VfB-Fans auf dem Schlossplatz – so ausgelassen hat man 2007 gefeiert. Foto: Steffen Honzera
Der Schlossplatz könnte nach dem Public Viewing zum DFB-Pokalfinale mit VfB-Beteiligung erneut länger für Reparaturarbeiten gesperrt werden. Meint zumindest der Hausherr, das Finanzministerium.
Jörg Nauke und Michael Werner
06.05.2025 - 18:38 Uhr
Die Stadt Stuttgart will dem Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart für ein Public Viewing anlässlich des DFB-Pokalfinales am 24. Mai und einer möglichen Siegesfeier am darauffolgenden Sonntag auf dem Schlossplatz einen Zuschuss in Höhe von 275 000 Euro überweisen. Außerdem wird organisatorische Hilfe geleistet, und mit der Polizei will man für die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen sorgen. Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats soll am Mittwoch den Beschluss fassen. Eine Mehrheit schien bisher sicher.
Das Finanzministerium als Hausherr des Schlossplatzes betonte an diesem Dienstag jedoch, es liege weiterhin kein unterschriftsreifer Mietvertrag vor. Es schließt indes nicht aus, dass das Herz der Stadt nach dem Event mit bis zu 35 000 VfB-Fans ähnlich wie im vergangenen Jahr zur Wiederherstellung des Rasens längerfristig gesperrt werden müsste. Kritiker wie die Gruppe Puls sowie Vertreter von SÖS und Die Linke vertreten die Ansicht, der VfB sei wegen der Millioneneinnahmen durch das Erreichen des Finales nicht auf den städtischen Zuschuss angewiesen.
Kontroverse Verhandlungen
Sie verweisen auf Kürzungen im Breitensportetat von rund 640 000 Euro dieses Jahr und die Aussage von OB Frank Nopper (CDU) im Fall eines Öko-Projekts, eine Ausgabe von 80 000 Euro passe „nicht mehr in die finanzpolitische Landschaft. Andere Zeiten erfordern andere Einsichten. Andere Zeiten erfordern andere Signale.“ Zudem hat er Anfang der Woche mit 59 Bürgermeistern auf die desolate Haushaltslage der Kommunen hingewiesen. Aufregerpotenzial hat in diesem Zusammenhang die Einladung von Vertretern der Ratsfraktionen zu einer Reise zum Finale nach Berlin. Puls-Stadtrat Christoph Ozasek macht deutlich, dass eine Annahme des Gratistickets einer objektiven Entscheidung über das Public Viewing entgegen stehe. Die sechs Stadträte, die sich das Finale in Berlin ansehen werden, sehen das anders.
Im vergangenen Sommer war der Schlossplatz lange für Passanten gesperrt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Begründet wird das Public Viewing, für das kein Eintritt erhoben werden soll, damit, dass nur ein kleiner Teil der Fußballfans die Möglichkeit hat, live in Berlin dabei zu sein. Der Zuschuss für den VfB erfolge aus Restmitteln für das Rahmenprogramm (Host City) der Fußball-EM 2024. Die Verhandlungen zwischen dem Land und der Stadt verliefen bisher äußerst kontrovers, weil das Finanzministerium „auch nach mehreren Gesprächen“ darauf bestanden habe, dass der Vertrag über die Nutzung des Schlossplatzes nicht direkt mit dem VfB Stuttgart, sondern – wie üblich – mit der städtischen Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart abgeschlossen wird. Der Pokalfinalist soll aber „unmittelbar gegenüber dem Land haften“. Hintergrund: Wenn zigtausende Fans die gerade erst vorgenommene Bepflanzung zertrampeln, fallen hohe Reparaturkosten an. Das Finanzministerium schließt unterdessen nicht aus, dass der Schlossplatz nach dem Fanfest länger gesperrt werden muss.
Auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung, ob damit zu rechnen sei, dass der Schlossplatz wie im vergangenen Jahr nach dem Public Viewing zur Fußball-EM wieder über den Großteil des Sommers hinweg für Passanten gesperrt werden könnte, antwortete ein Ministeriumssprecher: „Das kommt am Ende darauf an, in welchem Zustand sich der Schlossplatz nach dem Public Viewing befindet.“
„Je nach Beanspruchung muss der Platz danach möglicherweise wieder zu Wiederherstellungsarbeiten gesperrt werden“, teilt der Ministeriumssprecher mit. „Im Moment noch“ gehe er jedoch davon aus, dass im Anschluss an ein erneutes Public Viewing und eine eventuelle Siegesfeier anders als nach der EM keine Komplettsperrung des Schlossplatzes erforderlich sein werde, sondern nur vereinzelt Stellen ausgebessert werden müssten. Seine Zuversicht begründet der Sprecher mit der relativen Kürze der Pokal-Feierlichkeiten im Vergleich zur EM: „Dadurch sollten die Schäden nicht das gleiche Ausmaß annehmen“, teilt das Finanzministerium mit. Und weiter: „Die Rasenflächen werden so spät wie möglich abgedeckt und so früh wie möglich wieder aufgedeckt, um das Risiko für größere Rasenschäden zu minimieren. Dadurch sollten sich die Instandsetzungsarbeiten in Grenzen halten.“ Der Ministeriumssprecher schließt jedoch auch eine längerfristige Sperrung des Schlossplatzes nach einem Public Viewing nicht aus: „Dennoch bleibt natürlich insbesondere ein witterungsbedingtes Restrisiko.“
Im vergangenen Jahr war der Schlossplatz vor dem Eröffnungsspiel am 14. Juni komplett gesperrt worden. Viele Stuttgarter waren damals davon ausgegangen, dass der Schlossplatz nach dem Endspiel am 14. Juli wieder zugänglich werden würde. Doch wegen der Wiederherstellung des Rasens und der Schotterwege blieb der Schlossplatz nach der EM bis zum 12. September komplett gesperrt. Auch wenn den Stuttgartern eine dreimonatige Sperrung des Schlossplatzes erspart bleiben sollte, so käme das Public Viewing aus gärtnerischer Sicht Ende Mai zur Unzeit.