Tollwut-Alarm in Kita: Wie gefährlich ist Fledermaus-Tollwut für Menschen?

Tollwütige Fledermäuse sind in Deutschland selten: Eine Fransenfledermaus (Myotis nattereri), aufgenommen in der Sielmanns Naturschlandschaft in der Döberitzer Heide.
Ingolf König/Heinz Sielmann Stiftung/dpaAuf dem Gelände einer Kita in Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt ist eine mit Tollwut infizierte Fledermaus entdeckt worden. Wie der Landkreis mitteilt, wurde das Tier positiv auf das sogenannte European Bat Lyssavirus 2 (EBLV-2) getestet.
Impfaktion unter Zeitdruck
Nach Bekanntwerden des Falls am vergangenen Freitag hatte das Gesundheitsamt die Eltern der betreuten Kinder informiert und eine vorsorgliche medizinische Behandlung empfohlen.
In Zusammenarbeit mit dem Carl-von-Basedow-Klinikum und dem Sanitätszug des Landkreises fand den Angaben zufolge am darauffolgenden Tag eine Impfaktion statt, bei der 36 Kinder geimpft wurden. Zehn Familien lehnten die Impfung ab, neun weitere Kinder wurden bereits anderweitig versorgt. Die restlichen Eltern würden derzeit erneut kontaktiert, hieß es.
Anzeichen für eine Infektion seien bisher nicht festgestellt worden. Für eine vollständige Immunisierung seien weitere Impfungen notwendig. Nach erfolgter Rücksprache mit dem Klinikum und dem Gesundheitsamt sollen alle weiteren Impfungen im Klinikum geplant und durchgeführt werden.
Unklarheiten um den Vorfall
Einigen Medienberichten zufolge soll die infizierte Fledermaus tagelang im Außenbereich der Kita sichtbar gewesen sein, bevor sie tot zu Boden fiel. Einige Kinder hätten das Tier demnach möglicherweise berührt.
Die genauen Umstände des Vorfalls werden derzeit durch die Fachaufsicht Kita im Jugendamt geprüft. Aktuell seien verschiedene Versionen des Geschehens im Umlauf. Eine abschließende Bewertung werde erst nach Abschluss der internen Prüfung erfolgen.
Tollwut bleibt tödlich, aber behandelbar
Tollwut wird durch Tierbisse auf Menschen übertragen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin kann die Inkubationszeit beim Menschen nach der Infektion zwischen einigen Tagen und mehreren Jahren liegen. Bricht die Krankheit aus, verläuft sie immer tödlich.
Eine sogenannte Postexpositionelle Impfung kann jedoch auch nach einer möglichen Ansteckung einen zuverlässigen Schutz bieten, solange noch keine Symptome aufgetreten sind.
Was verursacht Tollwut?
Tollwut (englisch: rabies) wird durch sogenannte Lyssaviren verursacht, die durch Speichel beziehungsweise über die Schleimhäute und das Blut übertragen werden.
Mit den Viren können alle Säugetiere, vor allem Hunde, Katzen, Füchse, Wölfe, Waschbären, Frettchen und Fledermäuse, aber auch Menschen infiziert werden. Die Ansteckung geschieht meist durch Bisswunden oder Kratzer.
Wie groß ist die Gefahr einer Infektion für Menschen?
Die Wahrscheinlichkeit, sich als Mensch in Deutschland mit Tollwut zu infizieren, verläuft gegen null. Bei teils illegal importierten und daher häufig nicht geimpften Hunden aus Tollwutgebieten besteht die geringe Gefahr, dass sie mit Tollwut infiziert sein können.
Ist Tollwut in Deutschland verbreitet?
In Deutschland ist die sogenannte terrestrische, also erdgebundene Tollwut bei Hunden und Wildtieren wie Füchsen und Waschbären seit 2008 ausgerottet. Einige wenige Fledermausarten sind in Deutschland allerdings Träger von Lyssaviren und können per Biss oder Kratzer Tollwut auf Menschen übertragen.
Fledermäuse leben als Flugtiere nicht auf dem Boden. Damit fällt ihre Infektion nicht unter die erdgebundene Tollwut. Ein Fledermausbiss oder -kratzer ist daher immer ein Fall für eine nachträgliche Tollwutimpfung.
Wie häufig sind tollwütige Fledermäuse?
Tollwütige Fledermäuse sind in Deutschland selten. Fledermaus-Tollwutviren unterscheiden sich dem Naturschutzbund Nabu zufolge von denen anderer Tiere. Demnach kommen bei heimischen Fledermäusen drei verschiedene Tollwutviren vor.
Laut dem für Tierkrankheiten zuständigen Friedrich-Löffler-Institut (FLI) wurden in den letzten 30 Jahren deutschlandweit bei rund 200 Tieren Fledermaus-Tollwut festgestellt. Rund 90 Prozent der Nachweise stammen laut Nabu aus der norddeutschen Tiefebene (Teile von Schleswig-Holstein, Niedersachen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg).
Die Tollwut wird von den Tieren ausschließlich über Speichel auf Hautwunden übertragen. Von Kot geht keine Gefahr aus. Solange man die Tiere nicht anfasst, werden selbst tollwütige Fledermäuse Menschen nicht angreifen.
Wie wirksam sind Impfstoffe?
Heutige Impfstoffe gelten als gut verträglich und schützen zuverlässig. Wird man gebissen, sollte die Wunde sehr gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden. Danach sollte man unverzüglich zum Arzt gehen, der eine postexpositionelle Impfung - also eine Impfung nach erfolgtem Biss - verabreicht.
