Bahnstrecke Tübingen-Stuttgart Verkehrsminister zu Palmer-Beschwerde – „Hauptverursacher Deutsche Bahn und S21“

, aktualisiert am 10.01.2026 - 11:23 Uhr
Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) reagiert bereits am darauffolgenden Tag auf Boris Palmers Brief zur Situation auf der Bahnstrecke von Tübingen nach Stuttgart. Foto: imago/Arnulf Hettrich, imago/Ulmer II

Nach Boris Palmers Beschwerde-Brief zu den Zuständen auf der Bahnstrecke Tübingen-Stuttgart antwortet ihm Verkehrsminister Winfried Hermann – und kündigt Verbesserungen an.

Baden-Württemberg: Florian Dürr (fid)

Erst auf der letzten Seite seines Briefes an „Boris“, wie er in der Anrede schreibt, lässt Landesverkehrsminister Winfried Hermann fallen, dass sein ehemaliger Grünen-Parteikollege Palmer (parteilos) offenbar einen Vorschlag aus seinem Ministerium übernommen hat. Denn in dem zuvor veröffentlichten Brief an Hermann hatte der Tübinger OB die Reduzierung des Regionalzugs RE 6 auf der Strecke Tübingen-Stuttgart ins Spiel gebracht. Das Ziel der Maßnahme: mit den dadurch frei gesetzten Fahrzeug-und Personalressourcen den Verspätungen im verbleibenden Zug-Angebot kurzfristig entgegenwirken.

 

„Wie Ihnen aus Gesprächen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus meinem Haus offenbar bekannt ist“, schreibt der Verkehrsminister nun in seiner Antwort auf Palmers Beschwerde-Brief über die Zustände auf der Strecke, „arbeitet das Ministerium an der Reduzierung des zweistündlichen Angebots des Regionalexpress 6 Stuttgart-Tübingen und befindet sich hierzu bereits seit Dezember in Gesprächen mit DB Regio“. Diese Maßnahme habe Palmer offenbar als kurzfristigen Lösungsvorschlag übernommen, so Hermann. Dieser Darstellung widerspricht der Tübinger OB. Er habe dem Ministerium bereits im vergangenen November den Vorschlag unterbreitet und damit die Sache ins Rollen gebracht, sagt Palmer.

Sind sich einig, dass sich die Situation auf der Bahnstrecke Tübingen-Stuttgart verbessern muss: Boris Palmer (li.) und Winfried Hermann. Foto: imago/Ulmer Pressebildagentur

Boris Palmer: „Nicht mehr möglich, Termine mit der Bahn wahrzunehmen“

Doch ganz egal, wer zuerst die Idee hatte: Die beiden eint der Wunsch, die Situation auf der Bahnstrecke möglichst schnell zu verbessern. Die Probleme zwischen Tübingen und Stuttgart beobachte sein Ministerium ebenfalls mit „Sorge und Verärgerung“, schreibt Hermann. Die Strecke habe sich „im Gesamtknoten Stuttgart zu einem der besonderen Problemfälle entwickelt“.

Verspätungen, Zugausfälle, überfüllte Waggons – „Als langjähriger Nutzer dieser Strecke habe ich in über 30 Jahren ein derartiges Ausmaß an Unzuverlässigkeit nicht erlebt“, hatte Palmer zuvor beklagt: „Es ist mir praktisch nicht mehr möglich, Termine mit der Bahn wahrzunehmen.“ Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2007 erwäge er gar „erstmals die Notwendigkeit eines Dienstwagens“, so Palmer. Den hatte der OB zwar anfangs noch von seiner Vorgängerin übernommen, doch 2010 endgültig abgeschafft.

Die Deutsche Bahn bedauert die „Einschränkungen für unsere Fahrgäste“

Der Verkehrsminister sieht die Schuld vor allem bei der Bahn und S 21: „Klar ist, dass Hauptverursacher der Probleme die Deutsche Bahn, die Infrastruktur und die Großbaustelle Stuttgart 21 sind.“ Daher sei eine grundsätzliche Verbesserung kurzfristig nicht zu erreichen – sondern frühestens zum Fahrplanwechsel Ende 2026. Allerdings strebe man „mit Nachdruck bis spätestens Ostern 2026 an, in Tübingen einen Zug bereitzustellen, der pünktlich abfährt, auch wenn der Zug aus Stuttgart verspätet ankommt.“ Es ist die auch von Palmer geforderte Einführung einer sogenannten „überschlagenen Wende“ in Tübingen.

Und die Bahn? Deren Sprecherin verweist auf die Komplexität bei der Inbetriebnahme des neuen Stuttgarter Eisenbahnknotens und bedauert die „Einschränkungen für unsere Fahrgäste“. Zudem sehe man nicht tatenlos zu, sondern habe bereits in die Infrastruktur der Strecke investiert, etwa mit der Installation einer sogenannten Blockverdichtung zwischen Metzingen und Nürtingen, wo Züge jetzt dichter hintereinander her fahren können und so bei Verspätungen einen stabileren Verkehr ermöglichten. Dies wisse auch Herr Palmer. Aus dem Verkehrsministerium heißt es: „Wir hoffen natürlich, den Oberbürgermeister durch die angestrebte Verbesserung der Situation als Kunden der Schiene behalten zu können.“

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