Die VHS Böblingen-Sindelfingen senkt die Gebühren für Deutschkurse auf 290 Euro für 100 Stunden. Hintergrund ist die Streichung von freiwilligen Leistungen durch den Bund.

Die Volkshochschule (VHS) Böblingen-Sindelfingen senkt ab sofort drastisch die Kursgebühren für Deutschkurse, und zwar auf 290 Euro pro 100 Stunden. Mit dem Schritt will die Bildungseinrichtung – eigenen Angaben zufolge eine der größten Volkshochschulen im Land und der größte Träger von Integrationskursen in der Region Stuttgart – ein deutliches Zeichen setzen.

 

Sämtliche Kurse in Gefahr

Denn das Bundesinnenministerium, das die politische und administrative Aufsicht über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) hat, gewährt Migrantinnen und Migranten, die nicht von den Jobcentern oder den Agenturen für Arbeit zur Teilnahme an Deutschkursen verpflichtet wurden, nun nicht mehr die Übernahme der Kosten.

Von der Streichung der freiwilligen Leistungen für Deutschkurse betroffen seien ungefähr 35 Prozent der Teilnehmer, erklärt Christian Fiebig, Geschäftsführer der VHS Böblingen-Sindelfingen. „Wenn jedoch an allen unserer Kurse 35 Prozent weniger Lerner teilnehmen würden, wären sämtliche Kurse finanziell gefährdet“, fügt er hinzu.

„Wir sind uns unserer Verantwortung für den Wirtschaftsstandort im Landkreis Böblingen bewusst“, so der VHS-Geschäftsführer weiter. „Ohne Sprachkenntnisse gibt es keine Integration in den Arbeitsmarkt und ins soziale Leben. Im Moment lernen bei uns 4174 Erwachsene, darunter überwiegend EU-Bürger, die als Fachkräfte nach Deutschland gekommen sind, täglich vier Stunden Deutsch“, fasst Fiebig zusammen.

VHS appelliert an Arbeitgeber

Um die Kurse zu erhalten, senke die VHS Böblingen-Sindelfingen die Preise für Deutschkurse nun auf besagte 290 Euro pro 100 Stunden. Andere Bildungsträger verlangten bis zu 490 Euro. „Durchschnittlich benötigt man 700 Stunden, um Deutsch zu lernen“, so Fiebig. Wer den Kurs selbst bezahle, investiere somit 2030 Euro in die Chance, anschließend am Arbeitsleben teilnehmen zu können und zum Beispiel als Durchschnittsverdiener 56 400 Euro in Deutschland im Jahr zu verdienen. „Diese Investition hat mehr Rendite als Gold“, so Fiebig weiter, und appelliert an Firmen und Arbeitgeber, Beschäftigte bei der Finanzierung der Kursgebühr zu unterstützen.

Das Bundesamt hatte die Träger von Integrationskursen am vergangenen Montag informiert. Begründet wurde die Entscheidung unter anderem damit, die Kurse wieder auf ihren eigentlichen Auftrag zurückzuführen – vor allem jene Menschen zu fördern, die in Deutschland bleiben.