Café Stöckle in Stuttgart Rasanter Aufstieg, tiefer Fall eines Bauunternehmers als Gastronom

Das Café Stöckle im Stuttgarter Westen erwarb Alfred Flachs im Jahr 2022 samt der Immobilie. Foto: Michael Weier

Alfred Flachs legte sich in kurzer Zeit fünf Lokale in Stuttgart und Region zu. Nur das Café Stöckle ist noch in Betrieb: Mitarbeiter klagen am Arbeitsgericht ihre Vergütung ein.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Der rasante Aufstieg von Alfred Flachs in der Gastronomie scheint in einem tiefen Fall zu enden. Am Stuttgarter Arbeitsgericht sind 15 Verfahren anberaumt, weil der Stuttgarter Bauunternehmer Löhne und Gehälter von Mitarbeitern seiner Lokale nicht bezahlt haben soll. Ehemalige Verpächter schickten ihm Mahnbescheide wegen Miet- und Nebenkostenausständen. Lieferanten wollen unbezahlte Rechnungen von Inkassodienstleistern eintreiben lassen. Alfred Flachs hatte innerhalb von rund drei Jahren fünf Gaststätten in Stuttgart und der Region übernommen. Davon ist nur das Café Stöckle im Westen der Stadt geblieben. Mit dem Betrieb will er allerdings nichts mehr zu tun haben, seit 1. Januar 2026 hat er das ihm gehörende Lokal an seine Frau Fatma Flachs verpachtet. „Bau ist einfacher, das ist leider meine Erkenntnis“, sagt der 63-Jährige.

 
Der Golfclub Nippenburg in Schwieberdingen. Foto: Simon Granville

Dabei wirkte Alfred Flachs vor nicht allzu langer Zeit noch wie ein Rettungsanker. Mit dem Vereinslokal der Gartenfreunde Grenzacker in Neuwirtshaus, das der Bauunternehmer nach seinen Töchtern Frena-Maria und Clara in Frecla umbenannte, war er im September 2022 in die Gastronomie eingestiegen. Das Café Stöckle im Westen der Stadt kaufte er wenig später der Vorbesitzerin Carmen Gaukler ab, der die Corona-Pandemie ein Loch in die Kasse gerissen hatte.

Freude über den Nachfolger für den Spätzleschwob

Alles sollte beim Alten bleiben, hieß es damals. Die Parole wurde auch ausgegeben, als der Bauunternehmer kurz darauf den Besen 66 an der Weinsteige pachtete. Er wolle „mit der Gastronomie Spaß haben und Leute glücklich machen“, erklärte ein ehemaliger Mitarbeiter das Engagement seines Chefs in der fremden Branche. Auch Nektarios Theodosiadis freute sich im April 2024, seinen Spätzleschwob „in fähige Hände“ übergeben zu können. Kurz zuvor hatte Alfred Flachs außerdem den Zuschlag für das Restaurant im Golfclub Nippenburg bei Schwieberdingen erhalten.

Die Golfer müssen  sich seit rund zwei Wochen ein Vesper einpacken: „Wegen Betriebsurlaub haben wir vorübergehend geschlossen“, heißt es jetzt auf der Webseite von Nippenburg’s by Frecla. Ein ähnlicher Zettel hängt seit einem Jahr im Glaskasten neben der Eingangstüre vom Spätzleschwob im Stuttgarter Westen, der „aufgrund von Krankheit bis auf Weiteres geschlossen“ sei. Im Besen 66 ruht der Betrieb ebenfalls, der Besitzer musste das Lokal sanieren lassen und vermietet es nur noch für private Feiern. Sein erstes Lokal Frecla hat Alfred Flachs an Yorsalem Flachs Abraha verkauft, erklärt er gegenüber unserer Zeitung, sie sei seine ‚Exfrau und Mutter seiner Töchter“.

„Es war Muße“, sagt der Bauunternehmer in dem Gespräch mit der Zeitung über seine Nebenbeschäftigung: „Wenn man mal 50 Jahre Bau macht, will man mal etwas anderes machen.“ Frecla Gastronomiebetriebe GmbH nannte er die von ihm gegründete Firma, die die fünf Lokale betrieb und deren Geschäftsführer er war. Allerdings habe er mit der Gastronomie, außer dass er sich manchmal darüber gefreut habe, nichts zu tun gehabt, betont er. Darin sieht Alfred Flachs auch den Grund für das Scheitern der Lokale: „Wenn man selbst nicht drin steht, hat Gastronomie im Moment mit den Mitarbeitern, die man gerade kriegt, keinen Wert.“

Der Besen 66 an der Weinsteige wird nur noch für private Feiern vermietet. Foto: Kathrin Haasis

