
„Unsere Analysen stimmen bemerkenswert gut mit den Prognosen der hochkomplexen und numerisch außerordentlich aufwändigen Erdsystemmodelle überein“, erklärt Bunde. „Da beide Verfahren methodisch völlig verschieden sind und sich ergänzen, unterstützen sich ihre Prognosen gegenseitig.“
Bunde hält es für unwahrscheinlich, dass durch geeignete weltweite Maßnahmen die anthropogene Erwärmung noch unter 1,5 Grad Celsius gehalten werden kann. „Ein Überschreiten der 2-Grad-Marke lässt sich vielleicht noch verhindern, wenn es weltweit gelingt, die Ursachen für die anthropogene Erwärmung, nämlich die Nutzung fossiler Brennstoffe und die zunehmende Landnutzung, deutlich zurückzufahren und zudem vorhandene Kohlendioxidspeicher wie Waldgebiete und Moore erheblich auszudehnen“, erklärt der Klimaforscher.
