Brach liegendes Karstadt-Areal in Esslingen Möglicher Investorenwechsel weckt neue Hoffnungen
Nach jahrelangem Stillstand könnte nun wieder Bewegung auf das Esslinger Karstadt-Areal kommen. Ein neuer Investor hat Interesse angemeldet.
Nach jahrelangem Stillstand könnte nun wieder Bewegung auf das Esslinger Karstadt-Areal kommen. Ein neuer Investor hat Interesse angemeldet.
Es gibt wieder Hoffnung – zumindest für die Befürworter einer Bebauung des Esslinger Karstadt-Areals. Denn wenn der Strabag-Konzern das Gelände wie anvisiert tatsächlich kaufen würde, könnte es doch noch etwas werden mit der Bebauung der zentralen Innenstadt-Brache an der Ecke von Martinstraße und Ehnisgasse. Das zumindest hoffen neben dem Oberbürgermeister Matthias Klopfer auch viele Mitglieder des Gemeinderats – wenn auch nicht alle.
Schon seit Jahrzehnten ist der Parkplatz hinter der ehemaligen Karstadt-Filiale der Stadt ein Dorn im Auge. In der vergangenen Dekade schien endlich Bewegung in die Sache zu kommen. Zunächst reiften Pläne für ein neues Einkaufszentrum. Realisiert wurde es nicht, stattdessen verschob sich der Fokus im Lauf der Jahre vom Einzelhandel immer mehr auf Wohnraum. Ein neuer Bebauungsplan ebnete im Jahr 2021 den Weg für die Umsetzung der modifizierten Pläne, die Baugenehmigung folgte im September 2023. Ein Baubeginn steht seither aus. Nun sieht es so aus, als wolle der aktuelle Eigentümer BPI das Areal an den Strabag-Konzern veräußern.
Angesichts des jahrelangen Stillstands freut man sich bei der CDU über einen potenziellen neuen Investor für das Karstadt-Areal. „Wir dürfen nicht länger auf der Stelle treten, das Karstadt-Areal ist allein schon wegen seiner Größe ein zentraler Faktor für die Attraktivität und Gestaltung unserer Innenstadt“, sagt der CDU-Fraktionschef Tim Hauser. Der Strabag-Konzern sei ein erfahrener Investor, der professionell vorgehe. „Wir sind optimistisch, dass es nun endlich weitergeht“, so Hauser. Seine Fraktion könne damit leben, dass die bisherigen Pläne mit leichten Veränderungen übernommen werden sollen. Der Fokus der CDU-Fraktion liege auf den Einzelhandelsflächen, für die es wohl schon mehrere Interessenten gebe.
Carmen Tittel, Fraktionsvorsitzende der Grünen, sagt: „Wir unterstützen den Investorenwechsel.“ Allerdings hätte die Stadt aus Sicht ihrer Fraktion den Mut haben sollen, mitzubieten und das Grundstück zu erwerben. Und: „Wir hätten uns bei einem erneuten Investorenwechsel eine Verbesserung bei der Neubebauung auf dem Karstadtparkplatz gewünscht.“ Schließlich habe man immer schon kritisiert, dass die geplanten Gebäude zu hoch und zu massiv seien und sich schlecht in das Umfeld einfügten. „Hier wird eine Chance vertan“, so Tittel. Dass die Höhe des bestehenden Karstadt-Gebäudes unverändert bleiben und keine sogenannten Townhouses auf dem Dach entstehen sollen, sehen die Grünen positiv – ebenso die dort angedachte rein gewerbliche Nutzung.
