Bohrung auf Knopfdruck: Autobahnchef Michael Güntner, Kanzleramtsminister Thorsten Frei, Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Christine Baur-Fewson (v.l.) von der Südwest-Niederlassung der Autobahngesellschaft, starten die Bauarbeiten, die die alte A-8-Führung auf die Alb ersetzen soll. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Mit einer Zeremonie beginnt der sechsstreifige, 1,4 Milliarden Euro teure Neubau des A-8-Albaufstiegs zwischen Mühlhausen und Hohenstadt. Kritik gibt es an der Terminierung.
Reichlich Dankesworte, viel Zuversicht, ein Gesangsbeitrag und eine anzuschneidende Torte – aber kein Spaten weit und breit: beim Baustart des neuen Albaufstiegs der A 8 zwischen Mühlhausen im Täle und Hohenstadt (Landkreis Göppingen) wurde auf das übliche Bild verzichtet. Stattdessen setzten Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU), Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Michael Güntner, Chef der bundeseigenen Autobahngesellschaft, ein Erkundungsbohrung in Gang.
Mit diesen Bohrungen wird die Grundlage für die eigentlichen Arbeiten gelegt, die 2027 beginnen sollen. Die Terminierung des Festakts gut drei Wochen vor der Landtagswahl stieß auf harsche Kritik. Christian Jung, Verkehrsexperte der FDP im Landtag, sagte: „Es ist in der Geschichte von Deutschland bisher einmalig, dass man einen Spatenstich über 18 Monate vor dem Beginn der Bauarbeiten macht“. Sein SPD-Pendant, Jan-Peter Röderer, kritisierte das Event „als ein billiges grünes Wahlkampfmanöver“.
In dem kleinen Zelt, das auf der Schwäbischen Alb die Besuchermassen am Freitagvormittag kaum zu fassen vermochte, ließ sich von dieser Begleitmusik niemand die Feierlaune verderben. Thorsten Frei vertrat den am Bahnsicherheitsgipfel teilnehmenden Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und erklärte, dass nun „endlich Baustelle“ bei einem der „wichtigsten Straßenbauprojekte in Deutschland“ angesagt sei. Den bisherigen Autobahnabschnitt kenne man vor allem aus dem Verkehrsfunk. „Er bietet einen schönen Ausblick, und man hat im Stau viel Zeit, den zu genießen. Aber das ist nicht Aufgabe einer Autobahn“. 70 000 Fahrzeugen passieren täglich diese Stelle im Autobahnnetz, die eine Besonderheit für sich in Anspruch nehmen kann: die beiden Richtungsfahrbahnen verlaufen getrennt voneinander.
Neue Strecke soll weniger steil verlaufen
Auch die Trassierung mit bis zu 6,3 Prozent Steigung ist alles andere als alltäglich – und häufig ein Grund für Stillstand. Die neue Streckenführung hingegen soll den Anstieg auf 3,5 Prozent reduzieren. Dazu entstehen zwei große Brücken und zwei Tunnel.
Durch Tunnel und über Brücken statt am Hang entlang: so soll der neue Albaufstieg aussehen. Foto: Yann Lange
Rund 1,4 Milliarden Euro investiert der Bund in den Lückenschluss. Der Albaufstieg gehört neben der Baustelle an der A8 im Enztal bei Pforzheim zu den Passagen, an denen die A8 zwischen Karlsruhe und München noch nicht achtspurig ausgebaut ist. Auffallend am Freitag: keiner der Redner versucht sich an einer zeitlichen Prognose, bis wann das Großvorhaben fertiggestellt ist.
Am ehesten streift noch Ministerpräsident Winfried Kretschmann diese Frage. Erst unterstreicht er die Bedeutung des Vorhabens und nennt den Baustart „einen guten Tag fürs Land“. Das Vorhaben biete die Gelegenheit, den angeschlagenen Ruf Deutschlands als Ingenieursnation – BER und Stuttgart 21 lassen grüßen – wieder herzustellen. Er selbst werde die Fertigstellung womöglich gar nicht mehr erleben. Und wenn doch, dann in einem Zustand, „in dem ich mich nicht mehr für Autobahnen interessiere, sondern für die Frage, ob bei mir zu Hause in Laiz die Gehwege so sind, dass ich mit dem Rollator gut durchkomme“.