Zinsangst statt Krisenschutz: Warum fällt der Goldpreis? - Der Hintergrund

Goldpreis fällt unter die wichtige 4.000-Dollar-Marke. Was dahinter steckt.
Frank Rumpenhorst/dpaDer Goldpreis steht derzeit deutlich unter Druck. Zuletzt fiel er auf rund 3.970 US-Dollar je Feinunze und damit auf ein Siebenmonatstiefs. Ausschlaggebend ist auch diesmal vor allem ein Faktor: die veränderte Erwartung an die Geldpolitik der US-Notenbank.
Geopolitik schürt Inflationssorgen
Die aktuelle Schwäche des Goldpreises hängt eng mit der Kombination aus geopolitischen Spannungen und steigenden Inflationssorgen zusammen. Zwar gilt Gold in unsicheren Zeiten eigentlich als sicherer Hafen, doch die angespannte Lage zwischen den USA und dem Iran stützt das Edelmetall derzeit kaum. Stattdessen treiben die Spannungen rund um den Nahen Osten und die Straße von Hormus die Ölpreise nach oben und nähren damit die Sorge, dass Energie erneut zum Inflationstreiber wird.
Mögliche straffere Geldpolitik belastet Gold
Die höheren Inflationsrisiken verringern wiederum den Spielraum der US-Notenbank für Zinssenkungen und verstärken stattdessen die Erwartung einer strafferen Geldpolitik. Laut CME FedWatch-Tool liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September bereits bei 67 Prozent. Für Gold ist das negativ, weil steigende Zinsen und höhere Renditen von US-Staatsanleihen verzinsliche Anlagen attraktiver machen, während Gold selbst keine laufenden Erträge abwirft. Gleichzeitig stärkt ein höheres Zinsniveau den US-Dollar, was den Druck auf den Goldpreis zusätzlich erhöht.
Arbeitsmarktdaten als nächster Auslöser
Im Fokus der Anleger stehen nun die US-Arbeitsmarktdaten. Zunächst wird der ADP-Beschäftigungsbericht für Juni erwartet. Analysten rechnen dabei mit 113.000 neu geschaffenen Stellen nach 122.000 im Vormonat. Danach folgen die offiziellen US-Jobdaten.
Diese Zahlen sind deshalb so wichtig, weil sie ebenfalls Hinweise auf den künftigen Zinspfad der Fed geben. Fallen die Daten stark aus, könnten die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen zunehmen. Das würde den Goldpreis zusätzlich belasten.
Auch charttechnisch bleibt die Lage fragil
Auch aus technischer Sicht ist das Bild angeschlagen. Gold notiert unter seinen wichtigsten gleitenden Durchschnitten, der übergeordnete Abwärtstrend gilt als intakt. Auf Monatssicht hat das Edelmetall mehr als zehn Prozent verloren. Seit dem Rekordhoch Ende Januar summiert sich der Rückgang laut den vorliegenden Angaben sogar auf fast ein Viertel des Wertes.
Besonders wichtig ist derzeit die Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze. Sie gilt als kritische Unterstützung. Solange Gold die Zone um 4.100 US-Dollar nicht nachhaltig zurückerobert, bleibt das Risiko eines stärkeren Ausverkaufs bestehen.
Langfristig bleibt Gold dennoch im Fokus
Trotz der aktuellen Schwäche sehen nicht alle Marktbeobachter das Ende der Gold-Story. Goldman Sachs hat zwar sein Jahresendziel für 2026 von 5.400 auf 4.900 US-Dollar je Unze gesenkt, hält aber grundsätzlich an weiterem Potenzial fest.
Ein wesentlicher Grund dafür ist die anhaltende Nachfrage der Zentralbanken. Vor allem Schwellenländer bauen ihre Goldreserven weiter aus. Der World Gold Council berichtet, dass 89 Prozent der befragten Reservemanager von steigenden globalen Zentralbankbeständen ausgehen und 45 Prozent ihre eigenen Reserven erhöhen wollen.
Fazit
Der Goldpreis fällt derzeit vor allem wegen der Aussicht auf höhere US-Zinsen, eines stärkeren Dollars und steigender Anleiherenditen. Geopolitische Spannungen können diesen Belastungsfaktoren momentan kaum etwas entgegensetzen. Kurzfristig hängt viel von den US-Arbeitsmarktdaten und der weiteren Fed-Erwartung ab. Langfristig könnte die starke Nachfrage der Zentralbanken dem Goldmarkt aber weiterhin Stabilität geben.
