Klein-Hollywood auf dem Schotterplatz (rechts), transportable Signs in Nagold und Sindelfingen. Foto:
Von Kornwestheim bis Backnang – auch in anderen Gemeinden gibt es große Stadt-Schriftzüge. Sie kosten allerdings einen Bruchteil von dem, was in Stuttgart geplant ist. Ein Überblick.
470.000 Euro soll ein riesiger neuer Stuttgart-Schriftzug auf dem Marktplatz kosten. So hat es der Gemeinderat im Dezember beschlossen. Mannshohe Buchstaben und eine aufwendige LED-Beleuchtung – das schwebt der CDU vor, die den Antrag dazu gestellt hatte.
Seither wird diskutiert, ob diese Investition in Zeiten sehr knapper Kassen (800 Millionen muss Stuttgart in den kommenden zwei Jahren sparen) notwendig und klug ist. Aber auch: Warum das nicht einfacher und billiger geht. Immerhin stehen in anderen Städten der Region weitaus günstigere Exemplare eines solchen Stadt-Signets. Was ist in Stuttgart geplant? Und wie haben es andere Kommunen im Land gelöst? Ein Überblick:
Seit Dezember 2025 soll das Kornwestheim-Sign ein bisschen Hollywood-Atmosphäre in der Gemeinde verbreiten. Allerdings steht es bisher nicht wie das berühmte Vorbild fotogen in den Hügeln, sondern in der Güterbahnhofstraße auf einer Brachfläche vor dem Parkhauseingang. 2,30 Meter hoch und 1,90 Meter breit ist das Fotomotiv, ohne LEDs und kostete laut Stadtverwaltung 9000 Euro – und damit 50 mal weniger als das, was in Stuttgart geplant ist. „Der Schriftzug ist ein modernes, positives Statement für unsere Stadt“, sagte Oberbürgermeister Nico Lauxmann unserer Zeitung. „Er lädt dazu ein, Kornwestheim sichtbar zu machen – sei es auf Fotos, in den sozialen Medien oder einfach als Treffpunkt vor Ort.“ Außerdem soll er die Aufenthaltsqualität steigern – und deshalb von der Brachfläche aus auch an andere Orte in der Stadt ziehen.
4,80 Meter lang, 2,20 hoch und 1,20 tief – so steht das weiße Sindelfingen-Sign seit 2023 an wechselnden Orten der Stadt. Die Idee dazu entstand in einem Bürgerbeteiligungsprozess, gekostet hat es laut Felix Rapp, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sindelfingen, unter 20.000 Euro. Zumindest in Sympathiebekundungen zahlt sich das aus. Man erhalte zum Sindelfingen-Schriftzug „zahlreiche positive Rückmeldungen“. Auch werde das Sign „häufig als Fotomotiv von Bürgern und Besuchern genutzt und in den sozialen Netzwerken geteilt. „Zusätzliche Aufmerksamkeit entsteht, wenn der Schriftzug thematisch gestaltet ist, etwa zu Ostern, Weihnachten oder anlässlich besonderer Ereignisse wie der Fußball-Europameisterschaft“, so Rapp.
Mit 18.000 Euro blieb auch das Nagolder Exemplar unter der 20.000-Euro Marke. Es ist sieben Meter lang, 1,20 tief und 1,60 hoch. Finanziert wurde es über das Budget des Stadtmarketings, heißt es von der Stadt im Landkreis Calw. Wie auch das Sindelfinger Sign wurde es von der Stuttgarter Firma Duktus hergestellt und wechselt zwei bis drei mal pro Jahr seinen Standort. „Der Schriftzug wird sehr gut angenommen und hat eine große Wirkung“, sagt eine Stadtsprecherin. Er werde regelmäßig fotografiert und auf Social Media geteilt. Genaue Zahlen erhebe man dazu aber nicht.
Die Urheber sind bis heute offiziell unbekannt: Backnang-Schriftzug am Murrtalviadukt. Foto: René Straube
Guerilla-Aktion: Backnang
Im Corona-Jahr 2020 installierten Unbekannte über der Ausfahrt Stadtmitte der Bundesstraße 14 einen Backnang-Schriftzug. Im Jahr darauf erneuerten sie diesen mit Lettern in Regenbogenfarben. Bis heute sei eine „gesicherte Urheberschaft der Stadt nicht bekannt“, heißt es aus dem Backnanger Rathaus. Deshalb wisse man auch nichts zu Herstellung, Kosten oder Finanzierung. Allerdings: „Aufgrund des hohen Sympathiewerts in der Bevölkerung kümmert sich die Stadt inzwischen um den Unterhalt des Schriftzugs und hat sich gegenüber dem Regierungspräsidium dafür eingesetzt, dass das Objekt erhalten bleibt.“ Seine Platzierung an der Bundesstraße mache das Sign für Selfies eher ungeeignet. „Vielmehr ist es Teil des Stadtbilds und markiert den Ortseingang.“
Bereits jetzt gibt es in Stuttgart ein Sign auf der Königstraße. Das neue soll spektakulärer werden. Foto: Lichtgut
Premium-Lösung: Stuttgart
Auch in Stuttgart gibt es bereits zwei Schriftzug-Varianten: eine vor dem Stadtpalais, die andere auf der Königstraße vor dem Pusteblumen-Brunnen. Der CDU-Fraktion im Gemeinderat reichen diese einfacheren Modelle aber nicht. Ihnen schwebt die große Lösung vor: „Personenhoch“ und mit LED-Leuchten bestückt soll das Sign auf dem Marktplatz werden, „sodass es in unterschiedlichen Farben leuchten, man darauf auch Grafiken und Videos darstellen kann“, sagte Fraktionschef Alexander Kotz unserer Zeitung. „So könnte der Schriftzug zum Tag der Deutschen Einheit mit bewegten Schwarz-rot-gold-Farben leuchten, zum CSD in Regenbogenfarben oder auch mit der skizzierten Skyline von Stuttgart.“ Die CDU erhofft sich davon eine große Werbewirkung für Stuttgart als Touristenstadt. Besucher sollen Fotos davon in die Welt des Internets tragen.
Die genaue Ausgestaltung der Stadt-Marke muss nun erst erarbeitet werden. Außerdem ist der Doppelhaushalt noch nicht vom Regierungspräsidium genehmigt.
Vorbild für Stuttgart: das Toronto-Sign. Foto: IMAGO/ZUMA Press
Das Vorbild: Toronto
Eine Idee von dem, was in Stuttgart entstehen könnte, vermittelt der Blick ins kanadische Toronto. Von dort hatte CDU-Gemeinderat Carl-Christian Vetter die Idee bereits 2019 von einer Reise mitgebracht, wie er damals unserer Zeitung erzählte. Für den Haushalt 2024/25 scheiterte die CDU mit einem entsprechenden Antrag an der ökosozialen Mehrheit. Laut Wikipedia wurden die bunt leuchtenden Buchstaben in Toronto bereits 2015 für die Pan American Games als temporäre Attraktion installiert.
760.000 kanadische Dollar
Der Schriftzug ist drei Meter hoch und 22 Meter lang, LED-beleuchtet und kann geschätzt in 228 Millionen verschiedenen Farbkombinationen leuchten. 2020 ersetzte die Stadt die Installation durch permanente Buchstaben. Kostenpunkt: 760.000 kanadische Dollar, was kurioserweise exakt den für Stuttgart veranschlagten 470.000 Euro entspricht. Bezahlt wurde das kanadische Sign allerdings nicht nur aus den Reserven der Stadt, sondern auch durch ein Crowdfunding, an dem sich jede und jeder beteiligen konnte.