Zeitreise in die Römerzeit: 2000 Jahre alte Münzen aus der Römischen Republik in Halle entdeckt

Eine Numismatikerin (Münzforscherin) untersucht eine über 2000 Jahre alte Silbermünze mit dem Abbild des heimkehrenden Odysseus mit Wanderstab, der von seinem Hund Argos begrüßt wird, im Landesmuseum für Vorgeschichte. Bei einem außergewöhnlichen Hortfund wurden erstmals in Sachsen-Anhalt fünf dieser Silberdenare der Römischen Republik entdeckt. Unter der Lupe sieht man: Die uralte Silbermünze zeigt einen Mann und einen Hund..
Jan Woitas/dpa- In Halle wurden fünf Silberdenare der Römischen Republik entdeckt – ein seltener Hortfund.
- Die Münzen stammen aus 148 v. Chr. sowie aus den Jahren 82 bis 79 v. Chr. und zeigen Abnutzung.
- Drei Stücke sind Serrati, zwei tragen Graffiti; sie lagen einst eng beieinander im Boden.
- Archäologen vermuten einen Teil eines größeren Schatzes, ursprünglich in Börse oder Behältnis.
- Im heutigen Sachsen-Anhalt zirkulierten Denare wohl als Silberobjekte und nicht als Zahlungsmittel.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Erstmals ist ein Hortfund von über 2000 Jahre alten Silberdenaren der Römischen Republik aus der Antike in Sachsen-Anhalt entdeckt worden. Es handelt sich um fünf Münzen.
Entdeckt wurde der Schatz vom ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Dirk Braungardt bereits im vergangenen Jahr in Halle. „Es handelt sich nicht um zufällig verlorene Einzelmünzen, sondern um die Reste eines kleinen Münzhortes“, sagt die Numismatikerin Anika Tauschensky vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Halle. Ein Hortfund bezeichnet Gegenstände, die absichtlich vergraben oder versteckt wurden.
Silberdenare waren lange im Umlauf
Zu dem Fund gehören ein Denar aus dem Jahr 148 vor Christus sowie vier weitere Silbermünzen, die zwischen 82 und 79 vor Christus geprägt wurden. „Die Münzen zeigen deutliche Gebrauchsspuren und waren offenbar lange im Umlauf. Auffällig ist, dass vier der fünf Stücke innerhalb weniger Jahre geprägt wurden“, erklärt die Numismatikerin.
Drei Münzen gehören zudem zu den Serrati - Denaren mit gezähntem Rand, von denen zwei zusätzlich Graffiti tragen. Republikanische Denare blieben im Römischen Reich noch bis zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. als Zahlungsmittel gebräuchlich.

Numismatikerin Anika Tauschensky untersucht eine über 2000 Jahre alte Silbermünze mit dem Abbild der Gottheit Roma im Landesmuseum für Vorgeschichte.
Jan Woitas/dpaMünzen waren vermutlich Teil eines größeren Schatzes
Die Münzen lagen ehemals auf eng begrenztem Raum. Dass sie heute verstreut im Boden gefunden wurden, führen Archäologen auf spätere Einflüsse wie Pflügen, Erosion oder Tieraktivitäten zurück. Ursprünglich könnten sie sich in einer kleinen Börse oder einem ähnlichen Behältnis befunden haben, der verloren ging oder bewusst im Boden deponiert wurde.
„Möglicherweise waren die Münzen ein Teil eines ursprünglich größeren Denarhortes“, berichtet Tauschensky. „Das Fehlen kaiserzeitlicher Münzen könnte darauf hindeuten, dass der Schatz um die Zeitenwende oder kurz danach in die Region kam. Wären die Münzen erst deutlich später in das hallesche Gebiet gelangt, würde man theoretisch auch kaiserzeitliche Münzen darunter erwarten“.

Zu dem Fund gehören ein Denar aus dem Jahr 148 vor Christus sowie vier weitere Silbermünzen, die zwischen 82 und 79 vor Christus geprägt wurden.
Jan Woitas/dpaWertvolle Objekte und kein Zahlungsmittel
Da es im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts keine römische Geldwirtschaft gab, dürften die Denare nicht als Zahlungsmittel, sondern als wertvolle Silberobjekte zirkuliert haben. Als mögliche Wege ihrer Verbreitung nennen die Archäologen Fernhandel, militärische Kontakte, diplomatische Geschenke oder Weitergaben innerhalb germanischer Netzwerke.
„Der Fund besitzt für Sachsen-Anhalt besondere Bedeutung, weil es der erste sicher belegte kleine Hort republikanischer Denare im Land ist“, konstatiert Tauschensky. „Bislang sind aus dem heutigen Landesgebiet lediglich 19 republikanische Denare bekannt. Fast alle wurden als Einzelfunde geborgen.“
Zwar existieren vier weitere Münzen aus Großleinungen, deren ursprüngliche Fundsituation lässt sich jedoch nicht mehr nachvollziehen, da sie bereits 1897 angekauft wurden.
Siberdenare belegen weitreichende Kontakte
Während aus Thüringen und Niedersachsen deutlich mehr republikanische Denare bekannt sind, nimmt ihre Zahl nach Nordosten stark ab. Abgesehen von zwei größeren Hortfunden in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gelten solche Silbermünzen im nordostdeutschen Raum als selten. Dennoch belegt ihr Auftreten weitreichende Austausch- und Kontaktnetzwerke zwischen dem Römischen Reich und den Gesellschaften jenseits seiner Grenzen.
„Der Fund erweitert den Kenntnisstand zur Verbreitung republikanischer Silbermünzen in Mitteldeutschland und liefert neue Hinweise auf die Beziehungen zwischen dem Römischen Reich und den Gesellschaften im sogenannten Barbaricum“, sagt Tauschensky. (Text: dpa)
