Bobaaz heißt das Start-up aus Stuttgart Die zweite Erfolgswelle von Bubble Tea schwappt durch die Stadt

Der Fußboden ist schon ein Hingucker: Marvin Bui im noch nicht ganz fertigen Flagship Store am Stuttgarter Marktplatz Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Wenn am Stuttgarter Marktplatz der Bubble Tea-Laden Bobaaz eröffnet, ist es nur der Anfang: Marvin Bui und seine Geschäftspartner wollen eine bundesweite Kette aufziehen. Ihre Shops sollen mit Mooswand und Wolkendecke spektakulär aussehen.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Headquarter steht in bunten Buchstaben auf einer frisch eingezogenen Holzwand. Im Untergeschoss eines Ladens am Stuttgarter Marktplatz entstehen gerade große Businesspläne mit Bubble Tea. Bobaaz heißt das Unternehmen, das in Stuttgart Mitte März starten und dieses Jahr zehn weitere Läden in Süddeutschland eröffnen will. Die Kette soll schnell wachsen: „Bubble Tea ist ein absolutes Trendprodukt“, sagt Marvin Bui, „der Markt wird sich noch verdoppeln.“ Im Flagshipstore wird an dem Erfolg gerade gebastelt. Die Wanddekoration wurde zum Beispiel von Hand gemacht: Sie besteht aus grünem Moos, auf das Hologramme wie flatternde Engelsflügel oder schillernde Fische projiziert werden. Die beweglichen Bilder sollen die künftigen Kunden dazu animieren, Videos zu drehen und im Internet zu teilen.

 

Veganen Bubble Tea gibt es laut den Firmengründern noch nicht

„Es ist alles ein bisschen wild“, sagt der 30 Jahre alte Betriebswirt, der bislang als Personalberater für Ingenieure und die IT-Branche gearbeitet hat und jahrelang als DJ tätig war. Die Idee zu Bobaaz entstand an einem Sommerabend im Cavos, wo er mit dessen Betreiber Hiki Shikano Ohlenmacher und Joachim Bäurle zusammensaß, der einst die PC-Kette Comtech gegründet und 1999 verkauft hatte. Es mag bereits andere Anbieter von Bubble Tea geben, räumt Marvin Bui ein, aber keiner davon habe ein rein veganes Konzept. Außerdem wollen die Unternehmensgründer mit einer einzigartigen Ladeneinrichtung punkten – entworfen vom Stuttgarter Künstler Marc C. Woehr. Allein der Fußbodenbelag, auf dem das Firmenlogo zwischen überdimensionierten Blüten und Blätter prangt, habe ein kleines Vermögen gekostet.

Das aus Taiwan stammende Eistee, den die darin schwimmenden Tapioka-Perlen populär machten, schwappt gerade auf einer zweite Erfolgswelle ins Land. Im August 2021 eröffnete das Minmin auf der der Königstraße, wo eine Tapete aus Stoffblumen und Schaukeln als Kulisse für Instagram-Fotos dienen. Die Ehninger Kette Teeamo ist seit 2018 im Geschäft und mit vier Filialen in der Region Stuttgart vertreten. Der Berliner Konkurrent Comebuy, was auf Chinesisch Prost bedeutet, hat im Einkaufszentrum Milaneo eine Filiale eröffnet. Und seit November 2021 gibt es im Happy Cats Café Mr. Box Bubble Tea, aber aktuell keine Katzen mehr.

Die Stuttgarter standen schon einmal Schlange für Bubble Tea

Vor rund 14 Jahren standen die Stuttgarter schon einmal Schlange, um in den Genuss des neuen Trends zu kommen. „Es war eine große Party“, erinnert sich Phuc Nguyen Duc an seinen Laden in der Marienstraße. Die Pionierleistung, den Bubble Tea nach Deutschland gebracht zu haben, beansprucht der Stuttgarter Gastronom für sich: Im Jahr 2005 importierte er die ersten Geräte und Zutaten aus Taiwan, um an seinem Studienort Berlin die ersten Läden zu eröffnen. Seine fünf Bubble Tea-Shops verkaufte er rechtzeitig: Denn 2012 war der Hype mit einer Studie der Technischen Hochschule Aachen vorbei, die in den Perlen krebserregende Stoffe fand. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe widerlegte später die Ergebnisse, und das Getränk gilt mittlerweile nur noch als so ungesund wie eine zuckerhaltige Limonade. Als der Trend kurz vor Corona über die Sozialen Medien zurückkehrte, wollte Phuc Nguyen Duc aber nicht mehr aufspringen. Das Produkt hätte damals zu ihm gepasst, weil er Anfang 20 war, jetzt würde ihm Sushi besser schmecken. Den Erlös vom Verkauf seines Bubble Tea-Erfolgs investierte er in das Restaurant Origami.

Bob-Eis soll zum Verkaufshit werden

„Wir haben den Wunsch, in Deutschland die größte Kette zu werden“, erklärt Marvin Bui die Pläne für Bobaaz. Neben Bubble Tea soll Boba-Eis zum Verkaufshit werden, das mit den fruchtigen Kugeln getoppt wird. Und passend zur Wolkendecke des Ladens, die durch darin versteckte LED-Leuchten ihre Farbe wechseln kann, gibt es die Crazy Candy Cloud, eine Zuckerwattenwolke für das Getränk. Für die erwachsenere Kundschaft werden Smoothies und Kaffee aus der Siebträgermaschine angeboten. Der Name Bobaaz setzte sich bei einer Umfrage unter dem Zielpublikum der Zwölf- bis 17-Jährigen durch, Boba Tea ist das Synonym für Bubble Tea. „Er klingt spielerisch und ein bisschen ausgeflippt“, findet Marvin Bui, und spiegele die auffallende Ladengestaltung wider.

In den USA gibt es weit verbreitete Marken

Die Leitsätze des Unternehmens stehen auf einer zweiten Holzwand im Headquarter an der Ecke zwischen Marktplatz und Schulstraße: nachhaltig, gesund, frisch, tierfreundlich und handgemacht lauten die Stichworte für das Start-up. Einen Stock unterhalb der poppigen Bubble Tea-Welt arbeitet Marvin Bui in seinem Büro auch an der IT-Infrastruktur und der Servertechnik,. „Hier trifft Technologie auf Gastronomie“, sagt er und nennt als Beispiel das bonfreie Kassensystem, das die Quittung per QR-Code aufs Handy überträgt. Neue Trends zu bringen und anders zu sein, sind seine Vorsätze für die Firma. Seine Vorbilder befinden sich in den USA, wo sich einige Marken weit verbreitet haben. „Der Bubble Tea kommt jetzt, um zu bleiben“, ist der Betriebswirt überzeugt.

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