Abgeordnete aus Stuttgart Das ist die Frau, die auf Cem Özdemir im Bundestag folgt

Simone Fischer (Grüne) aus Stuttgart bei ihrer ersten Rede im Bundestag. Foto: imago/Political-Moments

Sie hat den Wahlkreis von Cem Özdemir übernommen und ihn ganz knapp gewonnen. Jetzt sitzt die Grüne Simone Fischer seit März im Bundestag – als erste kleinwüchsige Abgeordnete.

Als sie sechs Jahre alt ist, soll Simone Fischer eingeschult werden. Allerdings darf sie nicht mit ihren Freunden aus dem Kindergarten auf eine Schule gehen. Sie soll auf eine andere, die 90 Kilometer von ihrer Heimat Buchen im Odenwald entfernt ist – eine Sonderschule. Ihre Eltern wehren sich, stellen Anträge, ärgern sich mit Behörden herum. Ein ganzes Jahr dauert es am Ende. Mit sieben Jahren darf Simone Fischer in die Regelschule, so erzählt sie es heute.

 

„Ich hatte Glück, dass mein Umfeld sich so für mich eingesetzt hat“, sagt sie rückblickend. „Aber es darf keine Glückssache sein.“ Es ist ein Schlüsselmoment für sie. Sie beginnt, sich zu engagieren. Heute ist Simone Fischer die erste kleinwüchsige Abgeordnete in Deutschland – und die Nachfolgerin von Cem Özdemir. Seit März vertritt die 45-Jährige seinen ehemaligen Wahlkreis Stuttgart I im Bundestag.

Simone Fischer will bessere Bedingungen für Pflegende

Dort kümmert sie sich nun um Pflegepolitik, ihre Fraktion hat sie zur Sprecherin für das Thema ernannt. Bessere Bedingungen für Pflegende, kommunale Pflegestrukturplanung, weniger Bürokratie und mehr Digitalisierung, das will sie erreichen. Bei ihrer ersten Rede im Bundestag hat sie die Bundesregierung dazu aufgefordert, der Pflege den Stellenwert zu geben, den sie verdient. Wenn sie davon spricht, strahlt sie. Sie ist stolz, die Stuttgarter repräsentieren zu dürfen, die sie immer als so offen, freundlich und engagiert erlebt hat.

Ihr Weg vom Norden Baden-Württembergs, wo sie den ersten Drang nach politischem Aktivismus verspürte, bis nach Berlin war weit. Nach dem Studium kam sie nach Stuttgart, arbeitete für die Stadt im Sozial- und Gesundheitsbereich, dann für den Städtetag Baden-Württemberg. 2021 ernannte Ministerpräsident Winfried Kretschmann sie zur Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung.

2023 trat sie bei den Grünen ein. Mit den Positionen habe sie sich schon lange identifiziert, sagt sie. Viele Jahre lang setzte sie sich für ein grünes Stuttgart ein. Mit der Kommunalwahl ein Jahr später bekam sie ihr erstes gewähltes Amt: Sie wurde Stadträtin im Stuttgarter Gemeinderat.

Doch Fischer wollte mehr. Gerade beim Thema Pflege, das ihr politisch besonders wichtig ist, werde viel auf Bundesebene entschieden. Als Cem Özdemir im Herbst 2024 bekannt gab, dass er der nächste grüne Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden will, übernahm Fischer seinen Wahlkreis – und gewann das Direktmandat extrem knapp mit fünf Stimmen Vorsprung.

Wie barrierefrei ist der Bundestag?

Neben ihrer politischen Arbeit sorgt sie nun dafür, dass der Bundestag barrierefreier wird. In den ersten Wochen musste sie sich erst einmal darum kümmern, dass sie überall gut hin- und drankommt. Das Rednerpult im Plenarsaal lässt sich weit genug herunterfahren. Ein klappbarer Hocker hilft ihr auf den Stuhl im Plenum. Eine Spezialanfertigung mit kürzerer Sitzfläche ist in der Mache. Die Bundestagsverwaltung und ihre Fraktion hätten ihr dabei sehr geholfen.

„Der Bundestag ist ja nicht so divers wie die Gesellschaft, die er abbilden müsste“, sagt sie. Deshalb sei ihre Wahl – gerade als Frau – von vielen aus der Community der Menschen mit Behinderungen stark wahrgenommen worden. Es solle normal werden, dass Menschen, die unterschiedlich aussehen – „oder wie in meinem Fall unterschiedlich groß sind, sich unterschiedlich bewegen“ – im Bundestag vertreten sind. Nicht zuletzt mit Blick auf die Fraktion, die dort ganz rechts sitzt. „Ich verkörpere vieles, was die AfD ablehnt“, sagt sie. Sie meint damit ihren Werdegang: dass sie nicht auf die Sonder-, sondern die Regelschule gegangen ist und damit einen Weg der Inklusion eingeschlagen hat, der den Ideen der AfD völlig widerspricht. Auch deshalb sagt Fischer: „Dieses Parlament nicht den rechtsextremistischen Politikerinnen und Politikern zu überlassen, ist mir sehr wichtig.“

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