Auseinandersetzung in Weilimdorf Beteiligter AfD-Stadtrat zeigt Linken-Politiker Pantisano an

Am 10. Dezember hat es vor dem Weilimdorfer Bezirksrathaus einen Polizeieinsatz gegeben. Der wirkt jetzt nach. Foto: Jürgen Bock

Nach einer Bezirksbeiratssitzung in Weilimdorf kommt es zu Handgreiflichkeiten. Die werden jetzt zum Politikum: Ein AfD-Stadtrat wehrt sich massiv gegen Vorwürfe.

Kriminalität, Sicherheit und Justiz: Jürgen Bock (jbo)

Die Schüsse auf einem Spielplatz in Weilimdorf mit einem schwer verletzten Jugendlichen vor knapp zwei Wochen lassen die Emotionen weiter hochkochen. Am Mittwoch voriger Woche befasste sich der Bezirksbeirat kurzfristig mit dem Vorfall. Es wurde unter reger Beteiligung der Zuhörer im voll besetzten Saal engagiert vor allem über die Frage diskutiert, ob der Bereich bereits zuvor ein Brennpunkt gewesen ist. Das sehen diverse Anwohner so, aber nicht alle.

 

Nach diesem Thema ging die Sitzung mit der normalen Tagesordnung weiter. Etliche Besucher verließen das Bezirksrathaus daraufhin. Vor dem Gebäude gingen die Diskussionen aber weiter. Dabei soll es erst zu einer verbalen, dann zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen mehreren Beteiligten gekommen sein. Die endete in einem Polizeieinsatz, bei dem drei Einsatzfahrzeuge am Löwenmarkt vorfuhren.

Widersprüchliche Angaben

Inzwischen bekommt der Vorfall auch eine politische Dimension. Denn beteiligt an der Auseinandersetzung, über die unsere Zeitung berichtet hat, war der Stuttgarter Stadtrat und stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Steffen Degler. Er gibt an, ein Bürger habe Leute, die noch vor dem Bezirksrathaus standen, provoziert, sei in Streit mit einem anderen Anwohner geraten und habe diesen Anwohner schließlich gegen dessen Willen fotografiert. Als der Bürger sich geweigert habe, das Foto zu löschen, habe Degler ihn nach eigener Aussage festgehalten, bis die Polizei eingetroffen sei. Die ist von Deglers AfD-Kollege und Kreissprecher Andreas Mürter verständigt worden.

Der von Degler „festgehaltene“ Bürger schildert den Sachverhalt genau andersherum. Er sei beim Verlassen des Gebäudes gemeinsam mit seiner Begleiterin von draußen Stehenden beleidigt und bedroht worden. Daraufhin habe er das strittige Foto von einem der Provozierer gemacht, um Anzeige erstatten zu können. Degler habe ihn in der Folge „zehn Minuten lang in den Schwitzkasten genommen“. Sowohl Degler als auch der Bürger führen Zeugen an, die die jeweilige Version bestätigen, und haben sich gegenseitig angezeigt. Vom Vorfall gibt es unscharfe Fotos. Die Polizei ermittelt.

Pantisano greift Vorfall in den sozialen Netzwerken auf

Jetzt kommt noch eine Strafanzeige hinzu – und die hat es in sich. Mittlerweile ist nämlich ein Akteur in den Ring getreten, der selbst gar nicht vor Ort gewesen ist. Der Stuttgarter Linken-Bundestagsabgeordnete und frühere Stadtrat Luigi Pantisano hat auf seinen Kanälen in den sozialen Netzwerken den Vorfall umfangreich aufgegriffen. Er nennt Degler darin namentlich und zeigt ihn im Foto. Die Beiträge sind zehntausendfach gelesen worden. „AfD-Stadtrat greift Bürger an?!“ heißt es da. Der „rechtsextreme Stadtrat Degler“ habe einen Andersdenkenden beleidigt und sei gewalttätig geworden. Degler sei „gefährlich“.

AfD-Stadtrat Degler (links) hat den Linken-Bundestagsabgeordneten Pantisano angezeigt. Foto: Julian Rettig/Lichtgut

Pantisano versichert, er habe die Ereignisse von mehreren Menschen so geschildert bekommen, wie er sie auf seinen Kanälen darstellt. Degler widerspricht dem heftig – und hat Strafanzeige gegen Pantisano erstattet. Es gehe um falsche Verdächtigung, Beleidigung, Verleumdung, aber auch um eines der Bilder, die der Linken-Politiker zeigt, sagt Degler. Dabei handle es sich um genau jenes Foto, um das sich vor dem Bezirksrathaus der Streit vollends entzündet habe. Weil es sich um den Verdacht einer politischen Straftat handelt, ist bei der Polizei der Staatsschutz für Deglers Anzeige zuständig.

Der AfD-Stadtrat kündigt an, in den nächsten Tagen seinerseits seine Sicht der Dinge über seine Kanäle veröffentlichen zu wollen. Der mit harten Bandagen ausgetragene Streit dürfte also in die nächste Runde gehen. Und droht dabei, das Ausgangsthema, nämlich die Sicherheitslage in Weilimdorf, zu überdecken.

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