Don Ya bietet neues Street Food für Stuttgart Der wohl schnellste Mittagstisch in der Schulstraße

Schnell, günstig und praktisch: der Business Lunch im neuen Lokal Don Ya von Elisabeth Rintzel Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Mit Reisbowls will Elisabeth Rintzel Gäste in die schmale Gasse zwischen Marktplatz und Königstraße locken. Don Ya heißt ihr neues Lokal an einem Standort, an dem einige Gastronomen gescheitert sind. Aber sie setzt auf einen anderen Erfolgsfaktor.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Bestellt, bezahlt und kaum hingesetzt – schon serviert Elisabeth Rintzel die Reisbowl. „Die Leute haben wirklich keine Zeit“, sagt die Gastronomin. Ende März hat sie in der Schulstraße ihr neues Lokal Don Ya eröffnet. Reis mit Tofu, Hühnchen, Schweine- oder Rindfleisch stehen auf der Speisekarte, eine Schüssel für 10,50 bis 13,50 Euro. „Die Gäste wollen nicht viel zahlen“, weiß sie. „Schnell, günstig und praktisch“ lautet deshalb ihr Konzept für den Standort, an dem allein seit 2022 drei Vorgänger gescheitert sind. Die schmale Fußgängerzone zwischen Stuttgarter Marktplatz und Königstraße ist nach wie vor von häufigem Wechsel und Leerstand geprägt. Der Eigentümer Florian Henneka hatte trotzdem keine Probleme, Nachmieter für seine Fläche zu finden. Seiner Meinung nach ist die Schulstraße längst auf dem Weg der Besserung.

 

Erst die Bar neun eröffnet mit Bubble Tea

Wenn jemand an den Standort glaubt, dann muss es Elisabeth Rintzel sein. Vor eineinhalb Jahren zog sie auf der gegenüber liegenden Seite mit Bubble Tea ein, weil es ein Lieblingsgetränk von ihr ist. Der Laden läuft, und das ist umso bemerkenswerter, weil an der Ecke am Marktplatz die groß aufgezogene Kette Bobaaz nach nicht einmal einem Jahr mit dem gleichen Getränk scheiterte. Am Anfang sei wenig los gewesen in ihrer Bar Neun, räumt sie ein. „Wir müssen was tun“, sagte ihre Mutter. Beim Brainstorming kam  die Familie auf chinesische Crèpes: Bianjing gefüllt mit Cracker, Salat, Ei und wahlweise Wurst, Kartoffel, Fleisch oder Nudeln und Käse brachten den Durchbruch. Dazu läuft K-Pop, die Popmusik aus Korea, in der Dauerschleife. „Die jungen Leute lieben es“, freut sich Elisabeth Rintzel. Ihrer Ansicht nach ist der Standort für den Erfolg von Don Ya auch nicht entscheidend, sondern ein ganz anderer Faktor.

Foto: Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski

„Ich glaube an meinen Papa“, sagt Elisabeth Rintzel, „er ist ein sehr, sehr guter Koch.“ Ihre Eltern betrieben viele Jahre in Ostfildern das Restaurant Da Shanghai, wegen der gastronomischen Unternehmungen von Tochter und Schwiegersohn kehrten sie aus dem Ruhestand zurück. Don Ya ist der japanische Name für Reisbowl. Sie hat sich dann aber auf ihre Wurzeln besonnen: Eine Schüssel mit Reis ist in China das klassische Mittagessen. Als Vorbild für das neue Restaurant diente außerdem eine chinesische Kette namens Yoshinoya, die Business Lunch serviert. „Ich will unsere Originalgerichte den Stuttgartern beibringen“, sagt Elisabeth Rintzel. Reis mit Rührei und Tomaten kocht ihr Vater, mit Tofu, mit Teriyaki-Hähnchen, geschmortem Schweinefleisch, Rindfleisch-Curry oder knuspriger Ente. Auf Wunsch gibt es die Bowls mit selbst gemachten Nudeln.

„Die Qualität ist wichtig“, hat Florian Henneka als Vermieter gelernt. Und dass die Schulstraße „eine schnelle Straße“ ist, in der die Passanten nicht lange auf ihr Essen warten wollten. „Es muss für die Leute auch klar verständlich sein, was sie kriegen“, glaubt der Inhaber von Korbmayer. Maultaschen vom Herr Kächele funktionierten deshalb seit Jahren, die Hofpfisterei oder My Currywurst. Hat der Kundschaft also die Geduld für Pinsa gefehlt, die zuletzt in der Schulstraße 4 zu haben war? „Wenn etwas nicht läuft, dann lieber ein schnelles Ende“, sagt Florian Henneka, der seine Mieter mit einer vom Umsatz abhängigen Pacht unterstützt. Die Dönastie machte wegen Zahlungsunfähigkeit nach fünf Monaten dicht. Beim Nachfolger Burger Heart führten wohl firmeninterne Unstimmigkeiten zum Rückzug.

Den Tiefpunkt in der Schulstraße überwunden

Der mit dem Rückzug von McDonald’s aus der Schulstraße vor vier Jahren und der folgenden Pandemie verbundene Tiefpunkt mit einem halben Dutzend Leerstände scheint immerhin überwunden zu sein. Zuletzt gab das Süßigkeitengeschäft House of Candies auf. Dafür zog kürzlich am Marktplatz ein Beauty-Geschäft ein. Laut Florian Henneka sind die meisten Objekte mittlerweile zu klein für Handelskonzepte, zumal der Handel an sich auf dem Rückzug ist. Dass sich in manchen verwaisten Läden nichts tut, liegt daran, dass sie ebenfalls in Lokale umgewandelt werden sollen, was eine Genehmigung vom Baurechtsamt erfordert.

Das nächste Projekt nach Don Ya ist geplant

„Gastronomie tut der Schulstraße gut“, findet der Korbmayer-Chef, „in den Köpfen der Menschen ist sie längst eine Fressgasse.“ Für den Erfolg sei der Mix an „unterschiedlichen kulinarischen Geschichten“ entscheidend, Don Ya passte für ihn deshalb an der Stelle. Denn ein weiterer Döner sollte es nicht sein, seit Lukas Podolski sich mit seinem Mangal-Imbiss angesiedelt hat. Cafés gibt es mit dem Glora Gusto und dem neuen portugiesischen Jami ebenfalls genug. Wer es ganz authentisch mag, dem tischt Min Xia, der Vater von Elisabeth Rintzel, geschmorte Schweinefüße oder Schweinebauch mit Senfkohl und Reis auf. Sie würde überall einfach nur ihre „Lieblingssachen“ servieren, erklärt seine Tochter ihr Erfolgsrezept. Wo andere aufgeben, kann sie vielleicht deshalb zugreifen. Das nächste neue Projekt ist bereits in Planung – im geschlossenen Jones Donuts bei der Calwer Straße.

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