Earth Overshoot Day
: Warum ab jetzt alle Ressourcen der Erde aufgebraucht sind

Unser Planet ist am Limit. Mag die Wirtschaft noch so sehr voranschreiten – unser Planet verfügt über eine begrenzte Ressourcenmenge. Die Menschheit scheint dies zu ignorieren und tut so, als gäbe es mehrere Erden.
Von
Markus Brauer/dpa
Stuttgart
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Dem Planeten geht angesichts der menschlichen Ressourcenverschwendung langsam die Puste aus

Imago/Dreamstime

Ab Donnerstag (24. Juli) verbraucht die Menschheit mehr Ressourcen, als die Erde in einem Jahr erneuern kann. Das berichtet die Organisation Germanwatch unter Berufung auf Berechnungen des Global Footprint Network mit Sitz in den USA und der Schweiz.

Die Menschheit lebt auf Pump

Der Erdüberlastungstag – englisch: Earth Overshoot Day– liegt damit 7 Tage früher als noch im vergangenen Jahr. Zur Erdüberlastung zählt etwa der Verbrauch an Fischen, Ackerland oder Holz aber auch die Aufnahmefähigkeit der Erde für Müll und Emissionen.

„Das zeigt: Unser aktuelles Wirtschafts- und Konsumverhalten überlastet die Erde und gefährdet unsere Zukunft – und zwar immer noch zunehmend“, teilt die Naturschutzorganisation WWF mit.

Der 24. Juli markiere den Punkt, an dem die Menschen ökologisch betrachtet auf Pump und auf Kosten künftiger Generationen leben.

Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist es der Tag, ab dem Menschen für das übrige Jahr mehr Acker- und Weideland, Fischgründe und Wald beanspruchen, als rechnerisch zur Verfügung stehen. Zugleich werde weitaus mehr CO2 ausgestoßen, als Wälder und Ozeane aufnehmen können.

Deutschland schadet der Erde mehr als die meisten Länder

Auch der BUND mahnt in einer Mitteilung anlässlich des Erdüberlastungstages. „Zum Beispiel fällen wir zu viele Bäume, produzieren zu viel Fleisch und versiegeln zu viele Flächen. Besonders Industriestaaten wie Deutschland leben deutlich über ihre Verhältnisse und zerstören auf diese Weise unsere natürlichen Lebensgrundlagen.“

Würden alle Menschen so leben wie die Menschen in Deutschland, wäre der Erdüberlastungstag dem Global Footprint Network zufolge bereits am 3. Mai gewesen. Der BUND fordert daher „rasche Maßnahmen von der Bundesregierung, um den Ressourcenverbrauch deutlich zu senken.“

 Olaf Brandt, Vorsitzender des BUND, betont: „Wir verschwenden unsere Ressourcen als gäbe es kein Morgen. Wir übernutzen unser Wasser, unsere Böden und unsere Wälder. Die katastrophalen Folgen unseres Wirtschaftens wie Starkregen, Überschwemmungen und Trockenheit zeigen sich weltweit und auch bei uns immer deutlicher.“ Das System, in dem wir leben, komme immer mehr an seine Grenzen, warnt Brandt.

Was ist der Earth Overshoot Day?

Global Footprint Network berechnet zum einen, was die Natur ohne Verluste im Jahr produzieren und absorbieren kann. Dabei geht es unter anderem um Rohstoffe, Trinkwasser und Nahrungsmittel und um menschengemachten Müll und CO2-Emissionen.

Zum anderen analysiert sie, was die Menschen mit ihrer Lebens- und Wirtschaftsweise verbrauchen. So legt sie den Erdüberlastungstag fest, an dem alle Ressourcen des Jahres aufgezehrt sind. Ein Großteil geht auf die Treibhausgas-Emissionen zurück.

Um im Einklang mit der Natur zu leben und die Treibhausgasemissionen gemäß den Empfehlungen des Weltklimarats (IPCC) zu reduzieren, müsste der Erdüberlastungstag in den kommenden sieben Jahren jedes Jahr um 19 Tage nach hinten verschoben werden, sagt die Sprecherin des Global Footprint Network. Wenn es gelingen würde, die Lebensmittelabfälle weltweit zu halbieren, würden nach Angaben von Diep schon 13 Tage gewonnen.

Der Blaue Planet ist erschöpft

Der 2003 von Umweltaktivisten in Oakland (US-Bundesstaat Kalifornien) gegründete „Think tank“ (Denkfabrik) Organisation Global Footprint Network will mit dem „Earth Overshoot Day“ damit auf die Notwendigkeit einer ökologisch nachhaltigen, globalen Entwicklung hinweisen.

Um dieses Projekt statistisch zu untermauern, berechnet die Organisation jedes Jahr den Zustand der Erde, den „ecological footprint“ (ökologischen Fußabdruck). Der ökologische Fußabdruck der Menschen müsse schrumpfen, mahnen die Aktivisten.

Stille Reserven der Erde schwinden

Lebt die Menschheit unverändert weiter wie bisher, benötigt sie bis 2030 zwei Planeten, um den Bedarf an Nahrung und nachwachsenden Rohstoffen zu decken. Bis 2050 wären es knapp drei, prognostiziert die Umwelt- und Tierschutzorganisation WWF. Zum Vergleich: 1961 benötigte die Menschheit nur zwei Drittel der zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Dass angesichts der begrenzten Ressourcen ein globales Umdenken und Umsteuern stattfinden muss, ist unbestritten. Die Frage ist, wo der Hebel zu einem ökologisch nachhaltigen Weltwirtschaftssystem ansetzen soll. Knapp 8,15 Milliarden Menschen – bis 2050 könnten es mehr als zehn Milliarden sein – mit den elementaren Dingen des Lebens zu versorgen.