Ein Raum für die Kreativität
Creators Space, Raum für Schöpfer, heißt das innovative Büroprojekt. „Wir richten uns an Firmen, die schon am Markt etabliert sind und die in den kommenden Jahren durchstarten wollen.“ Scale-ups, also „Vergrößerer“, heißen im Innovationsjargon junge Unternehmen, die nach ersten Erfolgen rasant wachsen wollen.
Sie sind entscheidend, wenn in der Region im größeren Maßstab neue Arbeitsplätze entstehen sollen. „Wir haben in Stuttgart ein Problem: Wenn Start-ups in dieser Phase angelangt sind, verlassen sie die Region“, sagt Aechtler. Zentraler Faktor: Kreative Firmen wollen in die Nachbarschaft von ähnlich innovativen Unternehmen.
„Start-ups möchten in die Innenstadt, weil es dort cool ist. Wer bei uns reinkommt, konzentriert sich ganz darauf, erfolgreich zu sein,“ sagt Aechtler.
Mieter sollen kommunikativ sein
Wer im Creators Space einzieht, soll bereit sein, für andere Firmen Impulse zu liefern: Über Vorträge, persönliche Begegnungen und informellen Austausch. Aechtler selbst wird als Innovationsberater agieren. Die ersten Unternehmen sollen Anfang 2025 einziehen. Die meisten werden aus dem IT-Bereich kommen. Zielgruppe für die insgesamt 120 Arbeitsplätze auf 2000 Quadratmetern sind Firmen mit 10 bis 20 Mitarbeitern, die bald auf 50 bis 100 wachsen wollen. „Wir wollen für maximal zwei Jahre der Durchlauferhitzer sein,“ sagt Aechtler. Die Sternhöhe mit insgesamt 110 000 Quadratmetern Nutzfläche biete anschließend nebenan die Möglichkeit zur Expansion, sagt Aechtler. Zwar wird man keine Flächen im voraus reservieren können. Doch der Leerstand ist aktuell noch groß genug.
Preisgekrönt durch Wirtschaftsförderung
Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) hat das Konzept in einem Wettbewerb der kreativsten Büroideen rund um Stuttgart mit einem Sonderpreis für Quartiersentwicklung ausgezeichnet. „Uns hat insbesondere die Variabilität überzeugt“, sagt der Leiter des Geschäftsbereichs Kreativwirtschaft, Veit Haug: „Ich kenne dafür nicht viele Beispiele.“
Die Belebung der alten Daimlerzentrale sei für die Region ein Testfall: „Die Zukunft liegt im Mehrwert jenseits der reinen Büroflächen.“ Der Standort Sternhöhe brauche dafür mehr buntes Leben. Auch die Stadt Stuttgart fördert deshalb das Büro-Projekt mit 460 000 Euro auf drei Jahre.
Ankermieter Bechtle hofft auf mehr Campus-Leben
Der 2023 auf dem Campus eingezogene mittelständische IT-Dienstleister Bechtle, der – noch vor Corona und Homeoffice – ein ganzes Gebäude auf dem Campus gemietet hat, wünscht sich ein noch stärkeres Engagement der Stadt. „Sie muss im Wettbewerb mit anderen Standorten einen Pflock einschlagen“, sagt Alexander Hofmann, Geschäftsführer am Stuttgarter Bechtle-Standort. Er hofft auf den Creators Space als Katalysator.
Immerhin ist inzwischen eine Kantine auf dem Gelände im Bau. Doch für anderes ist die restriktive Baugenehmigung aus den 1980er-Jahren im Weg.
Baugenehmigung aus den 1980er- Jahren als Hindernis
Noch zu Daimler-Zeiten war der nachträgliche Bau einer Kindertagesstätte für die Mitarbeiter am Rande des Geländes schwierig. Nun ist die geplante Ansiedelung eines Sportstudios erst einmal gescheitert. Es habe eine Voranfrage zur Nutzungsänderung von Büroflächen in ein Fitnesszentrum gegeben, bestätigt die Stadt Stuttgart. Aber man habe dies ablehnen müssen. Solche Angebote für Externe sind laut Baugenehmigung aus den Achtzigerjahren, die einen reinen Bürostandort im Blick hatte, nicht erlaubt.
Die Stadt macht wenig Hoffnung, dass die Restriktionen rasch aufzuheben sind: „Auch kleinere Änderungen erfordern ein Bebauungsplanverfahren“, sagt eine Sprecherin – das dauere etwa drei Jahre. Eine Studie, ob im ganzen Möhringer Gewerbegebiet die zulässigen Nutzungen geändert werden könnten, werde im ersten Quartal 2025 beauftragt.
Vision vom Kreativfestival
„Wenn sie mich fragen – das ist nicht nachvollziehbar“, sagt Bechtle-Geschäftsführer Hofmann. „Ich bin realistisch: Die Stadt tut was sie kann“, sagt Aechtler. Er hat eine Idee, wie er mehr Farbe auf das Gelände bringen könnte.
Er träumt davon, zusammen mit dem dem nahen SI-Zentrum und mithilfe seiner Kontakte in die Musikszene an der Sternhöhe ein Innovations-Festival aufziehen. „Das wäre ein Festival des Arbeitens – mit Musik, Kreativgeschichten oder Filmen,“ sagt Aechtler. Das, so hofft er, wäre eine Chance für den Imagewandel der Ex-Konzernzentrale.