Auch bei der SPD ist man froh, dass nun Bewegung in das Projekt kommt. Je länger das Karstadt-Areal ungenutzt und ohne Perspektive sei, desto schwieriger werde eine Vermarktung und eine qualitätvolle Entwicklung, sagt SPD-Fraktionsvize Christa Müller. Zudem sei eine so große Gewerbebrache an zentraler Stelle nicht gut. Den Strabag-Konzern halte man für ein seriöses und potentes Bauunternehmen von internationalem Renommee. Ein großer Vorteil sei, dass die verantwortlichen und handelnden Personen bekannt seien – anders als beim bisherigen eher gesichts- und namenlosen Investor BPI. „Wir wollen, dass es jetzt so schnell wie möglich vorangeht“, so Müller.
Ähnlich die Freien Wähler: „Wir würden es sehr begrüßen, wenn BPI das Karstadt-Areal verkauft und Strabag dort bauen kann“, sagt die Fraktionsvorsitzende Annette Silberhorn-Hemminger. Der Strabag-Konzern habe das Personal und die finanziellen Mittel, um das Projekt stemmen zu können. Die geplante Bebauung sei vielleicht nicht genau das, was man sich dort am meisten gewünscht hätte, aber wichtig sei nun, dass es vorangehe. „Die Alternative wäre, dass sich dort gar nichts tut“, so Silberhorn-Hemminger. Denn rolle man das Projekt wieder neu auf, würde es wohl Jahre dauern bis zu einer Umsetzung. Die nun vorgesehenen kleineren Änderungen bei der Bebauung sehe man aber positiv.
Die Gruppe WIR/Sportplätze erhalten begrüßt ebenfalls, dass Bewegung in die Sache kommt. Nun müsse man aber schauen, was innerhalb des bestehenden Bebauungsplans noch verändert werden könne und verändert werden sollte, sagt Hermann Beck von der Gemeinderatsgruppe.
Die Fraktionsgemeinschaft Linke/FÜR hingegen hätte am liebsten gar keine Bebauung auf dem Karstadt-Areal, sondern einen Park. Dieser würde die Innenstadt aufwerten, man bräuchte keine Tiefgarage „und damit wären Bahnhofstraße und Martinstraße endlich eine richtige Fußgängerzone“, so der Fraktionschef Martin Auerbach. Seine Fraktion habe jetzt beschlossen, zwei Anträge zu stellen: Zum einen fordere man, dass die Stadt das Karstadt-Areal erwirbt und dort eine „Grün- und Blaufläche“ entwickelt. Sollte man bei diesem Antrag unterliegen, beantrage man hilfsweise, dass die Stellplatzquote auf Null abgesenkt wird.
Pläne
Ursprünglich einmal sind 2014 auf dem Karstadt-Parkplatz rund 11 000 Quadratmeter neue Verkaufsflächen in einer Einkaufspassage mit vier Ebenen geplant, darunter eine Tiefgarage und darüber 20 Wohnungen. Nach dem Verkauf des Areals wird die Planung 2017 modifiziert: In der nun „Die Via“ getauften Passage werden die Ladenflächen auf drei Ebenen reduziert und dafür 62 Wohnungen geplant. Wegen drohender Mehrkosten werden die Pläne 2019/2020 erneut verändert. Jetzt sind noch weniger neue Läden, dafür auch Büro- und Gewerbeflächen sowie rund 160 neue Wohnungen geplant.
Genehmigung
Im Jahr 2021 genehmigt der Gemeinderat zähneknirschend den neuen Bebauungsplan. Wegen seiner Höhe und Dichte sorgt das Bauvorhaben für massive Kritik, doch letztlich hoffen die Stadträte, mit ihrem Ja auch die Zukunft von Karstadt zu sichern. Im September 2023 erteilt die Stadt die Baugenehmigung, im Januar 2024 schließt die Karstadt-Filiale. Jetzt plant Strabag auf dem Karstadt-Areal offenbar mehrere Häuser mit bis zu knapp 25 Metern Höhe, rund 140 Wohnungen, eine Tiefgarage sowie Einzelhandel, vor allem im früheren Karstadt-Gebäude. Der Gemeinderat muss den Änderungen aber noch zustimmen, auch der Kaufvertrag mit BPI ist noch nicht unterzeichnet.