AfD-Bürgerdialog in Bad Cannstatt „Cannstatt nazifrei“ – zeigte der AfD-Protest Wirkung?

Kurz vor dem Kursaal stoppte die Polizei den Demozug. Foto: Frederik Herrmann

Die AfD hatte in Bad Cannstatt zu einem Bürgerdialog geladen. Angemeldet waren über 100 Menschen. Wie viele sind tatsächlich gekommen und hat der Protest gewirkt?

Volontäre: Frederik Herrmann (hef)

„Cannstatt nazifrei, Cannstatt nazifrei“, skandiert die Menge – gemeint ist eine Veranstaltung der AfD. Am Montagabend zog ein Demozug durch Bad Cannstatt in Richtung Kursaal. Dort hatten Landtagsabgeordnete der AfD zu einem Bürgerdialog eingeladen, um mit Bürgern über Landwirtschaft zu diskutieren. Der Veranstaltungsort war von der AfD-Fraktion lange geheim gehalten worden. Denn wo die Partei auftritt, regt sich häufig Widerstand – so auch in Stuttgart.

 

Das Bündnis „Stuttgart gegen Rechts“ hat einige Tage zuvor den Veranstaltungsort in Erfahrung gebracht und zum Protest gegen die AfD-Veranstaltung aufgerufen. „Wir haben etwa mit 200 Teilnehmern gerechnet“, sagt Michael Beck, Sprecher des Bündnisses. Auf Instagram schreibt das Bündnis später, dass sich trotz Nieselregen und kühlen Temperaturen rund 250 Menschen an dem Protest beteiligt hätten. Die Polizei zählte 120 Teilnehmende.

Im Kursaal fand ein Bürgerdialog statt, der von der AfD veranstaltet wurde. Foto: Frederik Herrmann

Beck begründet das Engagement: „Wir wollen verhindern, dass sich die Partei immer weiter normalisiert und sich in unseren Räumen, Straßen und Gesellschaft breit macht.“ Mit einem Bild in der Zeitung möchte sich Beck jedoch nicht zeigen. Die Angst vor immer wieder auftretenden Anfeindungen sei zu groß.

Großes Polizeiaufgebot begleitet die Demonstration

Der Demonstrationszug setzte sich um 18 Uhr vom Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt in Bewegung und führte über die Seelbergstraße, Daimlerstraße und Wiesbadener Straße bis kurz vor den Kursaal. Die Gruppe trug rote Fahnen und Transparente mit Aufschriften wie „Gemeinsam gegen Rechts!“ oder „Widerstand gegen den Rechtsruck“. Auf anderen Bannern waren deutlich radikalere Botschaften wie „konsequent und militant“ zu lesen. Dennoch applaudierten einige Anwohner aus den Fenstern, als der Zug vorbeizog.

Etwa hundert Meter vor dem Kursaal stoppte die Polizei den Demozug. Eine Polizeikette, verstärkt durch berittene Einheiten, formierte sich auf der Wiesbadener Straße. Der Kursaal selbst war für den Bürgerdialog der AfD großräumig mit Gittern abgesichert.

Eine kleine Gruppe versuchte auf das Gelände zu kommen

„Wir wollen das Demonstrationsrecht wahren“, erklärte der Einsatzleiter der Polizei vor Ort. „Gleichzeitig müssen wir aber auch dafür sorgen, dass die AfD und ihre Gäste ihre Veranstaltung sicher abhalten können.“ Die Polizei war nach eigenen Angaben mit einer angemessenen Zahl an Einsatzkräften präsent, um sowohl den Protest als auch den Bürgerdialog im Kursaal abzusichern.

Zu größeren Zwischenfällen kam es laut Polizei nicht. Die Stimmung sei weitgehend friedlich gewesen, sagt eine Sprecherin der Polizei. Lediglich eine kleine Gruppe von etwa zehn Personen hat sich vom Demonstrationszug gelöst und versucht, über eine Seitenstraße auf das Gelände des Kursaals zu gelangen. Der Bürgerdialog hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits begonnen. Einsatzkräfte der Polizei drängten die Gruppe zurück zum Hauptzug. Die Situation konnte geklärt werden, ohne zu eskalieren, so die Sprecherin.

Die Demonstration löste sich gegen 19.10 Uhr auf. Die Polizei blieb jedoch bis zum Ende der Veranstaltung um 20 Uhr am Kursaal präsent.

Im Kursaal fanden schon mehrmals AfD-Veranstaltungen statt

Beck begrüßt es grundsätzlich, wenn die Teilnahme an AfD-Veranstaltungen erschwert wird. Er kritisiert jedoch auch die Stuttgarter Stadtverwaltung, die der AfD den Kursaal als Veranstaltungsort zur Verfügung stellt.

Der Bürgerdialog im Kursaal war nicht die erste AfD-Veranstaltung an diesem Ort. Bereits in den Jahren 2023 und 2024 hatte die AfD dort ähnliche Dialoge abgehalten, die ebenfalls von Protesten begleitet wurden.

Weniger Besucher bei AfD-Veranstaltung wegen Protest?

Für Beck geht es nicht nur darum, Flagge zu zeigen und ein Zeichen gegen die AfD zu setzen; er möchte der Partei auch aktiv entgegentreten. „Wenn Gäste durch den Protest nicht an einer AfD-Veranstaltung teilnehmen können, dann ist das ein Erfolg für uns“, sagt Beck.

Nach Angaben von Thomas Hartung, Sprecher der AfD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg, waren über 100 Menschen für die Veranstaltung angemeldet. Gekommen seien jedoch nur rund 70. Er ist überzeugt, dass der Protest viele Interessierte abgeschreckt habe.

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