Wie kalt darf die Wohnung werden?: Ab dieser Temperatur sollten Sie heizen

Sollte man jetzt schon heizen?
Hendrik Schmidt/dpaAb welcher Temperatur ist Heizen tatsächlich sinnvoll? Das Umweltbundesamt, die Verbraucherzentrale und andere Einrichtungen geben dazu konkrete Empfehlungen.
Ab welcher Außentemperatur sollte man heizen?
Einen festen Temperaturwert, ab dem in jeder Wohnung geheizt werden muss, gibt es nicht. Entscheidend ist vor allem, wie gut das Gebäude gedämmt ist und welche Temperaturen im Inneren herrschen. Ein unsanierter Altbau verliert beispielsweise schneller Wärme als ein modernes Niedrigenergiehaus.
Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online nennt in ihrem Ratgeber zur Heizperiode 2026/2027 unterschiedliche Richtwerte für den Heizbeginn. Demnach kann es in einem unsanierten Altbau, der vor 1977 errichtet wurde, bereits bei Außentemperaturen zwischen 15 und 17 Grad Celsius sinnvoll sein, die Heizung einzuschalten.
Bei teilweise sanierten Gebäuden aus den Jahren 1977 bis 1995 liegt der Orientierungsbereich laut co2online bei 14 bis 16 Grad. Für Gebäude, die nach 1995 errichtet wurden, werden 12 bis 15 Grad angegeben. In Niedrigenergiehäusern kann Heizen dagegen erst bei 11 bis 14 Grad Außentemperatur erforderlich werden, in Passivhäusern sogar erst bei 9 bis 11 Grad.
Diese Werte sind allerdings keine verbindlichen Grenzwerte. Sie dienen lediglich zur Orientierung. Ob tatsächlich geheizt werden muss, hängt davon ab, wie stark die Räume auskühlen.
Ab welcher Raumtemperatur sollte man die Heizung einschalten?
Deutlich konkretere Empfehlungen gibt es für die Temperaturen innerhalb der Wohnung. Das Umweltbundesamt rät in seinen häufig gestellten Fragen zur Absenkung der Raumtemperatur in Herbst und Winter dazu, Wohnungen tagsüber nicht unter 19 bis 20 Grad Celsius abkühlen zu lassen. Nachts könne die Temperatur auf etwa 18 Grad abgesenkt werden.
Das Bundesamt begründet diese Empfehlung unter anderem mit dem Schimmelrisiko. Werden die Raumtemperaturen in genutzten Wohnungen während der Heizperiode auf weniger als 16 bis 18 Grad abgesenkt, könne das Risiko für Schimmelbildung zum Teil massiv steigen.
Die Verbraucherzentrale setzt in ihrem Ratgeber „Heizen und Lüften: So geht's richtig“ etwas niedrigere Mindestwerte an. Sie empfiehlt, während der Heizperiode sämtliche Wohn- und Schlafräume tagsüber auf mindestens 16 bis 18 Grad zu beheizen. Das gilt ausdrücklich auch für Räume, die nur selten genutzt werden.
Bei Gebäuden mit schlechter Bausubstanz können nach Angaben der Verbraucherzentrale allerdings höhere Temperaturen notwendig sein, um Schimmel vorzubeugen.
Für die Praxis bedeutet das: Wer sein Wohnzimmer regelmäßig nutzt, sollte sich an etwa 19 bis 20 Grad orientieren. Sinkt die Temperatur dauerhaft darunter, ist Heizen sinnvoll. In wenig genutzten Zimmern können niedrigere Temperaturen ausreichen, solange die Luftfeuchtigkeit und der bauliche Zustand berücksichtigt werden.
Welche Temperatur sollte in welchem Raum herrschen?
Nicht jeder Raum muss gleich stark beheizt werden. Die Verbraucherzentrale empfiehlt in ihrem Ratgeber „Heizung: 10 einfache Tipps zum Heizkosten sparen“ etwa 20 Grad für das Wohnzimmer, 18 Grad für das Schlafzimmer und 16 Grad für selten genutzte Räume.
Auch das Umweltbundesamt nennt in seinen Alltagstipps zum richtigen Heizen unterschiedliche Temperaturen: Im Wohnbereich seien rund 20 Grad ausreichend, sofern diese als angenehm empfunden werden. Für die Küche empfiehlt das Bundesamt 18 Grad und für das Schlafzimmer 17 Grad.
Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online gibt in ihrem Ratgeber zur Heizperiode für Wohn- und Kinderzimmer einen Bereich von 19 bis 20 Grad an. Für Schlafzimmer werden 16 bis 18 Grad, für Küchen 18 bis 20 Grad und für Badezimmer etwa 21 Grad empfohlen.
Die Empfehlungen unterscheiden sich also teilweise. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass regelmäßig genutzte Wohnräume in der Regel wärmer sein sollten als Schlafzimmer oder selten genutzte Nebenräume.
Sind 16 Grad in der Wohnung zu kalt?
Ob 16 Grad Raumtemperatur ausreichen, hängt davon ab, um welchen Raum es sich handelt und wie die Wohnung beschaffen ist.
Die Verbraucherzentrale nennt 16 Grad als unteren Orientierungswert für wenig genutzte Räume. Gleichzeitig warnt sie davor, die Temperatur darunter fallen zu lassen, weil sich Feuchtigkeit an kalten Wänden niederschlagen und Schimmel entstehen kann.
Das Umweltbundesamt beurteilt die Situation vorsichtiger. In seiner Veröffentlichung zur Absenkung der Raumtemperatur weist es darauf hin, dass das Schimmelrisiko bei Temperaturen unter 16 bis 18 Grad deutlich steigen kann. Deshalb empfiehlt es für genutzte Wohnungen tagsüber mindestens 19 bis 20 Grad.
Eine weitere Perspektive liefert die Weltgesundheitsorganisation WHO. In ihren 2018 veröffentlichten „Housing and Health Guidelines“ betrachtet sie 18 Grad als einen allgemein geeigneten Mindestwert für Innenräume während der kalten Jahreszeit, um gesundheitliche Risiken durch Kälte zu begrenzen. Für besonders empfindliche Menschen, beispielsweise ältere Personen, Kinder oder Menschen mit chronischen Erkrankungen, können höhere Temperaturen erforderlich sein.
Die 16-Grad-Grenze ist deshalb weder eine allgemeingültige Wohlfühltemperatur noch eine Garantie gegen Schimmel. Sie stellt vielmehr einen unteren Richtwert dar, der nicht für jedes Gebäude und jede Nutzung gleichermaßen geeignet ist.
Warum steigt bei niedrigen Temperaturen die Schimmelgefahr?
Schimmel entsteht insbesondere dort, wo über längere Zeit ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist. Niedrige Raumtemperaturen können das Problem verschärfen.
Die Verbraucherzentrale erklärt in ihrem Ratgeber „Heizen und Lüften: So geht's richtig“, dass das Schimmelrisiko mit steigender Luftfeuchtigkeit und sinkender Raumtemperatur zunimmt.
Der Grund liegt unter anderem darin, dass warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann als kalte. Kühlt feuchte Raumluft an einer kalten Außenwand ab, steigt dort die relative Luftfeuchtigkeit. Unter ungünstigen Bedingungen kann sich Kondenswasser bilden. Für Schimmelwachstum ist sichtbares Kondenswasser allerdings nicht zwingend erforderlich.
Besonders problematisch sind schlecht gedämmte Außenwände, Raumecken und sogenannte Wärmebrücken. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist bei älteren Gebäuden mit schlecht gedämmten Außenwänden das Risiko für Feuchtigkeit an kalten Oberflächen deutlich höher als bei gut gedämmten oder energetisch sanierten Gebäuden.
Deshalb kann eine Raumtemperatur, die in einer gut gedämmten Wohnung unproblematisch ist, in einem unsanierten Altbau bereits mit einem erhöhten Schimmelrisiko verbunden sein.
Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Wohnung ideal?
Neben der Temperatur spielt die relative Luftfeuchtigkeit eine entscheidende Rolle. Die Verbraucherzentrale nennt in ihrem Ratgeber „Richtiges Heizen und Lüften – die beste Strategie gegen Schimmel“ eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent als Orientierungsbereich für ein gesundes Wohnklima.
Allerdings hängt die tatsächlich unproblematische Luftfeuchtigkeit auch von der Dämmung des Gebäudes und der Außentemperatur ab.
