Stuttgarter des Jahres Ein sozial engagierter Lehrer als Vorbild

Von Sabine Schwieder 

Dominik Braun organisiert eine Hausaufgabenhilfe für Flüchtlingskinder. Der 40-Jährige hat im Flüchtlingsheim am Lautlinger Weg ein System entwickelt, von dem seine Schüler und die jungen Flüchtlinge profitieren.

Der Verbindungslehrer Dominik Braun (Bildmitte, mit Schal) wurde von seinen Schülern mit der Nominierung zum „Stuttgarter des Jahres“ überrascht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Der Verbindungslehrer Dominik Braun (Bildmitte, mit Schal) wurde von seinen Schülern mit der Nominierung zum „Stuttgarter des Jahres“ überrascht.Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Eigentlich, so findet Dominik Braun, gebührt der Ehrenpreis „Stuttgarter des Jahres“ vielmehr den Schülerinnen und Schülern, die in die Flüchtlingsunterkunft am Lautlinger Weg gehen und den Kindern dort beim Deutschlernen und bei den Hausaufgaben helfen. Sie machen die ehrenamtliche Arbeit. Doch ohne ihn, den Verbindungslehrer am Königin-Charlotte-Gymnasium, gebe es die Hausaufgabenhilfe vielleicht nicht. Und so wurde er zum „Stuttgarter des Jahres“ nominiert und bekam von der Jury den Preis zugesprochen, mit dem die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Versicherungsgruppe Menschen auszeichnen, die ehrenamtlich Herausragendes leisten.

Bei Dominik Braun verschmelzen Ehrenamt und Beruf geradezu vorbildlich. Der 40-Jährige, geboren und aufgewachsen in Ruit (Ostfildern) in einer Pädagogenfamilie, hat in Stuttgart Politikwissenschaft und Germanistik studiert. Die Erkenntnis, dass er ein guter Lehrer sein könnte, kam bei ihm erst spät. Er wäre vielleicht auch Rockmusiker geworden; doch schon beim Referendariat – erst am Fanny-Leicht-Gymnasium in Vaihingen, dann am Königin-Charlotte-Gymnasium in Möhringen – packte ihn der Berufseifer. „Ich habe gemerkt, es gibt nicht die Schüler, jeder ist anders. Und sie sind interessiert, hören einem zu und sind aufgeschlossen“, schwärmt er.

Seine Erfahrungen mit den Flüchtlingen haben ihn geprägt

Nach der Ausbildung gab es jedoch erst einmal ein Sabbatjahr: Dominik Braun ging auf Weltreise. Eine Erfahrung, die ihn auch für sein Engagement für Flüchtlinge geprägt hat. Seine erste große Bewährungsprobe am KCG war das Projekt „Schule als Staat“, bei dem er gemeinsam mit den Schülern den Staat „Queensland“ ausrief – und dabei die Jugendlichen von einer ganz anderen Seite kennenlernte. Deshalb arbeitet er gerne als Verbindungslehrer mit der SMV (Schülermitverantwortung) zusammen und organisiert Discos oder Sportturniere. Dabei setzt er sich als Leiter der Technik AG auch dafür ein, dass alle Veranstaltungen reibungslos klappen.

Der Deutsch- und Gemeinschaftskundelehrer ist gemeinsam mit Kollegen für das bundesweite Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zuständig, an dem sich das KCG seit 2011 beteiligt. Als Anfang 2015 am Lautlinger Weg eine Flüchtlingsunterkunft für etwa 300 Bewohner eingerichtet wurde, fragte Dominik Braun in seiner Klasse nach Interessenten für eine Hausaufgabenhilfe. „Man kann ja viel diskutieren, aber hier war der Moment gekommen, etwas praktisch zu tun“, sagt er. Das Thema Flüchtlinge ist ihm seit jeher eine Herzensangelegenheit, und so ist er sehr stolz auf das Ergebnis eines Sponsorenlaufs, zu dem die Schule im Sommer aufrief. Dabei kamen fast 10 000 Euro für das Heim am Lautlinger Weg zusammen.

Bei den Jugendlichen stieß das Projekt Hausaufgabenhilfe auf großes Interesse, und nachdem die Eltern ihr Einverständnis erklärt hatten, machte sich Dominik Braun an die Erstellung eines Dienstplanes. Die beteiligten Jugendlichen – von anfangs 40 Schülern sind im zweiten Jahr immer noch etwa 30 dabei – gehen mehrmals in der Woche in die Unterkunft, wo sie die Kinder mit Hilfe von Mitgliedern des Freundeskreises Flüchtlinge in Einzelbetreuung unterstützen. „Hier werden vor allem die Jüngeren betreut. Diese Kinder können ja kein Deutsch, manche müssen erst unser Alphabet lernen“, erklärt Dominik Braun.

So manches Vorurteil musste erst abgebaut werden

Die zwölf- bis 17-jährigen Flüchtlingskinder werden dagegen in der benachbarten Riedseeschule in sogenannten Vorbereitungsklassen unterrichtet. Auch dort helfen die Schülerinnen und Schüler bei den Aufgaben. Bei den Kleinen beginnt das eben mit einem ersten Memory-Spiel oder mit Uno; bei den Großen sind schon viele Freundschaften entstanden.

„Es war ein magischer Moment, als wir zum ersten Mal in die Unterkunft kamen“, erinnert sich Dominik Braun. So manche Skepsis, so manches Vorurteil musste erst abgebaut werden. Eine Besonderheit ist, dass die kleinen Kinder buchstäblich in den Zimmern bei ihren Eltern abgeholt werden müssen. Auch das sei eine neue Erfahrung für die Jugendlichen: anklopfen und mit Menschen reden, die ihre Sprache nicht sprechen. „Die meisten sind an dieser Aufgabe sehr gewachsen“, findet Dominik Braun. Er hält es keineswegs für selbstverständlich, wenn Schüler an Freitagen oder Samstagen solche Aufgaben übernehmen, ohne dafür Geld zu erhoffen.

