Dienstvilla am Schloss Solitude Wohnt hier bald wieder ein Ministerpräsident?
Winfried Kretschmann wollte nie einziehen - die Dienstvilla des Ministerpräsidenten am Schloss Solitude ist seit Jahren an die Firma Trumpf vermietet. Bleibt das so?
Winfried Kretschmann wollte nie einziehen - die Dienstvilla des Ministerpräsidenten am Schloss Solitude ist seit Jahren an die Firma Trumpf vermietet. Bleibt das so?
„3000 Euro Miete, so plus minus, natürlich kalt, unmöbliert, das ist mir einfach zu teuer für eine Zweitwohnung. Und ich bin Schwäbin!“ Das sagte einst Gerlinde Kretschmann, als sie gefragt wurde, warum sie und ihr Ehemann, der Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nicht in die landeseigene Dienstvilla am Schloss Solitude einziehen. Wurde es spät, übernachtete Kretschmann im Dachgeschoss seines Dienstsitzes auf Stuttgarts Halbhöhe, der Villa Reitzenstein.
Nach der Landtagswahl wird es einen neuen Ministerpräsidenten in der Villa Reitzenstein geben – und der dürfte auch die Dienstvilla beziehen, die zwischen Botnang, Weilimdorf und Gerlingen sehr idyllisch an den Pferdekoppeln bei Herzog Karl Eugens Lustschloss liegt. Seit 2013 ist das Anwesen aus den späten 1960er Jahren an den Ditzinger Maschinenbauer Trumpf vermietet. Dieser Mietvertrag sei unbefristet, heißt es aus dem zuständigen Finanzministerium. Das Unternehmen nutzt die Villa als Tagungszentrum.
„Sofern der Ministerpräsident die Dienstvilla gerne beziehen möchte“, sagt eine Ministeriumssprecherin, „würde mit dem aktuellen Mieter die Beendigung des Mietverhältnisses abgestimmt werden.“ Im Fall der Fälle könnte das Wohnhaus demnach „voraussichtlich innerhalb von wenigen Monaten bezugsfertig hergerichtet werden“.
Nachfrage bei den beiden Spitzenkandidaten, die die größten Chancen haben, Kretschmanns Nachfolge anzutreten: Manuel Hagel von der CDU und Cem Özdemir von Büdnis 90/Die Grünen. Würden sie denn überhaupt einziehen wollen? „Wir kümmern uns um die Themen, die die Menschen im Land beschäftigen – und nicht um mögliche Dienstvillen“, heißt es aus der CDU. „Familie Hagel ist Ehingen außerdem verbunden – egal welches Amt Herr Hagel ausübt.“ Manuel Hagel und seine Frau Franziska haben drei Söhne. Dem „Südkurier“ hatte Franziska Hagel im Februar gesagt, nach der Wahl wolle die Familie in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) wohnen bleiben. Von den Grünen gab es zu dem Thema bis Redaktionsschluss keine Rückmeldung.
Zuletzt hat der CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger in der Villa in unmittelbarer Nachbarschaft zum Graevenitz-Museum gewohnt. Dort blieb er auch, als er schon EU-Kommissar war. Denn seine Nachfolger wollten nicht auf Stuttgarts waldige Höhe ziehen. Stefan Mappus (CDU) und seine Familie blieben in ihrem Privathaus in Pforzheim wohnen. Genauso wie Winfried Kretschmann und dessen Frau in ihrem umgebauten Bauernhaus in Sigmaringen-Laiz. Als Oettinger dann 2011 eine passende Behausung in Brüssel fand, stand die Dienstvilla erst einmal leer, bis Trumpf Mieter wurde.
Wie viel Miete genau ein Ministerpräsident heute für die Villa zahlen müsste, verrät das Finanzministerium nicht. Nur so viel: „Bei einem Einzug des künftigen Ministerpräsidenten müsste die aktuelle Höhe der Miete unter Berücksichtigung beispielsweise der dann relevanten Wohnungsausstattung ermittelt werden.“
Die Villa wurde in den Jahren 1968 und 1969 gebaut. Damals wurde sie auf die Bedürfnisse der Familie von Hans Filbinger (CDU) zugeschnitten – der Ministerpräsident hatte fünf Kinder. Im Keller ließ Filbinger ein Schwimmbad einbauen. Zuletzt, heißt es vom Finanzministerium, wurde das Gebäude 2006 grundlegend renoviert. Und auf welchem Stand ist die fast 60 Jahre alte Villa energetisch? „An der Immobilie wurden in den vergangenen Jahren keine energetischen Sanierungen durchgeführt.“