Dunkelflaute bei Erneuerbaren RWE-Chef warnt vor Stromengpässen im Winter – das sagt die EnBW

RWE-Chef Markus Krebber (links) und EnBW-Vertriebsvorstand Dirk Güsewell fordern von der Bundesregierung Weichenstellungen für wasserstofffähige Gaskraftwerke. Foto: imago/EnBW

Wenig Sonne, wenig Wind: Eine Dunkelflaute bringt die Erneuerbaren zeitweise zum Erliegen. Der RWE-Chef warnt vor dramatischen Engpässen – die EnBW sieht es anders.

Digital Desk: Jonas Schöll (jo)

Im vergangenen Monat haben Erneuerbare Energien die Schwachstellen im deutschen Stromsystem so richtig offengelegt: Zum Beispiel an den Tagen vom 5. bis zum 11. November. Es herrschte typisches Herbstwetter: kalt, regnerisch und die Sonne ließ sich hinter den dicken Wolken nur selten blicken. Am 6. November kam dann noch dazu, dass der Wind in ganz Deutschland so gut wir gar nicht wehte.

 

Dunkelflaute heißen diese Phasen, in denen zeitweise weder Solar- noch Windenergie erzeugt werden kann. Das hat Folgen: Am Abend erreichte der Strompreis an diesem Tag kurzfristig über 800 Euro pro Megawattstunde – ein zehnmal höherer Wert als üblich. Der Knackpunkt: Weil Strom in größeren Mengen nicht gespeichert werden kann, steht in einem solchen Fall keine Alternative zur Verfügung, außer den Kohlekraftwerken.

Droht bei Dunkelflaute im Winter der Blackout?

Die aber werden nach und nach abgeschaltet. Das zeige, wie wacklig die deutsche Stromversorgung sei, warnt der Chef von Deutschlands größtem Energieversorger RWE, Markus Krebber. Der Strommanager schlägt Alarm: „Diese sehr hohen Preise sind eine absolut sichere Indikation für den Zustand der Versorgungssicherheit in Deutschland. Sie sind Ergebnis des zu knappen Angebots“, schreibt er in einem Beitrag auf der Plattform LinkedIn. An Tagen mit hoher Nachfrage, etwa im Januar, hätte Deutschland den Strombedarf bei einer Dunkelflaute wie Anfang November „nicht bewältigen“ können.

Das wirft die Frage auf: Ist die deutsche Stromversorgung im Winter gefährdet? Dirk Güsewell, Vertriebschef bei Baden-Württembergs großem Energieversorger EnBW, teilt die Befürchtungen des RWE-Chefs nicht: „Ein ’Strom-Kollaps’ droht nach unserer Einschätzung aktuell nicht“, sagte der Manager. Er räumt aber ein: „Es ist richtig, dass der Markt zeitweise Knappheit signalisiert hat.“ Jedoch gewährleisteten ausreichende Reserven im Stromsystem, dass es nicht zu unfreiwilligen Abschaltungen komme.

Kohlekraftwerke springen in die Bresche

Gegenwind bekommt der RWE-Chef auch aus der Wissenschaft. Leonhard Probst, Energieexperte des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg, kritisiert: „Die Verbreitung von Ängsten vor einem Strom-Kollaps ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar.“ Ein Blackout durch die Dunkelflaute, wie ihn Gegner der Energiewende gerne prognostizieren, habe zu keinem Zeitpunkt gedroht.

„Während Zeiten sehr geringer Erzeugung aus Solar- und Windenergie können wir aktuell noch auf ausreichend Produktionskapazitäten mit fossiler Verbrennung zurückgreifen,“, sagt Probst. Denn als die Wind- und Solarkraftwerke im November ausfielen, sprangen die verbliebenen deutschen Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke, Gaskraftwerke und sogar Ölkraftwerke in die Bresche. Zudem wurde ein Großteil des Strombedarfs durch Importe gedeckt.

EnBW-Vorstand fordert: „Disponible Leistung und dies schnell“

Im gesamten November lag der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bei knapp 50 Prozent – also etwa zehn Prozent unter dem aktuellen Jahresdurchschnitt. „Mittel- und langfristig dürfen wir natürlich nicht nur Kraftwerke abschalten, sondern müssen uns zuvorderst auf das Zuschalten konzentrieren“, fordert Fraunhofer-Experte Probst. Gemeint sind neue wasserstofffähige Gaskraftwerke, die als Back-ups bereitstehen, wenn Sonne und Wind als Energiequelle ausfallen.

Einig sind sich EnBW-Vorstand Güsewell und RWE-Chef Krebber in ihren Forderungen an die Politik, die Weichen für die neuen Kraftwerke zu stellen. Doch das Kraftwerkssicherheitsgesetz der Bundesregierung, dass diesen Zubau regeln soll, steht seit dem Aus der Ampel-Koalition vor wenigen Wochen auf der Kippe. Das Land brauche „zwingend weitere gesicherte, disponible Leistung und dies schnell“, mahnt Güsewell. Blackouts seien zwar nicht zu befürchten, aber er räumt ein: „Jede Preisspitze ist eben ein Knappheitsindikator und diese Situationen nehmen aktuell zu.“

Warum Investoren bei Gaskraftwerken zögern

Ohnehin fordert die Energiebranche deutliche Nachbesserungen an der Kraftwerksstrategie. „Hier wird aktuell viel zu wenig investiert“, bemängelt Güsewell. Grund für die Zurückhaltung der Investoren seien seiner Meinung nach die zu hohen Risiken – zum Beispiel bei der Frage, ob in Zukunft ausreichend Wasserstoff verfügbar sein wird. Von der künftigen Bundesregierung fordert Güsewell schnell Planungssicherheit. Zudem sollten die Kraftwerke netzdienlich seien – „also insbesondere im Südwesten“ entstehen.

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