Ausstellung in Stuttgart Großer Zuspruch für Schüler nach „Heuchler“-Beitrag der AfD

Die Plakate sind noch bis Mittwoch im Rathaus zu sehen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Nach abfälligen Äußerungen der AfD-Fraktion über eine Schülerausstellung im Stuttgarter Rathaus erhalten die jungen Künstler viel Zuspruch – wie am Montag bei einer Führung.

Familie/Bildung/Soziales: Viola Volland (vv)

Mit viel Selbstbewusstsein haben am Montag die Schülerinnen und Schüler der Johannes-Gutenberg-Schule ihre 40 Pro-Demokratie-Plakate erneut der Öffentlichkeit im Stuttgarter Rathaus präsentiert. „Käthe Kollwitz heute – Eintreten für eine demokratische Gesellschaft“ heißt ihre Ausstellung, die in Kooperation mit dem Haus der Heimat entstand und die noch bis einschließlich Mittwoch zu sehen ist. Hintergrund: Nach einem abfälligen Beitrag unter der Überschrift „Kollwitz, Gutenberg und die Heuchler“ der AfD-Gemeinderatsfraktion im Stuttgarter Amtsblatt wollte die Schule ein Zeichen setzen. Sie lud zu einer Führung ein – mehr als 100 Interessierte kamen.

 

Die angehenden Grafik-Designer erhielten wiederholt viel Applaus. Besonders laut war dieser, als die Abteilungsleiterin des Berufskollegs Grafik-Design, Katarina Speck, den Anlass für die Führung nannte: „Wir sind heute hier, um die Schüler in ihrem Demokratieverständnis zu bestärken, um ihnen den Rücken zu stärken“, rief sie.

„Das sollen Plakate erreichen – ein Echo“ , so der Schulleiter

Der Leiter der beruflichen Schule, Thomas Dulisch, hob die Vielfalt seiner Schülerschaft hervor – 47 Nationen seien bei ihnen vertreten. „Die Vielfalt unserer Schule ist unsere Einheit“, sagte Dulisch passend zu der vielfältigen Ausstellung. Der Aufregung der vergangenen Tage konnte er auch etwas Positives abgewinnen: „Das sollen Plakate erreichen – ein Echo“.

Ursprünglich war geplant gewesen, dass zwei Schüler für die Führung ins Rathaus kommen. Letztlich war ein Großteil des Jahrgangs des Berufskollegs vertreten. Mit einer Performance stimmten die Künstler auf das Thema ein: „Bewahrt die Demokratie!“, „Für die Demokratie!“, „Nie wieder!“ schallte es durch das Erdgeschoss, untermalt von lautem Fußtrampeln. In vier Gruppen ging es anschließend durch die Gänge. Nicolas und Vivien, die eine der Führungen übernahmen, kehrten „das Herzblut“ heraus, das in den Arbeiten stecke. Vivien betonte zudem wie gut es ihr tue, dass so viele Menschen an diesem Montag gekommen seien. „Das bedeutet mir sehr viel“, meinte die 25-Jährige. Andere Schüler äußerten sich ähnlich.

Im Ältestenrat war der Beitrag auch Thema gewesen

Unter den Besuchern waren neben zwei Vertretern des Kultusministeriums auch Stadträte von Grünen, SPD und Linksfraktion sowie die Stuttgarter SPD-Landtagsabgeordnete Katrin Steinhülb-Joos. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Björn Peterhoff lobte die Ausstellung für deren „klare Worte“ für die Demokratie. Es könne nicht sein, dass die jungen Künstler „auf diese Art beschimpft werden“. Das habe er schon im Ältestenrat der Stadt angesprochen. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzenden Jasmin Meergans war es wichtig, am Montag eine „Solidaritätsbekundung“ zu geben. Sie wies auf einen Widerspruch hin: Einerseits klage die AfD über einen Mangel an Meinungsfreiheit, andererseits greife sie die Kunstfreiheit an.

Die AfD hatte in ihrem Beitrag im Amtsblatt unter anderem geschrieben, die Ausstellung wirke „wie die Glorifizierung einer Einheitsideologie“. Bei genauerem Hinsehen offenbare sich „ein Bild der Heuchelei“. Es sei „betrüblich, dass die Kreativität von Schülern, oft ohne tiefgreifende politische Bildung, in den Dienst einer einseitigen Propaganda gestellt“ werde. Nun fühlt sich die AfD missverstanden. Sie weist zurück, die Schüler selbst verunglimpft zu haben. Heuchelei werfe man nicht den Schülern vor, so der Fraktionsvorsitzende Michael H. Mayer, sondern dem Veranstalter Haus der Heimat.

„Man sollte niemanden als Heuchler bezeichnen“, meinte Karl, einer der Schüler. Was für ihn zählt: Sie stünden mit ihren individuellen Arbeiten für die Demokratie ein. „Der Sinn dahinter ist jetzt noch mal viel klarer geworden“, findet der 18-Jährige.

Weitere Themen