AfD-Politiker Markus P. „Ohr-Abbeißer“ lässt Sitz im Bezirksbeirat ruhen
Einst biss er einem Stadt-Mitarbeiter das Ohr ab, dann machte ihn die AfD zum Bezirksbeirat. Nun lässt Markus P. das Amt ruhen – wegen neuer Vorwürfe.
Einst biss er einem Stadt-Mitarbeiter das Ohr ab, dann machte ihn die AfD zum Bezirksbeirat. Nun lässt Markus P. das Amt ruhen – wegen neuer Vorwürfe.
Der von der AfD entsandte Stuttgarter Bezirksbeirat Markus P., der vor Jahren einem städtischen Bediensteten das Ohr abgebissen hatte, lässt sein Amt vorerst ruhen. Dies teilte der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Gemeinderat, Michael Mayer, unserer Zeitung mit. Der 43-Jährige wolle den Ausgang neuer Ermittlungen wegen Körperverletzung abwarten und werde sich „auch allgemein aus der Öffentlichkeit bis auf Weiteres eher zurückziehen“. Die Fraktion setze auf eine „sachgerechte Untersuchung und Entscheidung durch die zuständigen Behörden“, fügte Mayer hinzu. Nach dieser würden sich dann auch „unsere weiteren Überlegungen“ richten. Zugleich warnte er vor einer „Vorverurteilung“.
Die Rathaus-AfD hatte Markus P. im Wissen um die Verurteilung als „Ohr-Abbeißer“ als Bezirksbeirat vorgeschlagen. Von der Stadt wurde er dazu ernannt, da es keine Zweifel an seiner Wählbarkeit gab. Das Amt übernahm er 2024 zunächst in einem nördlichen Stadtbezirk, nach seinem Umzug dann in einem südlichen Bezirk. Über seine Vorgeschichte und die sechsjährige Haftstrafe wegen mehrfacher Körperverletzung und versuchter Anstiftung zu Mord war die Fraktion laut Mayer informiert; P. sei damit parteiintern offen umgegangen. Die Stadt wusste jedoch nichts davon.
Der zuvor wegen Gewalttaten verurteilte Mann hatte Anfang 2016 einem städtischen Bediensteten, der mit einem Kollegen schlichtend in einen Streit eingreifen wollte, das Ohr abgebissen. Entgegen ersten Befürchtungen konnte das Ohr wieder angenäht werden. Zugleich soll er einen Verwandten ermuntert haben, die beiden Stadtmitarbeiter „abzustechen“. Für den Biss entschuldigte er sich vor Gericht, den Aufruf zum Messereinsatz bestritt er. Die sechsjährige Haftstrafe war 2022 ausgelaufen. Mit der Entsendung in den Bezirksbeirat habe man P. Gelegenheit zur „Resozialisierung“ gegeben, betonte Fraktionschef Mayer. Er habe sich „bisher stets tadellos betragen“.
Durch Recherchen unserer Zeitung wurde bekannt, dass gegen Markus P. aktuell wieder wegen Körperverletzung ermittelt wird. Hintergrund ist ein Vorfall Ende Mai in einer Sportgaststätte nahe dem Cannstatter Wasen. Dort war der AfD-Mann zu später Stunde mit einer Begleiterin in Streit geraten und gegen sie handgreiflich geworden. Ein Ehepaar und der Wirt, die nacheinander schlichtend eingreifen wollten, sollen von ihm geschlagen und verletzt worden sein. Die zunächst von der Polizei geführten Ermittlungen wurden inzwischen von der Staatsanwaltschaft übernommen. Über die Ereignisse gebe es „unterschiedliche Darstellungen“, die man aber nur vom Hörensagen kenne, sagte AfD-Fraktionschef Mayer dazu.
Die Stadt Stuttgart hat als Reaktion auf den Vorgang einen Auszug aus dem Bundeszentralregister angefordert, der bislang nicht vorliegt. Auch die Gewerkschaft Verdi hatte sich irritiert geäußert, dass ein Mann mit dieser Vorgeschichte im Bezirksbeirat sitzt. Markus P. war zudem mehrfach Delegierter auf AfD-Parteitagen. Zuletzt entsandte ihn der Kreisverband Stuttgart zum Landesparteitag, bei dem die Liste für die Landtagswahl 2026 beschlossen wurde. Wiederholt ließ sich P. mit dem AfD-Landeschef und „Ministerpräsidenten-Kandidaten“ Markus Frohnmaier fotografieren. Auf seiner Facebook-Seite zeigt ein Foto die beiden beim Händedruck. Frohnmaier erweckt bislang aber den Eindruck, P. und dessen Hintergrund nicht zu kennen. Nachfragen dazu lässt er unbeantwortet.