Ehemalige Daimler-Zentrale in Stuttgart Neuer Mieter wünscht sich Leben auf dem Campus
Allmählich füllen sich die Büros in der ehemaligen Daimler-Zentrale in Stuttgart-Möhringen wieder. Doch der Weg zum kreativen Begegnungsort ist noch weit.
Allmählich füllen sich die Büros in der ehemaligen Daimler-Zentrale in Stuttgart-Möhringen wieder. Doch der Weg zum kreativen Begegnungsort ist noch weit.
Von außen strahlen die Gebäude der ehemaligen Daimler-Zentrale an der Sternhäule in Stuttgart-Möhringen immer noch die kühlen Machtstrukturen eines Weltkonzerns aus. Doch nicht nur die Tage des silbernen Daimlersterns auf dem höchsten Büroturm sind gezählt. Nun ist auch der bisher größte neue Mieter eingezogen, der darauf hofft, dass das weitläufige und immer noch weitgehend leer stehende, inzwischen Sternhöhe genannte Gelände zum Begegnungsort wird. Nur vier der zehn Gebäude sind zurzeit belegt. Wenn die letzten Mercedes-Mitarbeiter zum Jahresende ausziehen, werden zwei weitere Blocks frei. Einst arbeiteten hier 3000 Menschen für den Autokonzern. Schon 2006 hatte Daimler den Standort verkauft.
Vier Firmen mit insgesamt 400 Mitarbeitern aus vier zum IT-Unternehmen Bechtle gehörenden Firmen kommen hier aus bisher verstreuten Standorten in Stuttgart zusammen. Die Firma aus Neckarsulm wird damit zum sogenannten Ankermieter. Ziel ist es, die Zusammenarbeit und den Austausch über Abteilungen und Zuständigkeiten hinaus zu erleichtern. Den Neuanfang hat das Unternehmen jetzt mit einem sogenannten Innovationstag gefeiert, der mehrere hundert Interessierte zu Fachvorträgen rund um das Thema IT zusammengebracht hat.
In den ehemaligen Bürofluchten von Gebäude 5 hat der neue Mieter die meisten Wände herausreißen lassen und das Gebäude entkernt. Und wo es noch abgetrennte Räume gibt, schafft Glas die Transparenz. Bequeme Ohrensessel und in den Räumen verteilte, niedrige runde Tische sollen für Gesprächsatmosphäre sorgen. Unterschiedliche Farben auf den Stockwerken, die überall an Bechtle-Standorten ähnlich sind, sollen die Orientierung erleichtern.
Dass man künftig mit unterschiedlichsten Nachbarn zu tun haben könnte, ist einer der Gründe, warum man auf das weitläufige Gelände gezogen ist. „Wir würden uns wünschen, dass es auch über unseren Büroblock hinaus künftig noch mehr Begegnungsmöglichkeiten gibt“, sagt Alexander Hofmann, Geschäftsführer des Bechtle-IT Systemhauses Stuttgart, das mit 200 Mitarbeitern die Hälfte der Belegschaft in den Büros stellt.
Eine Anknüpfung an die Tradition am Standort gibt es: Die Autoindustrie der Region und ihre Zulieferern gehören bei den IT-Dienstleistungen zum Kundenstamm. Und so ist es bei aller offenen Atmosphäre auf den Schreibtischen immer aufgeräumt: „Da sich jeder Mitarbeiter täglich seinen Arbeitsplatz bucht, legen wir großen Wert darauf“, sagt Hofmann: „Eine Pizzakartonatmosphäre gibt es bei uns nicht“, sagt er in Anspielung aufs Klischee vom kreativen Chaos in der IT.
Zwar hat der Hamburger Immobilieninvestor Alstria mit einer kreativ verwinkelten Glasfassade den ersten vom Eingang sichtbaren Büroblock schon optisch aufgelockert und verspricht einen offenen Campus mit Stadtcharakter als „Ort für ihre Community“. Doch noch ist in der Außengestaltung wenig davon zu sehen. Bei der Ankunft muss man als Besucher erst einmal eine weitläufige, gepflasterte Fläche überqueren.
Der Schritt von einem Gebäudekomplex, der Macht und Hierarchien schon architektonisch widerspiegelte, zu einem offenen Kreativzentrum ist atmosphärisch noch nicht ganz vollzogen. Daimler hat vor einigen Jahren zur Auflockerung vorübergehend provisorische Container in den Innenhof gestellt, um einen Treffpunkt für die Entwicklung kreativer Ideen zu schaffen. Bechtle hat einen Kreativraum jetzt erst einmal im eigenen Gebäude geschaffen.
Noch ist offen, wie vielfältig die Nutzungen werden – ob es auch Anlaufpunkte für die Öffentlichkeit wie ein Sportstudio geben wird. „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass die Anbindung an den Nahverkehr noch besser“, sagt Hofmann. Dies sei gerade für junge Mitarbeiter heute ein ganz wichtiges Kriterium. Dies betrifft unter anderem die bisher fehlende, direkte Anbindung der Stadtbahn in Richtung Innenstadt, für die es eine neue Gleiskurve in Möhringen bräuchte.