Bedenken bei Südwest-Liberalen Eisiges Schweigen zur künftigen FDP-Generalin

Nicole Büttner will Unternehmergeist in die Politik bringen. Foto: imago/Jens Schicke

Die KI-Unternehmerin Nicole Büttner soll FDP-Generalsekretärin werden – das finden fast alle gut. Im Südwesten aber, wo man sie kennt, gibt es große Vorbehalte gegen den Personalvorschlag.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

An einem gelingenden Neustart der Bundes-FDP haben auch die Liberalen in Baden-Württemberg großes Interesse. Nach dem Rauswurf aus dem Bundestag kämpfen sie im März 2026 auch im Landtag um ihr parlamentarisches Überleben – da brauchen sie Rückenwind aus Berlin. Entsprechend wichtig ist der neue Vorstand, der an diesem Wochenende bei einem Parteitag in der Hauptstadt gewählt wird.

 

Doch im Südwesten wird mit einiger Sorge auf das Treffen geschaut, bei dem der bisherige Fraktionschef Christian Dürr an die FDP-Spitze rücken soll. Der Grund ist sein Vorschlag für das Amt der Generalsekretärin: als „Running Mate“ soll an seiner Seite die KI-Unternehmerin Nicole Büttner-Thiel kandidieren. Mit der 40-Jährigen gelang Dürr ein echter Überraschungscoup: Kaum jemand kannte die Chefin des Berliner Start-ups Merantix Momentum, die privat in der Schweiz lebt, aber fast alle finden sie gut. Nur in Baden-Württemberg, woher Büttner stammt und wo sie bei den Liberalen aktiv war, hält sich die Begeisterung sehr in Grenzen. Hinter vorgehaltener Hand werden erhebliche Zweifel an ihrer Eignung vorgebracht, selbst offiziell kann sich der Landesverband nur ein kühles Statement abringen.

Nicht nur Berufspolitiker in der Führung

Die Idee hinter der Personalie klang erst mal einleuchtend. Er wolle „neue Wege gehen“ und nicht nur Berufspolitiker in der ersten Reihe der Partei haben, verkündete Christian Dürr. In Büttner habe er eine „profilierte und aktive Unternehmerin“ gewinnen können. Sie solle dazu beitragen, „dass das Kopfschütteln in der Wirtschaft über das Unvermögen der Politik endlich aufhört“.

Ähnlich äußerte sich die Kandidatin selbst. „Wir brauchen in der Politik mehr Menschen, die praktisches Wissen, unternehmerisches Denken und echte Erfahrung im Aufbau von Wachstum und Wohlstand mitbringen“ – also wie sie selbst. In schwieriger Lage wolle sie mit anpacken und die liberale Stimme hörbar machen. Mit Dürr stehe sie „seit einer Weile im Austausch“ und freue sich über sein Vertrauen, so Büttner.

Viel Zuspruch für die Kandidatin

Das Echo aus allen Teilen der FDP war ermutigend. „Sie ist die richtige, um auch die junge, digitalaffine Zielgruppe zurückzugewinnen“, ließ sich Marie-Agnes Strack-Zimmermann zitieren. Ihr häufiger Gegenspieler Wolfgang Kubicki sprach von einer „hervorragenden Wahl“. Als Unternehmerin könne Büttner organisieren, das sei auch im Parteiamt gefragt. Eine Mutmacherin wie sie passe bestens in die neue liberale Führung, sekundierten auch andere Freidemokraten.

Nur in Baden-Württemberg blieb es seltsam still. Dabei kennen die Südwest-Liberalen Büttner besser als alle anderen: Sie stammt aus Karlsbad-Langensteinbach im Kreis Karlsruhe und war einige Jahre in der Landespartei aktiv. Im Jahr 2019 kandidierte sie bei der Europawahl, ohne indes ein Mandat zu holen. Von 2017 bis 2019 leitete sie den Landesfachausschuss Wirtschaft und saß auch im Landesvorstand. Viele Fans scheint sie in dieser Zeit nicht gewonnen zu haben. „Erfolglos“, „unfähig“ oder „gescheitert“ sind Attribute, mit denen ihr Wirken beschrieben wird. So beeindruckend sie als Tech-Unternehmerin oder in Talkrunden sein möge, Parteiarbeit sei offenbar nicht ihr Ding. Alle seien „konsterniert“ über den Personalvorschlag von Dürr, berichtet ein FDP-Mann. Wenn der neue Parteichef keinen Fehlstart riskieren wolle, überdenke er seine Wahl besser nochmals – das versuche man ihm gerade nahezubringen.

Eisiges Schweigen von der Landes-FDP

Auch der FDP-Landesverband findet kein gutes Wort für Büttner. Deren Engagement liege „bereits viele Jahre zurück, daher trauen wir uns keine Einschätzung der Person zu“, teilt ein Sprecher mit. So könne man ihn gerne zitieren. Viele Jahre? Es sind nur gut fünf. Doch ihr Wirken hat offenbar keinen positiven Eindruck hinterlassen. Nicht einmal ein pflichtschuldiges Lob ist drin – das lässt tief blicken. Mehrere Anfragen an die Bundes-FDP, wie man dort mit den Bedenken gegen Büttner umgehe, blieben übrigens ohne Reaktion.

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