Großes Lob für AfD und Grüne
Beide Parteien hätten kräftige Farben gewählt, eine kontrastreiche Schrift und sie verwendeten Logos. Prinzipiell sei die Verwendung von Bildern besser als „reiner Text“, ein Plakat müsse im Vorbeifahren oder Vorbeigehen lesbar sein, in drei bis fünf Sekunden müsse das verstanden worden sein – und da gehe es gar nicht um die Vermittlung von Inhalten, es reiche, Themen anzusprechen. Das machten AfD und Grüne gut. So hat die Alternative für Deutschland ihren „Claim“ mit den Worten „für Recht und Freiheit“ laufen, sie thematisiert kurz und knapp: für den Diesel, gegen die GEZ, gegen den „Wirtschaftstod“.
Ähnlich machen es auch die Grünen. Sie sprechen mit starken Bildern ihre Kernwählerschaft an, thematisieren konzentriert das Bienensterben, den Klimawandel, die „Helden des Tages“ oder bringen einfach nur Winfried Kretschmann, „ein Pfund, mit dem die Grünen wuchern können“, so Brettschneider. Dass der Grünen-Slogan „Grün wählen für Kretschmann“ schon vor fünf Jahren bei der Landtagswahl gelaufen sei, das, so der Experte, falle den meisten ja gar nicht auf.
Relativ klar fällt Brettschneider auch eine Bewertung der Plakate der Linkspartei, die eine offenbar protestierende Menschenmenge mit hochgereckten Armen als Schattenriss zeigt. „Da sieht man einen Rückfall in alte Zeiten: überladene Plakate, zu textkonzentriert – beim Vorbeifahren ist das gar nicht lesbar.“
Die Sozialdemokraten sind „zu verkopft“
Etwas gespalten ist der Kommunikationsprofessor bei den knallbunten FDP-Plakaten: „Die FDP bleibt sich treu, setzt auf schrille Farben, das hat sie früher schon gemacht, ähnlich wie bei den Neos in Österreich.“ Das habe einen hohen Wiederkennungswert, und es könnte in der Stadt vielleicht sogar funktionieren, auf der Alb oder im Schwarzwald aber vielleicht weniger. Und noch ein Manko: „Der Text ist schwer zu lesen.“
Negativ fällt Brettschneiders Urteil auch über die Wahlplakate der SPD aus: Die seien „zu verkopft“, brächten einen Slogan wie „das Wichtige jetzt“ – und den müsse man inhaltlich erst einmal aufschlüsseln. Die Themen seien ja gut gewählt, sie spiegelten die klassischen SPD-Bezüge wieder: Schule, Kita, Arbeit, Wohnen. Aber beim „Bezahlbaren Wohnen“ sei ein Foto aus der Vogelperspektive von einem Betonmischer aufgenommen worden, da brauche man lange, um das überhaupt zu erkennen. Auch plakatiert die SPD wieder einzelne Kandidaten, die sind mit ihren Porträts zu sehen, ein Stilmittel der 50er-Jahre. Solche „Kopfplakate“ seien hinausgeworfenes Geld, da werde keine Botschaft transportiert.
Die Textplakate der CDU wirken nicht
Auch die Christdemokraten hätten „keine guten Plakate“, sagt Brettschneider. Es seien „Textplakate“ und die wirkten „so gut wie gar nicht“. Plakate müssten „plakativ“ sein, aber Sätze wie „CDU wählen, weil wir Verbrecher von heute mit Ausrüstung von morgen jagen“, die seien viel zu lang. Hinzu komme noch eine Kontrastarmut der Schrift auf einem „braun-schmutzigen“ Hintergrund, das sei schwer lesbar, gerade in diesen trüben Wintertagen. Immerhin würde die CDU ihre wichtigsten Themen – Mittelstand und Sicherheit – ansprechen. Und zwei Plakate mit Bildmotiven – wenn auch überlagert von zuviel Text – seien gut gelungen: das eine zeigt drei Handwerker, das andere eine Mutter, die ihr Kind in ein Badetuch hüllt.