Die Verbraucherzentrale weist in ihrem Ratgeber „Heizen und Lüften: So geht's richtig“ darauf hin, dass in gut gedämmten Gebäuden zeitweise rund 60 Prozent Luftfeuchtigkeit unproblematisch sein können. In schlecht gedämmten Gebäuden könnten dagegen an kalten Tagen bereits 40 Prozent Luftfeuchtigkeit an Wärmebrücken und in Raumecken zu viel sein.
Liegt die relative Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum bei mehr als 50 Prozent, empfiehlt die Verbraucherzentrale, zu lüften. Spätestens wenn sich Fensterscheiben von innen beschlagen, sollte die Feuchtigkeit abgeführt werden.
Zur Kontrolle empfiehlt die Verbraucherzentrale ein Thermo-Hygrometer. Solche Geräte messen gleichzeitig die Raumtemperatur und die relative Luftfeuchtigkeit.
Wie sollte man heizen und lüften, um Schimmel zu vermeiden?
Regelmäßiges Lüften ist nach Angaben der Verbraucherzentrale eine der wichtigsten Maßnahmen gegen Schimmel. In ihrem Ratgeber „Heizen und Lüften: So geht's richtig“ empfiehlt sie aus hygienischen Gründen, die Raumluft mindestens drei- bis viermal täglich vollständig auszutauschen.
Dafür sollten die Fenster weit geöffnet werden. Während der kalten Wintermonate reichen bei niedrigen Außentemperaturen oder Wind häufig drei bis fünf Minuten aus. Im Frühjahr und Herbst kann ein vollständiger Luftaustausch dagegen zehn bis zwanzig Minuten dauern.
Besonders wichtig ist das Lüften nach Tätigkeiten, bei denen viel Feuchtigkeit entsteht. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, nach dem Duschen, Baden und Kochen die feuchte Luft unmittelbar nach draußen zu lassen. Auch Schlafzimmer sollten direkt nach dem Aufstehen gut gelüftet werden.
Gleichzeitig sollten Räume während der Heizperiode nicht vollständig auskühlen. Nach dem Lüften müssen die Fenster wieder geschlossen werden, damit sich die Räume und die Wandoberflächen erwärmen können.
Auch große Temperaturunterschiede innerhalb einer Wohnung können problematisch sein. Die Verbraucherzentrale warnt, dass Unterschiede von mehr als fünf Grad zwischen einzelnen Räumen die Schimmelbildung begünstigen können. Das gilt besonders, wenn warme, feuchte Luft aus einem beheizten Zimmer in einen deutlich kühleren Raum gelangt.
Deshalb empfiehlt die Verbraucherzentrale, Türen zwischen unterschiedlich stark beheizten Räumen geschlossen zu halten.
Darüber hinaus sollten Heizkörper nicht durch Möbel oder Vorhänge verdeckt werden. Möbel sollten möglichst nicht unmittelbar an kalten Außenwänden stehen, damit warme Raumluft auch diese Oberflächen erreichen kann.
Wichtig ist allerdings: Nicht jeder Schimmelschaden lässt sich durch richtiges Heizen und Lüften verhindern. Die Verbraucherzentrale weist in ihrem Ratgeber „Schimmel in der Wohnung: Das können Sie tun“ darauf hin, dass beispielsweise bauliche Mängel oder Feuchteschäden zunächst erkannt und fachgerecht behoben werden müssen, um Schimmel dauerhaft zu vermeiden.
Sollte man die Heizung nachts ausschalten?
Um Heizenergie einzusparen, kann es sinnvoll sein, die Raumtemperatur nachts abzusenken. Die Heizung vollständig auszuschalten, ist dagegen nicht in jeder Wohnung empfehlenswert.
Das Umweltbundesamt nennt in seinen häufig gestellten Fragen zur Temperaturabsenkung etwa 18 Grad als geeigneten Wert für die Nacht. Eine stärkere Absenkung könne das Schimmelrisiko erhöhen.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt ebenfalls, die Raumtemperatur nachts oder bei Abwesenheit zu reduzieren, warnt jedoch davor, die Räume auf weniger als 16 Grad auskühlen zu lassen.
Wie stark eine Nachtabsenkung sinnvoll ist, hängt auch vom Gebäude und der Heizungsanlage ab. In einem schlecht gedämmten Altbau kühlen Räume schneller aus als in einem modernen, gut gedämmten Gebäude.