Ihm ist es wichtig, dass die Organisatoren dabei keine Auswahl treffen: „Wer Hilfe braucht, dem hilft man, egal, aus welchem Land er kommt.“ Politische Fragen – wie die nach der Asylberechtigung oder nach Fluchtursachen – werden im Gemeinschaftskunde-Unterricht besprochen, in der Hausaufgabenhilfe haben sie nichts verloren. „Hier zählt der Mensch, alles andere bleibt außen vor.“

Die Pauschalierung, mit der manche erwachsene Menschen den Flüchtlingen begegnen, beunruhigt den Pädagogen, der findet, dass seine Schüler differenzierter denken sollten – und es auch tun. Der beste Beweis dafür ist die Nominierung zum „Stuttgarter des Jahres“: Sabine Duvernoy, die Elternsprecherin der Klasse 10 a, hat Dominik Braun im Namen der gesamten Klasse für den Preis vorgeschlagen.

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21 Kommentare Kommentar schreiben

Der Hass auf Flüchtlinge ist mit Deutschlands Würde nicht zu vereinbaren. : Und wer sich darüber mokiert, dass selbst Kindern von Flüchtlingen geholfen wird, sollte schnellstens seine deutsche Staatsangehörigkeit zurück geben und nach Nordkorea auswandern. Manchen hiesigen Menschenverächtern ist dies sehr zu empfehlen. Leuten, die geradezu gerne in die Barbarei zurück kehren möchten. So was gab's hierzulande schon mal, denn in Adolfs Deutschem Reich wurden Kinder, die den Nazis nicht in ihre Idiotologie passten, vorsätzlich vernichtet.

Toll, was dieser Lehrer leistet. : Denn das Hinführen von Schülern zum "Ehrenamt" an Flüchtlingskindern ist keine leichte Aufgabe. Es braucht Durchhaltevermögen, aber es ist immer der Mühe wert, so groß manche Herausforderung auch sein wird. Aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass damit für so gut wie alle Beteiligten eine "win-win"-Situation entsteht, die für das soziale Leben von großem Einfluss bleibt. Unser aller D a n k sollte an Herrn Braun und seine gut motivierten SprachhelferInnen gehen. Weiterhin viel, viel Erfolg!

Blödsinn: Selten so einen Blödsinn gelesen. Leute die von unseren Steuern bezahlt werden dürfen kein Ehrenamt leisten da diese Menschen ja eh nur für uns da sind und uns zu dienen haben. Es gibt schon verquere Weltbilder ...

Sagen Sie doch ehrlich, dass Ihnen das nicht gefällt. : Und dann bitte kein Geschwurbel über's Ehrenamt, von dem Sie anscheinend keine blasse Ahnung haben. Die Schüler leisten dabei mehr als so mancher dieser trübsinnigen Spießbürger, die vor lauter Angst nicht mal mehr zur eigenen Haustür finden.

Kommentar: Mein Post war eine Antwort auf den Kommentar von Giovanni Costanza - wurde aber falsch einsortiert oder ich habe ihn falsch losgeschickt. Ich habe absolute Hochachtung vor dem Lehrer und seinen Schüler/innen. Wenn sich davon jeder und jede nur 10% abschneiden würde hätte wir mal wieder ein menschliches Umfeld.

liebe: empörte Kommentatoren: staatliche Schulen leben von den Steuergeldern die die Bevölkerung inkl. Unternehmen erwirtschaftet, ebenso die Politiker, die Finanzämter und so weiter und so fort. Der Herr Lehrer ist Beamter einer dieser staatlichen - mit unserem Steuergeld finanzierten - Schulen. Wenn Sie noch mehr Fakten benötigen um das zu verstehen, dann helfe ich sehr gerne, einfach melden

gehe mal davon aus,: dass Sie in solch einer Schule ( staatlich ) lesen, rechnen etc. gelernt haben. Von Steuergeldern der Gemeinschaft finanziert! Wenn dann erwähnt wird O-Ton: "auch so jemand der von unseren Steuern lebt", und nicht den Unterschied zwischen Ehrenamt und Hauptberuf erkennt, kann angenommen werden, dass die Steuergelder verschwendet wurde......

dem Kommentar: nach zu urteilen, sind wohl bei einigen in der Bevölkerung "unsere" Steuergelder in der Tat Verschwendung gewesen......

ist ja schrecklich: lehrer leben von unseren steuern? ha so ebbes, wer häb au dees denkt. jetzt bekommt der typ geld von unseren steuern und glaubt er müsse ohne noch mehr geld zu bekommenb sich auch noch um flüchtlnge kümmern. geht doch gar nicht. der soll sich ein beispiel an unserem giovanni hier nehmen. keinen finger krümmt der ohne geld. schon gar nicht für fremde. wo kämen wir denn da hin.

Steuergelder: Sofern für Ihre Bildung Steuergelder ausgegeben wurden oder Ihre Eltern Kosten hatten waren die komplett verschwendet - für das Geld hätte man viel Gutes erreichen können.

Im Regelfall: handelt es sich laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bei den bei uns eingereisten Menschen um Migranten - nicht um Flüchtlinge.

natürlich sind es migranten: alle die ihre heimat verlassen und sich woanders niederlassen sind migranten. egal ob sie wegen hunger gehen, wegen krieg, aus lust und laune, alles sind migranten. auch kriegsflüchtlinge sind alles migranten. auch der thüringer der sich in bayern niederlässt ist migrant.

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