Auftakt zum Christopher Street Day Homosexuellen fehlt ein Stück Geschichte
StZ, 24.07.2011 17:03 Uhr
Galagast: Robert Kreis interpretiert Lieder aus den zwanziger Jahren. Foto: Stoppel
Galagast: Robert Kreis interpretiert Lieder aus den zwanziger Jahren. Foto: Stoppel
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Stuttgart - Das Haus der Geschichte will in einer Dauerausstellung der homosexuellen Opfer des Naziregimes gedenken. Auch solche ernsten Neuigkeiten sind bei der Gala zum Christopher Street Day (CSD) am Samstagabend in der voll besetzten Carl-Benz-Arena ein Thema gewesen. Veranstalter und CSD-Vorstand Christoph Michl erinnerte so nach dem Auftritt von Entertainer Robert Kreis und dessen Liedern aus den freizügigen "wilden Zwanzigern" an die darauf folgende Ermordung von Homosexuellen in den Konzentrationslagern der Nazis. Auch nach 1945 war der entsprechende Paragraf 175 im Strafgesetzbuch weiter gültig: Homosexualität zwischen Männern wurde mit Gefängnis bestraft. Erst 1994 wurde er gestrichen. "Deshalb konnte keiner zugeben, dass er deshalb im KZ war. Uns fehlt hier ein ganzes Stück Geschichte", sagte Michl in seiner traditionell zum Galaprogramm gehörenden politischen Ansprache.

Michl, der das Mikrofon vom ausdauernd schlüpfrig moderierenden Fräulein Wommy Wonder übernommen hatte, ging auch auf das diesjährige Motto des CSD "Generation Zukunft" ein: "Nur zusammen mit den Kids ist es zuschaffen, dass die Diskriminierung am Arbeitsplatz, beim Sport und in der Familie aufhört."

"Nicht über, sondern mit Homos lachen"

Um Toleranz warb auch der Schirmherr des CSD2011, Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU), in seiner Videobotschaft und wünschte den 1000 Galagästen "einen Abend, der auch zum Nachdenken anregt über eine Stadt, die einen großen Spannungsbogen hat".

Beim Showprogramm reichte dieser von der atemberaubenden Akrobatik des Spaniers David Pereira bis zum Kabarett. Der zierliche Artist, der scheinbar weder Knochen noch Sehnen besitzt, berauschte sein Publikum mit einem extravaganten Auftritt: Zusammengekauert in einem Einkaufswagen, entfaltet er die Kunst der Kontorsion, was so viel bedeutet wie Drehung. "Der kann sich an Stellen dehnen, die gibt es bei mir gar nicht", gab das stattliche Moderationsfräulein bekannt. Fast etwas erstaunt war das Publikum bei der Eröffnung des größten schwul-lesbischen Festivals über das Outing des Schweizer Duos Edle Schnittchen als Heteros. Die beiden Komödiantinnen hielten damit allerdings bis zum Schluss hinterm Berg, denn ihre stimmgewaltigen Lieder mit stets unerwartet bissigen Pointen sind sozusagen allgemeingültig. Dennoch versöhnte das Potpourri über ihre Leidenschaft für Männer, samt Grönemeyer-Parodie - "Wann ist ein Mann ein Mann?" - die Galagäste und brachte den beiden tosenden Applaus. Chris Kolonko, der attraktive Travestiekünstler mit seiner Paraderolle als Marlene Dietrich, konkurrierte nach der Pause mit Wommy Wonder um die Länge der Beine. Auf dieses Gleis begeben sich die Homoristen erst gar nicht. Das Kabarettduo aus Frankfurt verfolgt in seiner Show das Motto "Nicht über, sondern mit Homos lachen".

Gelacht und geschäkert wurde auf der After-Show-Party bis spät in die Nacht noch viel, zum Beispiel bei der Aktion "Fotos für Facebook" und bei der Riesentombola zu Gunsten des CSD.

Kommentare (9)
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JUL
25
Th. Walter, 12:39 Uhr

Oooch, Herr Grau...

solange es "Menschen" wie Sie gibt, ist die politische Seite des CSD-Programms sicherlich wichtiger als das fröhliche Feiern drumherum! ICH freu mich auf beides. Zwar weiß ich nicht, ob Sie ein "Pius-Bruder" sind (das sind die, die jährlich zur CSD-Politparade "mahnend" am Marienplatz gegen die "Sodomisierung" der Welt antreten), aber wes Geistes Kind Sie sind, wissen ja eifrige Kommentar-Leser schon seit Jahren. Zum Glück funktioniert unsere Demokratie inzwischen gut genug, um auch solche Extrem-Meinungen straffrei zu dulden. Seien Sie froh drum!

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JUL
25
Reinhold Grau., 11:43 Uhr

CSD

Meine klar ablehnende Bewertung des von Ihnen vertretenen Anliegens, verehrter Herr Michl, ändert sich mit und ohne CSD nicht - da ich diese nicht von den Versuchen ihrer Darstellung abhängig mache. Homosexualität noch mit den Aussagen der Bibel in Einklang bringen zu wollen, vereehrte Frau Pfuderer, ist aus meiner Sicht völlig abzulehnen. Die dort gemachten Aussagen geben keinen Spielraum für diese Art des Verhaltens. Unabhängig von meiner klaren Stellung respektiere ich Ihr Anliegen, denn in einem freien Land muss es möglich sein, seine Interessen darzustellen und zu verteidigen. Deshalb wünsche ich Ihnen einen guten Verlauf der Veranstaltung in unserer Landeshauptstadt. Reinhold Grau.

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JUL
25
Malpeigne, 11:26 Uhr

@ Grau - § 175

Herr Grau, falls Sie es noch nicht bemerkt haben, wir leben im 21sten Jahrhundert und nicht mehr im Mittelalter. Ich dachte eigentlich, dass Typen wie Sie längst ausgestorben sind und der Vergangenheit angehören. Aber man wird immer wieder eines Besseren belehrt. Typen wie Sie sind ein Grund mehr zum CSD zu gehen und für sein SCHWULSEIN einzustehen. Ich habe damit auf keinen Fall ein Problem und Leute wie Sie, werden mich nicht davon abhalten öffentlich schwul zu leben. Aber für Sie, lieber Herr Grau, ist das wohl ein grosses Problem.

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