Beim Arbeitsgericht sind 15 Termine anberaumt

Von diesen Mitarbeitern haben aktuell 15 am Stuttgarter Arbeitsgericht Klage eingereicht. Ende April stehen elf Gütetermine verschiedener Arbeitnehmer vom Café Stöckle an, jeweils gerichtet gegen die Frecla Gastronomiebetriebe GmbH. „Im Wesentlichen wird dabei rückständige Vergütung für den Monat Dezember 2025, in zweien der Verfahren auch für Januar und Februar 2026 geltend gemacht“, teilt die Pressestelle des Gerichts mit. Bereits am 12. März findet ein Gütetermin eines weiteren Mitarbeiters der Frecla Gastronomiebetriebe am Arbeitsgericht statt. Bei zwei weiteren Verfahren, die im Mai terminiert sind, werden angeblich nicht geleistete Löhne für November und Dezember eingeklagt. Beim 15. Verfahren, das im Oktober stattfinden soll, wird „rückständige Vergütung aus der ersten Jahreshälfte 2025“ verlangt.

Nach knapp einem Jahr wurde der Spätzleschwob wieder geschlossen. Seit vergangenen April ruht der Betrieb in dem beliebten Restaurant im Stuttgarter Westen. Foto: Kathrin Haasis

„Wir können offen und ehrlich schwätzen“, sagt Alfred Flachs zu diesen Vorwürfen: Er habe die Frecla Gastronomiebetriebe GmbH „an eine Investorfirma aus Köln“ verkauft. Den Mitarbeitern habe er mitgeteilt, dass sie sich an den neuen Eigentümer wenden müssten, um ihre Gehälter einzutreiben. Seine Frau Fatma Flachs habe mit dieser Gesellschaft nichts zu tun, weil sie das Café Stöckle erst Anfang Januar übernommen habe. Am 26. Februar erhielten die Kläger dann tatsächlich einen Brief: „Bitte richten Sie sämtliche Ansprüche gegen die Frecla Gastronomiebetriebe GmbH an den neuen Eigentümer Günther Werner Broel“, heißt es in dem Anschreiben.

Bei der weiteren Recherche zeigt sich, dass dieser neue Eigentümer tatsächlich Günter ohne h heißt, dass er 86 Jahre alt ist und dem Handelsregister zufolge seit 2024 fast 20 Firmen vor allem aus dem Baugewerbe und der Gastronomie übernommen und zuvor viele liquidiert hat. Entgegen den Angaben von Alfred Flachs ist der neue Inhaber der Frecla Gastronomiebetriebe GmbH auch „kein Investor aus Köln“ sondern die in Berlin gegründete Quellberg-Park-Projekt-Gesellschaft, die mittlerweile ihren Sitz in Köln hat.* Diese gehört der SI Projektgesellschaft aus Bendestorf und einem Herrn namens Ramadan Salihu aus Gladbeck. Gesellschafter der SI Projektgesellschaft sind wiederum eine weitere Firma und eine weitere Person.

Manchen Mitarbeitern eine Bezahlung in bar angeboten

Für die Mitarbeiter des Café Stöckle, die anonym bleiben wollen, sind die Verhältnisse in dem Betrieb seit geraumer Zeit „sehr undurchsichtig“. Fatma Flachs sei dort schon Ende 2025 als Chefin aufgetreten, berichten sie zum Beispiel, und dass die Frecla Gastronomiebetriebe GmbH eng mit dem Bauunternehmen verwoben gewesen sei. Manchen Mitarbeitern bot Fatma Flachs angeblich an, die wohl ausstehenden Zahlungen in bar zu begleichen, andere scheiterten mit jeglicher Kontaktaufnahme und warten seit Monaten wie Verpächter und Lieferanten auf ihr Geld – während Alfred Flachs in einer Luxuslimousine unterwegs ist. Fatma Flachs teilt gegenüber unserer Zeitung mit, sie habe Mitarbeitern nicht angeboten, ausstehende Zahlungen in bar zu begleichen. Sie werde wohl kaum eine fremde Schuld bezahlen; es gebe dafür überhaupt keinen Anlass.

Warum „ein Investor aus Köln“ die ihrer Meinung nach mit Schulden belastete Frecla Gastronomiebetriebe GmbH ohne einen einzigen noch laufenden Betrieb kaufen sollte, ist den Mitarbeitern ein Rätsel.

*Anmerkung der Redaktion: Im ursprünglichen Text wurde fälschlicherweise Berlin als Firmensitz angegeben. Die Quellberg-Park-Projekt-GmbH wurde in Berlin gegründet, anschließend nach Bendestorf verlagert, der aktuelle Firmensitz befindet sich laut Handelsregister in Köln.

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