Kai Kraning arbeitet bereits im Oberstenfelder Rathaus – der Bauamtsleiter wird nun wohl Bürgermeister. Foto: vanti/Ralf Poller
Kai Kraning tritt als einziger bei der Bürgermeisterwahl in Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg) an. Dass er keinen Gegenkandidaten hat, überrascht ihn – er hat aber auch eine Erklärung.
Eigentlich hätte Kai Kraning Grund, genug sich zu freuen. Seit Montagabend steht fest: Er wird als einziger um Wählerstimmen werben, wenn es darum geht, in Oberstenfeld das Amt des Bürgermeisters mit einer geeigneten Person zu besetzen.
Trotzdem ist die Wahl am 12. Oktober für Kraning kein Selbstläufer – mehr als 50 Prozent der Wähler müssen ihm die Stimme geben. Zu viele ungültige Stimmzettel könnten dem 29-Jährigen noch zum Verhängnis werden. Ohne Gegenkandidaten erscheint es aber unwahrscheinlich, dass die Wähler sich gegen den Alleinbewerber entscheiden, der seit dreieinhalb Jahren das Bauamt in Oberstenfeld leitet.
Kommt bei ihm deshalb Sektlaune auf? „In Sektlaune bin ich noch nicht, die hebe ich mir für später auf“, sagt der 29-Jährige. Er wolle sich jetzt ganz darauf fokussieren, zu erfahren, was den Menschen in der 8000-Einwohner-Kommune wichtig sei.
Das Projekt Bottwarwiesen auf dem ehemaligen Werzalit-Gelände begleitet Kai Kraning seit einigen Jahren fachlich. Foto: avanti/Ralf Poller
Wird der parteilose Kai Kraning gewählt, tritt er in die Fußstapfen von Markus Kleemann, der von 2015 an zehn Jahre lang das Amt in der CDU-Hochburg ausübte und in diesem Jahr zum Oberbürgermeister von Sindelfingen gewählt wurde.
Kleemann hatte es bei seiner ersten Wahl vor zehn Jahren noch mit acht Gegenkandidaten zu tun. Dass sich nun seit Kranings sofortiger Bewerbung niemand mehr meldete, hat auch den designierten Rathauschef überrascht: „Oberstenfeld ist eine attraktive Gemeinde mit Potenzial.“
Baugebiet für 1300 Menschen als Projekt vor der Brust
Der Bauamtsleiter muss es wissen. Er begleitet seit einigen Jahren beispielsweise intensiv das Projekt Bottwarwiesen. Auf dem früheren Werzalit-Gelände sollen sich fast 1300 Menschen ansiedeln. „Wir arbeiten an einem Bebauungsplan bis Ende 2026 – danach kann es mit der Erschließung losgehen.“ Potenzial erkenne er aber auch „im hervorragenden Team des Rathauses, im guten Miteinander des Gemeinderats und der engagierten Bürgerschaft“.
Warum aber niemand gegen ihn antritt? Kraning hat dafür auch keine eindeutige Erklärung. Die Bereitschaft, sich als Bürgermeister einem starken Druck in der Öffentlichkeit auszusetzen, sei rückläufig. „Es ist nachvollziehbar, dass das nicht jeder möchte.“
Er selbst wisse um die enorme Beanspruchung in puncto Erreichbarkeit, Belastbarkeit und Flexibilität. „Für diese Verantwortung habe ich mich bewusst entschieden – mir ist die Gemeinde in den vergangenen dreieinhalb Jahren ans Herz gewachsen.“
Nun war Oberstenfeld finanziell noch nie auf Rosen gebettet. Die Zeiten sind durch die Staatsverschuldung noch schwieriger geworden. Kai Kraning will die Aufgaben so priorisieren, dass sie stemmbar sind: so etwa den Neubau des Feuerwehrhauses, den Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung oder eben die Erschließung der Bottwarwiesen. „Mir geht es um Menschlichkeit und Teamcharakter im Miteinander“, sagt der gebürtige Ludwigsburger, der in Asperg im Jahr 2014 sein Abitur macht und vor sieben Jahren seinen Abschluss an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg schaffte.
Eine wichtige Botschaft aus den Reihen der Bürger habe er schon vernommen: Transparenz. Dafür stehe er: „Die Bürger sollen sich gehört und verstanden fühlen.“ Er wolle mit dem Gemeinderat Entscheidungen nachvollziehbar treffen und sie entsprechend kommunizieren.
Aus diesem Grund wolle er mit den Bürgern in den nächsten Wochen verstärkt ins Gespräch kommen. Langeweile sehe er trotz seiner Alleinkandidatur nicht auf den Wahlkampf zukommen. „Das Zuhören, das Beantworten von Fragen und das Diskutieren unterschiedlicher Perspektiven sorgen für eine lebendige Debatte.“
Die Arbeit im Bauamt ruht nur an einzelnen Tagen
Drei offizielle Vorstellungen der Gemeinde wird es in Oberstenfeld im Bürgerhaus am 1. Oktober, in Gronau in der Mehrzweckhalle am 29. September und im Dorfhaus in Prevorst am 26. September jeweils um 19 Uhr geben. Außerdem wolle er an Ständen ansprechbar sein. Die Arbeit im Bauamt lasse er nur an einzelnen Tagen ruhen.
Ob er nach der Wahl in Oberstenfeld wohnen werde? Kai Kraning gibt an, mit seiner Partnerin eine dauerhafte Beheimatung anzustreben und das möglichst dann auch in der Bottwartalkommune, so es dort eine geeignete Immobilie gebe, sagt der Bauamtsleiter.